Legislaturbilanz

Hürzeler hat den Ball bewusst flach gehalten

Gut in Schuss. Alex Hürzeler an der Berufswahlschau in Lenzburg

Gut in Schuss. Alex Hürzeler an der Berufswahlschau in Lenzburg

SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler konnte nicht damit rechnen, im Bildungsdepartement mit offenen Armen empfangen zu werden. Und doch: Gut Dinge will Weile haben: Hürzeler will die Schulpolitik mit moderatem Reformkurs beruhigen.

Regierungsrat Alex Hürzeler hatte keinen einfachen Einstieg in das Amt. Der Vater des Bildungskleeblatts, CVP-Regierungsrat Rainer Huber, war abgewählt worden.

An Hubers Stelle war Hürzeler getreten, und wenige Wochen nach dem Amtsantritt brachte seine Partei Vorgänger Hubers Bildungskleeblatt im Mai 2009 praktisch im Alleingang zu Fall.

SVP-Mann Hürzeler konnte in dieser Situation nicht damit rechnen, im Bildungsdepartement, wo man lange mit Feuereifer an der Schulreform gearbeitet hatte, mit offenen Armen empfangen zu werden.

Ruhe in die Schulstuben

Und doch war es irgendwie auch eine dankbare Aufgabe. Wie auch immer der Neue an den Scherbenhaufen herangehen würde: Jedermann war klar, dass man sich ein zweites Scheitern einer überarbeiteten Schulreform nicht würde leisten können, ohne den Kanton vollends ins bildungspolitische Desaster zu stürzen.

Hürzeler gab die Parole heraus, es müsse wieder Ruhe einkehren in den Aargauer Schulstuben.

Alex Hürzeler im Interview zu den Regierungsratswahlen  2012

Alex Hürzeler im Interview zu den Regierungsratswahlen 2012

Und gut Ding will Weile haben: Die Arbeiten am Paket «Stärkung der Volksschule Aargau» zogen sich als roter Faden durch die ganze erste Legislatur des neuen Bildungsdirektors.

Hie und da wurde leise Kritik am Tempo laut, aber als das Reformpaket schliesslich in der Volksabstimmung vom 11. März dieses Jahres unter Dach gebracht wurde, konnte Hürzeler das dann als grossen und durchaus auch persönlichen Erfolg feiern.

Lange war nicht klar, ob es sich seine Partei verkneifen würde, gegen das Kindergartenobligatorium und den Wechsel auf sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Oberstufe Sturm zu laufen.

Es gehört zu den Verdiensten des neuen Bildungsdirektors, dass er sich – auch von den Fachleuten in seinem Departement – von sachlichen Notwendigkeiten überzeugen lässt und dafür auch gegen den Widerstand der eigenen Parteifreunde Überzeugungsarbeit leistet.

Ihm wird auch von linken Bildungspolitikern attestiert, dass er zwar sicher kein Visionär, aber ein Pragmatiker ist, der auch andere Meinungen akzeptiert. Die langjährige Exekutiv-Erfahrung als Gemeindeammann von Oeschgen hat ihn hier sicher geprägt.

Der zweite Höhepunkt in Hürzelers erster Legislaturperiode war natürlich die überwältigende Zustimmung zum Kauf des Campus-Neubaus der Fachhochschule in Windisch. Dies im Übrigen auch aus parteipolitischer Sicht ein Erfolg: Die SVP hatte schon immer moniert, dass der Kauf die bessere und günstigere Lösung sei als die ursprünglich geplante Mietvariante.

Neben den zwei ganz grossen Brocken geht leicht vergessen, dass erstens durchaus noch einiges mehr im Bildungsbereich gegangen ist. Die Schaffung eines Ausbildungsgangs für Quereinsteiger in den Lehrberuf wäre da etwa zu nennen oder dass für attraktivere Arbeitsbedingungen im Lehrberuf 50 Millionen lockergemacht wurden. Und zweitens, dass in Hürzelers Zuständigkeitsbereich auch die Kultur- und Sportpolitik gehört. Es ist nicht zu übersehen, dass er sich im Schiessstand eher zu Hause fühlt als im Kunsthaus.

Der singende Kulturminister

Aber der neue «Kulturminister» strahlt dennoch eine Begeisterung aus, die man ihm abnimmt, wenn er von der kulturellen Vielfalt und dem Engagement der Kulturschaffenden schwärmt. Im Bekenntnis zum Kulturkanton, wie er es formuliert, kommt dann wieder die pragmatische Art zum Ausdruck: Er hoffe sehr, dass sich der Aargau sein Engagement in der Pflege und Förderung des kulturellen Schaffens weiterhin in diesem Ausmass leisten könne.

Bodenständig dürfte ein Begriff sein, der Hürzelers Art, die Dinge anzugehen, durchaus nicht despektierlich beschreibt. Wann hat man es schon erlebt, dass ein Regierungsrat im Parlamentssaal «Im Aargau sind zwöi Liebi» anstimmt, um zu zeigen, dass mundartliches Kulturgut nicht dem Zerfall geweiht ist?

Lesen Sie morgen die Bilanz über Susanne Hochuli (Grüne)

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