Knapp zwei Wochen vor der Ständeratswahl ist die Empfehlungsliste für die drei Kandidaten vollständig. Ruth Humbel (CVP) erhält insbesondere aus der politischen Mitte offizielle Unterstützung. Als letzte Zentrumspartei hat sich die BDP für Humbel ausgesprochen. «Unsere Mitglieder haben sich klar für Ruth Humbel entschieden», sagt Parteipräsident und Nationalrat Bernhard Guhl. Humbel erreichte bei der BDP-Basis 54 Prozent der Stimmen, auf Philipp Müller entfielen lediglich 33 Prozent.

BDP glaubt an Humbels Wahl

Die BDP glaubt nicht, dass sie mit einer Unterstützung von Ruth Humbel letztlich Hansjörg Knecht zum Ständeratssitz verhelfe. Müller und Knecht hätten im ersten Wahlgang wohl etliche Stimmen auf einem gemeinsamen Wahlzettel erhalten. Diese Stimmen würden sich nun halbieren, zudem könne Humbel «von etlichen Stimmen profitieren, die zuvor an Bernhard Guhl oder andere Mittekandidaten gingen». Die BDP hofft, dass eine Person gewählt wird, die sich für den Aargau einsetzt und nicht in erster Linie für das Parteibuch.

Die drei Aargauer Ständeratskandidaten im «TalkTäglich» vom 27.10.: Sehen Sie die wichtigsten Momente in unserem Zusammenschnitt.

Die drei Aargauer Ständeratskandidaten im «TalkTäglich» vom 27.10.: Sehen Sie die wichtigsten Momente in unserem Zusammenschnitt. (27.10.2015)

Auch die EVP, die auf nationaler Ebene mit der CVP zusammenarbeitet, unterstützt Humbel. Derweil konnte sich bei der GLP nur die Jungpartei zu einer Empfehlung entschliessen, die Mutterpartei sieht zu viele Differenzen bei Humbels Positionen. Von links gibt es doppelten Support für die CVP-Frau: Die SP und der WWF empfehlen Humbel zur Wahl. Anders sieht dies bei Juso und Gewerkschaftsbund aus. Für beide ist Humbel unwählbar, sie verzichten deshalb auf eine Empfehlung für den zweiten Ständerats-Wahlgang.

Dreikampf bei den Aargauer Ständeratswahlen

Dreikampf bei den Aargauer Ständeratswahlen: Das grosse Streitgespräch im TalkTäglich in voller Länge (27.10.2015)

Müller als Mann der Wirtschaft

Nach dem ersten Wahlgang hatte sich SVP-Aargau-Präsident Thomas Burgherr ein klares Bekenntnis der Wirtschaftsverbände zu Hansjörg Knecht gewünscht. Dieser sei im Gegensatz zu FDP-Vertreter Philipp Müller ein echter Unternehmer und verdiene deshalb die Unterstützung von Gewerbeverband und Handelskammer.

Doch Burgherrs Wunsch bleibt unerfüllt: Der SVP-Mann erhält nur vom Gewerbeverband eine halbe Empfehlung. Dieser konnte oder wollte sich nicht auf einen Kandidaten festlegen und empfiehlt Müller oder Knecht. Beide seien erfahrene Politiker und Unternehmer und hätten in ihrer Tätigkeit im Nationalrat stets eine gewerbefreundliche Position eingenommen.

Enttäuscht dürfte der SVP-Präsident auch über den Entscheid der Industrie- und Handelskammer sein. Diese empfiehlt nur Müller, wie Präsident Daniel Knecht erklärt: «Wir haben im Vorstand sehr ausführlich über die drei Kandidaten diskutiert und uns letztlich für eine Einer-Empfehlung entschieden. Den Ausschlag für Philipp Müller hat insbesondere sein breites Netzwerk und sein klares Ja zu den bilateralen Verträgen mit der EU gegeben.»

Ein kleines Trostpflaster gibt es für die SVP dennoch: Die EDU, der Fraktionspartner im Grossen Rat, unterstützt Knecht.

Doch noch ein Podiumsgespräch

Pius Lischer (parteilos), der für das bedingungslose Grundeinkommen kämpft, wird von keiner Partei unterstützt. Doch der Aussenseiter sorgt dafür, dass ein Ständeratspodium zustande kommt. Am kommenden Dienstag, 10. November, diskutieren Lischer, Humbel und Müller im Gasthof Löwen in Sins. Zuvor waren Versuche der FDP gescheitert, in Zofingen und Rheinfelden ein Podium mit Knecht, Müller und Humbel zu organisieren (az vom 4. November). Knecht sagte ab, Humbel wollte nicht allein mit Müller diskutieren. Dass nicht alle vier Kandidaten in Sins auftreten, hat andere Gründe. Lischer fragte auch SVP-Vertreter Knecht an, dieser muss aber wegen Terminkollisionen passen.

Tags darauf, am Mittwoch, 11. November, treffen sich Humbel, Müller und Knecht bei Radio Argovia. Das Dreier-Gespräch unter der Leitung von Chefredaktor Jürgen Sahli wird ab 19 Uhr live übertragen.