Die Kantine von Kumukenke ist brechend voll. Alle sind zur offiziellen Einweihung gekommen, Mütter, Väter, Kinder, die Behörden des Bezirks und die Mamans Volontaires, welche für die Betreuung von Waisen und verwahrlosten Kindern zuständig sind. Kumukenke ist bereits die fünfte Kantine, die durch die Stiftung Margrit Fuchs finanziert und nun vom Bureau Social in Betrieb genommen wurde. Rund 100 Kinder erhalten hier dreimal pro Woche ein Mittagessen, werden mit Kleidern, einer Schuluniform und Hygieneartikeln ausgestattet und erhalten mit den Mamans Volontaires eine Vertrauensperson für sämtliche Anliegen.

Das ursprünglich ausschliesslich für Waisenkinder geplante Projekt hat sich stark ausgeweitet, da in allen Bezirken auch sehr viele vernachlässigte, mangelernährte Kinder leben, deren Eltern sich nicht um sie kümmern. Deshalb war schnell klar, dass man auch diese Eltern ins Projekt einbeziehen muss, wenn sich wirklich etwas nachhaltig ändern soll. In vielen Treffen wurden die Eltern auf ihre Verantwortung für ihre Kinder hingewiesen, auf die Wichtigkeit des Schulbesuchs und eine angemessene Hygiene. Sie wurden aber auch instruiert, wie sie durch den Anbau von Gemüse und Früchten für eine gesündere Ernährung sorgen können – und sie mithilfe eines Kleinkredites sich aus der absoluten Armut befreien und ihr Leben selber in die Hand nehmen können.

Um ihre Erlebnisse und Erfahrungen den Besuchern aus der fernen Schweiz zu vermitteln und für die Hilfe zu danken, sind die Leute so zahlreich in die Kantine gekommen. Die Lebensgeschichten sind berührend, und dass sich die Begünstigten so offen vor der ganzen Gemeinschaft und den fremden Besuchern äusserten, zeugt vom neu gewonnenen Selbstvertrauen.

Berührende Lebensgeschichten

Da ist Yvette, der man es heute fast nicht mehr abnimmt, dass sie noch vor zwei Jahren nicht einmal Kontakt mit den Nachbarn hatte, da sie sich so geschämt hatte für ihre fehlende Schulbildung und ihre Armut. Heute kann sie mit dem Kleinkredit ein Stück Land pachten, das ihr und ihren zwei Kindern den Lebensunterhalt sichert. Heute ist sie aktiv in der Gemeinschaft dabei. Oder Raymond, der mit dem Kleinkredit eine kleine Ziegenzucht aufgebaut hat und stolz erwähnt, wenn wir mal «Brochettes» aus Ziegenfleisch haben möchten, er die beste Quelle sei. Oder Vivienne, die auf dem gepachteten Land ausschliesslich Soja anpflanzt und aus dem Soja Biscuits fertigt, die einen sehr guten Absatz finden. Als Beweis überreicht sie uns ein paar «Versucherli». Und ja, die sind wirklich sehr fein.

Einiges zu lachen gibt es, als zwei ungefähr Zehnjährige ein selbst verfasstes Gedicht zu unseren Ehren vortragen, in welchem sie aufführen, was für sie dank unserer Hilfe besser geworden ist und was sie gelernt haben. Nach dem Grund der Heiterkeit gefragt, wird uns gesagt, dass sie alle Mädchen vor den bösen jungen Männern gewarnt hätten, die doch alle nur das eine wollten und sie nachher im Stich lassen würden. Die beiden sind zwar noch etwas gar jung für das Thema, aber es zeigt doch, dass alle Themen in dieser Gemeinschaft angesprochen werden. Dies wird auch durch eine andere junge Mutter bestätigt, die erzählt, dass sie kurz vor der Scheidung gestanden sei. Da sie und ihr Mann jetzt aber gelernt hätten, wie man Konflikte in der Familie lösen könne, sehen sie heute wieder eine gemeinsame Zukunft.

Die freiwilligen Spendenhelfer bei ihrer Arbeit im AZ-Newsroom in Aarau.

Die freiwilligen Spendenhelfer bei ihrer Arbeit im AZ-Newsroom in Aarau 2017.

Ein lokales Komitee, welches durch die Dorfgemeinschaft gewählt wird, entscheidet darüber, wer einen Kleinkredit erhalten soll. Wer sich bewirbt, muss zuerst ein Ausbildungsprogramm absolvieren und sein Projekt vor dem Komitee präsentieren. Nur wenn es als erfolgversprechend eingeschätzt wird und man dem Kreditnehmer das Projekt zutraut, wird beim Bureau Social die Kreditgewährung beantragt. Häufig übernimmt die Gemeinschaft sogar eine Solidarhaftung für den Kredit, und das lokale Komitee kümmert sich auch um das Inkasso der Kreditraten. So ist eine soziale Kontrolle gewährleistet und die Zahlungsmoral stark gestiegen.

Das Projekt mit den mittlerweile fünf Kantinen, in denen sich die Mamans Volontaires um knapp 500 Kinder kümmern, hat sich durch den Einbezug der Eltern und der ganzen Dorfgemeinschaften erfreulich entwickelt. Bereits wurden wir von weiteren Bezirken angefragt, ob wir das System mit den Kantinen und den Mamans Volontaires nicht auch bei ihnen aufbauen würden. Wir prüfen das, da wir überzeugt sind, dass dieses Projekt ganz im Geist von gewesen wäre.

«Helfen dürfen macht glücklich»: Dieses Fazit zog Margrit Fuchs immer wieder bei ihrem Engagement in Ruanda.

«Helfen dürfen macht glücklich»: Dieses Fazit zog Margrit Fuchs immer wieder bei ihrem Engagement in Ruanda.

Wir durften uns während unseres Besuchs davon überzeugen, dass auch alle anderen Projekte und Aktivitäten des Hilfswerks sich erfreulich entwickeln und die beiden Direktverantwortlichen für die Stiftung, Frédéric und Yvonne, eine ausgezeichnete Arbeit leisten und dafür sorgen, dass das Geld zweckgebunden eingesetzt wird.

Auch die von uns angebotenen beruflichen Ausbildungen als Schreiner, Köchin, Schneiderin oder Autounterhalt werden rege genutzt. Die Ausbildungen sind zwar in keiner Art und Weise mit einer Lehre in der Schweiz zu vergleichen und auch die Qualität ist nicht immer ganz so, wie wir es gerne möchten. Trotzdem finden die Lehrabgänger aufgrund der erlernten Fähigkeiten in den meisten Fällen einen Job oder können sich selbstständig machen.

Ruandesische Sing- und Tanzkünste – Aufnahmen von der Reise im Oktober 2018

Ruandesische Sing- und Tanzkünste – Aufnahmen von der Reise im Oktober 2018

Mädchen und Jungs tanzen und singen anlässlich der Einweihung eines Primarschulhauses in Mushubati, Frauen vollführen einen Festtanz im Anschluss an eine Seifenherstellung in der Kantine von Kumukenke.

Die Viehverteilungen haben dazu geführt, dass der Bezirk Muhanga jetzt zu jenen Bezirken gehört, in denen das auch vom Präsidenten unterstützte Projekt «one cow – one family» (eine Familie – eine Kuh) am weitesten fortgeschritten ist. Deshalb wurde der Schwerpunkt in diesem Jahr auf den Bezirk Kamoni gelegt, wo neben Kühen und Ziegen auch Schweine und Hühner verteilt werden. Diese Tiere sind weniger anspruchsvoll in der Pflege und vermehren sich schneller, sodass sie bald zusätzliches Einkommen generieren.

Margrit Fuchs unvergessen

Die Hilfswerkgründerin und -leiterin Margrit Fuchs ist auch 10 Jahre nach ihrem Tod immer noch sehr präsent in Ruanda. Ihre Zuwendung zu den Menschen, ihre Unterstützung und Herzlichkeit, aber auch ihr Fordern, dass man den Menschen zwar eine Anschubhilfe geben soll, dass sie dann aber ihr Leben selber in die Hand nehmen müssen, wurden auch anlässlich der jedes Jahr stattfindenden ‹Semaine Margrit› immer wieder erwähnt. Die Bevölkerung, aber auch die Behörden im Bezirk sind ausgesprochen dankbar, dass das Werk von Margrit durch die Stiftung weitergeführt wird. Immer wieder werden wir gebeten, den herzlichen Dank an die unbekannten Spender in der fernen Schweiz weiterzuleiten, was wir hiermit auch tun möchten: MURAKOZE – DANKE, dass Sie das Werk von Margrit Fuchs mit einer Spende an die Weihnachtsaktion unterstützen.

Stand: 11.12.2018

625'220 Franken

SO KÖNNEN SIE SPENDEN
So können Sie bis zum 11. Dezember bestellen und spenden:

  • Waisenhilfe: Betreuung eines Kindes in einem Waisenhaushalt 150 Franken für ein Jahr, 75 Franken für ein halbes Jahr.
  • Schulgeld: Schulbesuch eines Kindes 150 Franken für ein Jahr, 75 Franken für ein halbes Jahr.
  • Vieh: Milchgeiss 80 Franken, Schwein 50 Franken, Kuh 600 Franken (auch ein Anteilbetrag ist möglich).
  • Weitere Zweckbestimungen: Beliebiger Betrag für Betreuung Strassenkinder, Kinderheim, berufliche Ausbildung Jugendlicher, Kantine, Mütterstation, mittellose Spitalpatienten, Kleinkredite, Solarpanels, Nothilfe u.a.m.

Spenden können Sie wie folgt:

  • Telefon: 058 200 50 25 (werktags 08.00-12.00 und 13.30-17.00 Uhr)
  • E-Mail: ruanda@chmedia.ch
  • Direktüberweisungen sind wie folgt möglich:
  • Stiftung Hilfswerk Margrit Fuchs Ruanda, 5210 Windisch
  • Raiffeisenbank Wasserschloss, 5412 Gebenstorf
  • Konto/IBAN: CH42 8069 0000 0022 2228 0
  • Clearing-Nr. 80690
  • Post-Konto der Bank: 50-4158-4
  • Vermerk: Stiftung Margrit Fuchs Ruanda
  • Auch bei Direktüberweisung bitte Spende der Spendenzentrale melden, damit die Bestellungen detailliert nach Ruanda übermittelt werden können.

Nach Bestellungseingang schickt das OK den Spenderinnen und Spendern einen Einzahlungsschein zu. Die Spenden sind in allen Kantonen bei den Steuern abzugsberechtigt. Das OK dieser Sammelaktion und der Stiftungsrat des Hilfswerkes verschicken aus finanziellen und administrativen Gründen keine Spendenbestätigung; bitte dem Steuerformular den Beleg der Post- oder Banküberweisung beilegen.

Jede Spende fliesst ungeschmälert nach Ruanda


Da in der Schweiz keine Kosten für Administration und Organisation anfallen und der Stiftungsrat sowie das Helferteam ehrenamtlich arbeiten, kommt jeder Franken vollumfänglich den Notleidenden in den Distrikten Muhanga/Gitarama, Kamonyi und Nyamagabe zugute. Der Bund hat die Aufsicht über das Hilfswerk und die Stiftung inne.
  • Herzlichen Dank für die Unterstützung!

Hilfswerk-Infos: www.ruanda.ch
Geleitworte

Geleitworte zur Jubiläums-Sammelaktion 2013

Bundesrätin Doris Leuthard

Nicht die Summe des Vermögens oder die Zahl der Titel messen den Wert eines Menschen – es sind seine Taten. Margit Fuchs war ein solch wertvoller Mensch; mutig, hilfsbereit, engagiert. Und all jene tun Wertvolles, die für ihr Hilfswerk direkt in Ruanda oder mit ihrem Beitrag aus der Schweiz zu Gunsten der Mittellosen mit anpacken. Getreu nach einem der Leitsätze von Margrit Fuchs – „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus 7, 20) – können auch wir Gutes tun, damit für die Menschen in Ruanda Gutes getan werden kann.

Micheline Calmy-Rey, alt Bundesrätin

Ich habe Margrit Fuchs zuerst im Bundeshaus in Bern kennengelernt, dann habe ich sie erneut getroffen, als ich 2007 auf einem offiziellem Besuch in Ruanda war. Ich bewunderte diese Frau, die sich für elternlose Kinder engagierte. Sie ermöglichte den Bau von Schulen und Geburtshäusern, sie hat Waisenhäuser erichtet. Ihr ganzes Leben hat sie Ruanda und seinen Kindern gewidmet. Waisenmutter war sie, was für ein Ehrenname! Heute wird ihr Werk weitergeführt und braucht ihre Spende!

Peter Wanner, Verleger

Margrit Fuchs hat Grossartiges geleistet und ich freue mich, dass Ihr Projekt auf professioneller Basis erfolgreich weitergeführt wird. Bei Spendenaktionen zugunsten von Projekten der Entwicklungshilfe frage ich mich immer: Kommt das Geld hoffentlich in die rechten Hände? Bei der Ruanda-Sammelaktion muss ich mich nicht fragen, denn da habe ich das Vertrauen, dass die wirklich Bedürftigen davon profitieren. Die Aargauer Zeitung und früher das Badener Tagblatt haben von Anfang an dieses Projekt tatkräftig unterstützt – dank der Solidarität ihrer Leserinnen und Leser. Seit Jahren beteiligen sich inzwischen auch die Limmattaler Zeitung, Solothurner Zeitung, das Grenchner Tagblatt, die bz Basel und bz Basellandschaftliche Zeitung mit ihrer Leserschaft an der Weihnachtssammlung und ermöglichen damit zusätzliche Hilfeleistungen in einem der ärmsten Länder.

Alphonse Muinyenntwari, Gouverneur Südprovinz Ruanda

Anlässlich des Besuchs der Stiftungsratspräsidentin Regula Gloor im Oktober in Ruanda fand ein Treffen mit dem Gouverneur der Südprovinz, Alphonse Munyenntwari, statt. Die Südprovinz umfasst eine Bevölkerung von rund 2 Millionen und besteht aus acht Distrikten, darunter Gitarama. Der Gouverneur äusserste dabei seine hohe Anerkennung für die vielfältigen Aktivitäten des Hilfswerkes. Da die Armutsbekämpfung ein wichtiges Ziel der Regierung ist, trage das Hilfswerk wesentlich dazu bei, diese Ziele in seiner Provinz schneller und besser umzusetzen, so durch den Bau neuer Schulhäuser, die Unterstützung der Schüler und Studierenden mit Schulgeldern sowie die Verteilung von Vieh an die arme Bevölkerung. „Für diese Hilfe bin ich der Stiftung und somit den Spendern in der Schweiz äusserst dankbar. Ich hoffe sehr, dass diese Aktivitäten auch in Zukunft fortgesetzt werden, denn sie sind für die arme Bevölkerung von sehr grosser Wichtigkeit.“
Hier geht es zum Formular: