WM 2018

Hupkonzert in Aarau – in Baden freuen sich die Fans eher verhalten über die Nati

Nach dem Sieg gegen Serbien letzte Woche waren die Strassen verstopft, Pyros wurden gezündet und Fahnen geschwenkt. Jetzt hat die Schweiz mit dem 2:2 gegen Costa Rica den Achtelfinal erreicht. Die grosse Begeisterung löste dieser Erfolg in Baden nicht aus. Ein wenig emotionaler ging es in Aarau zu und her.

So aufgekratzt die Stimmung vor dem Anpfiff des Spiels der Schweiz gegen Costa Rica war, so verhalten fielen die Reaktionen im Badener «HodgsonCorner» nach dem Schlusspfiff und der Achtelfinalqualifikation der Schweizer Nati aus. Die spezielle Stimmung vor dem Spiel war vor allem dem überraschenden und umso deutlicheren Aus der Deutschen Mannschaft geschuldet. Nicht wenige Schweizer Fans konnten ihre Freude über das Ausscheiden des grossen Nachbars nicht verbergen.

Gleichzeitig war an allen Ecken zu hören: «Für Schadenfreude ist es noch zu früh; erst müssen wir unser Ding ins Trockene bringen.» Das tat die Schweizer Nati denn auch – mehr oder weniger souverän. Weil aber die Brasilianer früh vorlegten, kam bei den mehreren Hunderten Schweizer Fans im Public Viewing in Baden nie wirklich Spannung und Stimmung auf.

So glich der Abend eher einer geselligen Bier-Runde unter Freunden, denn einem wirklich packenden Fussballabend. Der späte (sehr hart gepfiffene) Penalty gegen die Schweiz verdeutlichte diese Stimmungslage eindrücklich. Wäre es zu diesem Zeitpunkt für die Schweiz noch um etwas gegangen, hätte die Hütte getobt.

Ein etwas anderes Bild in Aarau:

Hupkonzert nach Achtelfinal-Quali an der Aarauer Bahnhofstrasse

Hupkonzert nach Achtelfinal-Quali an der Aarauer Bahnhofstrasse

Nur ein paar hupende Autos

So aber nahm man das Verdikt des Referees schulterzuckend zur Kenntnis, um sich wenig später über den Schlusspfiff und die die Achtelfinalqualifikation der Schweizer zu freuen. Vor dem Turnier hätten wohl nicht viele Fans auf ein solch souveränes Weiterkommen gewettet. Doch aufgrund der Ausgangslage vor dem Costa-Rica-Spiel und dem früh sich abzeichnenden Sieg der Brasilianer, war die Luft irgendwie raus. Laut wurde es selten, Fluch- und Kraftwörter waren die Ausnahme und Bier wurde auch keines ausgeschüttet.

Und es erstaunte denn auch nicht, dass sich die Reihen – anders als beim ausgiebig gefeierten Last-Minute-Sieg gegen die Serben – sehr schnell lichteten. Während in früheren Jahren nach einem Schweizer Sieg oder Qualifikation für die Ko-Phase der Schulhausplatz in Beschlag genommen wurde, beschränkte sich der Siegesrausch am Mittwochabend in Baden auf ein paar wenige hupende Autos.

Die Fans haben sich ganz offensichtlich ein Beispiel an der Nati genommen und sich hoffentlich wie die Fussballer die grossen Emotionen für das Spiel gegen die Schweden am Dienstag aufgespart. Ein bisschen emotionaler ging es in Aarau zu, wo der Verkehr in der Innenstadt kurz nach Spielschluss zum Erliegen kam. Später sperrte die Polizei das Stadtzentrum ab, die Schweizer Fans feierten in einem langen Autokorso.

Fan-Gesänge und Torjubel im Brugger Public Viewing:

Freude bei Fans in Brugger Public Viewing

WM im Aargau sehr friedlich

Während es nach dem Serbien-Spiel in Basel, Zürich und Solothurn zu Ausschreitungen mit Verletzten kam, verlief die WM im Aargau bisher äusserst friedlich. Die Kantonspolizei meldete keine Zwischenfälle, die einen Zusammenhang mit dem Turnier hatten. «Wir ziehen bis jetzt eine sehr positive Bilanz», sagt Kapo-Sprecher Roland Pfister.

Es gab keine Schlägereien und nicht einmal mit Lärmklagen müssen sich die Polizisten herumschlagen. «Die Aargauer scheinen Verständnis für die feiernden Fans zu haben», sagt Pfister. Dazu trage sicher bei, dass die Spiele bereits um 22 Uhr fertig sind, die Hupkonzerte also tendenziell früher stattfinden als auch schon.

Jubel und Feuerwerk nach Achtelfinaleinzug

Jubel und Feuerwerk nach Achtelfinaleinzug

Die Schweizer Fans erlebten in diesem Spiel wohl alle möglichen Gefühlsregungen. Die Freude überwiegt aber, den Achtelfinaleinzug geschafft zu haben.

Autokorsos nach Abpfiff duldet die Polizei während einer Stunde. «Sie werden bei Bedarf mit verkehrslenkenden Massnahmen abgesichert», sagt Pfister. Die Polizisten würden in diesem Zusammenhang während der WM auch ein bis zwei Augen zudrücken. Gefährdet ein Autofahrer aber andere Personen, wie jener junge Mann, der vor zwei Jahren nach dem EM-Sieg von Italien in Wohlen die Kontrolle über sein Auto verlor, kennt die Polizei kein Pardon.

Nach dem Sieg der Schweizer Nati gegen Serbien wurden in Aarau Pyros gezündet (die AZ berichtete). Auch aus Public-Viewing-Zonen in Zürich gab es Meldungen von Knallpetarden und Feuerwerk. Dort nahm die Polizei vergangene Woche einen Verdächtigen fest. Rund um Fussballspiele greift die Polizei auch im Aargau bei Pyros hart durch und zeigt die Fehlbaren wegen Landfriedensbruchs an.

Das könnte Fans, die Feuerwerk zünden, auch während der WM drohen. «In diesem Zusammenhang müssen die Polizisten aber immer die Verhältnismässigkeit im Blick haben», sagt Polizeisprecher Roland Pfister. Bei entsprechenden Hinweisen würde natürlich ermittelt. «Aber es ist nicht immer möglich und angezeigt, in einen Pulk von feiernden Menschen vorzudringen und die Fehlbaren herauszupicken», sagt Pfister.

Erst nach Abpfiff zum Arzt

Das Kantonsspital Baden meldet trotz Weltmeisterschaft «Courant normal» auf der Notfallstation. Es gebe zwar nach wie vor ein hohes Patienten-Aufkommen, sagt Mediensprecher Omar Gisler. «Dieses ist aber nicht auf die WM zurückzuführen.» Hingegen wirke sich das Geschehen in Russland auf die Bagatell-Notfälle aus, die nicht sofort behandelt werden müssen. «Ist ein Match besonders spannend, verzeichnen wir während des Spiels weniger Bagatellfälle. Die Patienten kommen erst nach dem Abpfiff», so Gisler.

Auch die verstopften Strassen seien für den Rettungsdienst kein Problem. «Die hupenden Fans sind sehr diszipliniert und machen Platz, wenn eine Ambulanz durchfahren muss», sagt Gisler. Dies bestätigt auch Polizeisprecher Pfister mit Blick auf eine Situation in Aarau, als Blaulichtfahrzeuge nach dem Serbien-Spiel nicht weiterkamen. «Da die Behinderungen nur sehr lokal und nicht von langer Dauer sind, ist dies kein zentrales Problem». Trotzdem sei es natürlich wichtig, dass sich Rettungsfahrzeuge den Weg an einen Einsatzort freimachen könnten.

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