Amphibienmassaker

Hunderttausende Kröten und Frösche sterben in diesem Frühling auf Aargauer Strassen

Erdkröten  auf gefährlicher Wanderschaft. Obs diese zwei wohl schaffen werden?

Erdkröten auf gefährlicher Wanderschaft. Obs diese zwei wohl schaffen werden?

Millionen Amphibien wandern derzeit zu ihren Laichplätzen. Ohne freiwillige Helfer wären einige Arten vom Aussterben bedroht, sagt Amphibienschützer Thomas Gerber.

Frühlingszeit ist Wanderzeit. Das gilt auch für Millionen von Erdkröten, Grasfröschen und Gelbbauchunken, die in diesen Tagen ihre Winterlager an Land verlassen und in Richtung Laichplätze hüpfen. Statt fröhlich über Stock und Stein führt der Weg für viele von ihnen über gefährliche Kantonsstrassen. Ein potentieller Todesmarsch.

Thomas Gerber, Amphibienschutz-Verantwortlicher des Kantons, spricht von einem «regelrechten Massaker», das sich alljährlich auf den hiesigen Strassen abspielt.


Krähen verunmöglichen Zählung
Wie viele Frösche, Kröten und Molche jedes Jahr überfahren werden und als plattgewalzte Zeugen des frühlingshaften Amphibienmassakers im Strassengraben landen, lässt sich laut Thomas Gerber nur schwer beziffern. «Viele Tiere sind so klein, dass man sie schlicht nicht sieht. Zudem sind die überfahrenen Amphibien ein Festfressen für Krähen und andere Vögel, die sich frühmorgens über das flache Buffet hermachen», erklärt der Amphibienfachmann. Eine Zählung sei daher praktisch unmöglich. «Wir müssen aber davon ausgehen, dass jedes Jahr mehrere hunderttausend Amphibien auf den Aargauer Strassen ihren Tod finden.»


Um das Massaker so klein wie möglich zu halten, wurden über die vergangenen Jahre an 99 Stellen im Kanton bauliche Massnahmen ergriffen. An mehreren der sogenannten Zugstellen stehen den wandernden Amphibien Strassenunterführungen zur Verfügung. Die Tiere akzeptierten diese Lösung, erzählt Thomas Gerber. Das hätten Zählungen bei neu gebauten Amphibienunterführungen gezeigt.


An vielen Orten werden die Tiere aber auch heute noch von freiwilligen Helfern über die Strassen getragen. Bei rund 30 Zugstellen hat man dafür 2015 Zahlen erhoben. Das Ergebnis: 26 000 Kröten, Frösche und Mölche haben die fleissigen Helfer im vergangenen Jahr von Hand durch die Todeszonen getragen.


Amphibien-Hotline für freiwillige Helfer
Das Amphibienmassaker gänzlich verhindern könne man damit zwar nicht, sagt Thomas Gerber. «Ohne diese Helfer wären einige Amphibienarten aber vom Aussterben bedroht. Denn mit jedem Muttertier, das überfahren wird, kommen 50 bis 100 Jungtiere weniger zur Welt.»
Wer den Amphibienschützern ein neue Zugstelle melden oder sich als freiwilliger Helfer zur Verfügung stellen möchte, kann sich direkt bei Thomas Gerber unter 062 835 34 56 melden.

Kröte

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