Anti-Lehrplan-Initiative abgelehnt

Hürzeler erleichtert: Das Nein schafft Klarheit für die Zukunft der Aargauer Schule

Der Bildungsdirektor hier in der Schule von Suhr.

Alex Hürzeler ist froh über das Nein zur Anti-Lehrplan-Initiative.

Der Bildungsdirektor hier in der Schule von Suhr.

Wuchtig haben die Aargauer Stimmberechtigten die Initiative «Ja zu einer guten Bildung - Nein zum Lehrplan 21» abgeschmettert. Die Initianten kritisieren im Nachhinein die «Behördenpropaganda». Und Bildungsdirektor Alex Hürzeler erklärt, wie es nun weiter geht mit der Schule.

117 550 Aargauerinnen und Aargauer lehnten die gegen den Lehrplan 21 gerichtete Initiative ab; 51 532 sprachen sich dafür aus. «Ich bin erfreut über dieses deutliche Resultat», erklärte Bildungsdirektor Alex Hürzeler. «Es schafft Klarheit und Sicherheit für die weitere Arbeit.» Und er sei dankbar, dass die grosse Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern zum selben Schluss gekommen sei wie Regierung und Parlament: Dass die Initiative schädlich wäre für die Aargauer Schule.

Infogram: Abstimmung 12.2.2017: Aargauische Volksinitiative "JA zu einer guten Bildung - Nein zum Lehrplan 21"

Initiative war auch hilfreich

Ganz anders ist die Gemütslage bei Harald Ronge, Bezirkslehrer und Mitglied des Initiativkomitees. «Wir sind enttäuscht über den geringen Stimmenanteil», gab er unumwunden zu. Man habe zwar damit rechen müssen, dass es nicht reichen werde. «Es war schwierig, die Leute für unser Anliegen zu mobilisieren», sagte Ronge. Dies, weil ausser der SVP keine Partei die Initiative unterstützt habe, und auch kein Verband.

Ronge kritisierte auch die seiner Meinung nach von den Lehrerverbänden verhinderte sachliche Diskussion, die zu einer aufgeheizte Stimmung geführt habe. Auch eine «unzulässige Behördenpropaganda» gegen die Initiative habe zum schlechten Ergebnis geführt. «Aber die Stimmbürger haben entschieden. Und selbstverständlich akzeptieren wir diesen Entscheid», sagte Ronge und mit Blick in die Zukunft: Man werde weiterhin genau hinschauen, wie es nun mit dem Aargauer Lehrplan weitergehe.

Werfen sich gegenseitig vor, unsachlich vorgegangen zu sein: Elisabeth Abbassi (pro Lehrplan) und Tanja Primault-Suter (contra) im Interview am Abstimmungssonntag.

Werfen sich gegenseitig vor, unsachlich vorgegangen zu sein: Elisabeth Abbassi (pro Lehrplan) und Tanja Primault-Suter (contra) im Interview am Abstimmungssonntag.

Den Vorwurf der «unzulässigen Behördenpropaganda» lässt Bildungsdirektor Hürzeler nicht gelten: «Mag sein, dass die Initianten das in ihrer ersten Enttäuschung so sehen.» Aber die Regierung habe die Pflicht die Bevölkerung über Vor- und Nachteile einer Bildungsvorlage zu informieren. Und es liege in der Verantwortung der einzelnen Schulpflegen vor Ort, ob und wie sie an die Eltern gelangten.

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Hürzeler kann der Auseinandersetzung um die Initiative aber auch positive Seiten abgewinnen: «Die Initiative hat eine breite Diskussion über die Volksschule ausgelöst», sagte Hürzeler, und weiter: «Dabei hat die Basis klar zum Ausdruck gebracht, dass der Kanton Aargau den in der Bundesverfassung vorgegebenen Weg weitergehen und die kantonsspezifische Anpassung des Lehrplans 21 auf die aargauischen Bedürfnisse will.»

Aber auch in einem weiteren Bereich sei die Initiative hilfreich gewesen: «Wir wissen jetzt, dass die Aargauerinen und Aargauer zwei Fremdsprachen in der Primarschule wünschen.» Damit wäre der Aargau auch im Einklang mit den Forderungen des Bundes und der Praxis der meisten andern Kantone.

Und so geht es jetzt weiter

Nach der klaren Ablehnung der Initiative ist der Weg frei für den neuen Aargauer Lehrplan. Wie sieht da der Fahrplan aus? Hürzeler hat klare Vorstellungen: Noch im Februar beginnt die ersten Phase. In den Prozess der Erarbeitung werden möglicht viele schulische Verbände wie Schulleitungen oder Schulpflegen einbezogen. Aber auch schulnahe Interessengruppen wie Wirtschaft und Gewerbe sind mit von der Partie.

«Wenn wir über das Fach Religion diskutieren, werden wir die Landeskirchen begrüssen, und beim Thema Hauswirtschaft die Landfrauen», sagte Hürzeler. Dabei ist für ihn klar, dass aargauische Anpassungen notwendig sind; Hürzeler nannte dabei als Beispiel den Fächerkanon an der Oberstufe.

Was während dieses Prozesses entsteht, mündet in eine öffentliche Anhörung im Laufe des Jahres 2018. Danach wird entschieden. Inhaltliche Entscheide fällt der Regierungsrat, bei finanzrelevanten hat der Grosse Rat das letzte Wort.

Obschon die Arbeit am neuen Aargauer Lehrplan wegen der Initiative monatelang sistiert war, ist Hürzeler überzeugt, dass die geplante Einführung auf das Schuljahr 2020/21 nicht gefährdet ist.

170117 Talktaeglich_TM

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Ziel der Initiative ist es, den Lehrplan 21 im Aargau zu verhindern. Was zwei Lehrerinnen darüber denken, erklären sie heute im TalkTäglich.

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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