Aargauer Blick auf Olympische Spiele
«House of Switzerland»-Verantwortliche: «Nach Rio kam ich Hals über Kopf - der Liebe wegen»

Wie schon an der Fussball-WM 2014 zieht eine Badenerin in Rio die Strippen: Christina Gläser ist als Projektleiterin von Präsenz Schweiz zuständig für das «House of Switzerland» und damit für den offiziellen eidgenössischen Auftritt an den Olympischen Spielen.

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Christina Gläser ist in Rio für den offiziellen eidgenössischen Auftritt zuständig.

Christina Gläser ist in Rio für den offiziellen eidgenössischen Auftritt zuständig.

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Am Freitag beginnen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro und die Schweiz wird unter anderem vertreten sein mit dem House of Switzerland, an einer Lagune Rios gelegen inmitten grüner Berge. Auf der Anlage werden Schweizer Klischees auf humorvolle Art bedient. So kann man sich etwa in eine grosse Schneekugel hineinbegeben, auf einer Eisbahn Schlittschuh laufen oder in einem kleinen Atelier zuschauen, wie aus brasilianischem Kakao und Schweizer Pulvermilch Schokolade hergestellt wird. Hinter dem Projekt steht unter anderen die Badenerin Christina Gläser, als Leiterin von «Präsenz Schweiz» zuständig für den Auftritt der Eidgenossenschaft in Brasilien seit der Fussball-WM und nun während Olympia. Sie erzählt, wie das Projekt zustande kam und wie sie das vermeintliche Chaos in Rio kurz vor den Spielen sieht.

Wie kommt eine Badenerin dazu, nach Rio de Janeiro auszuwandern und dort die offizielle Schweizer Vertretung während der Olympischen Spiele auf die Beine zu stellen?

Christina Gläser: Nach Rio kam ich eigentlich Hals über Kopf der Liebe zu meinem heutigen Ehemann wegen. Beruflich haben sich die Dinge dann Schritt für Schritt ergeben. Ich muss aber sagen: Das Projekt wird vom ganzen Team von Präsenz Schweiz zusammengestellt und wir haben hier einige Mitarbeiter aus Bern vor Ort. Ich biete einfach eine lokale Unterstützung.

In den letzten Wochen wurde viel Negatives berichtet, unter anderem seien die Bauarbeiten im olympischen Dorf nicht rechtzeitig fertig geworden. Herrscht tatsächlich Chaos?

Die Welle negativer Medienberichte finde ich grundsätzlich sehr schade für Rio, denn es ist auch unglaublich viel Positives passiert hier. Rio leidet am Vorurteil, für die Spiele nicht vorbereitet zu sein. Dabei hat die Stadt das nicht verdient. Für mich ist es die schönste Stadt weltweit, trotzdem darf man Rio aber nicht mit einer europäischen Stadt vergleichen.

In einem Interview vor zwei Jahren hatten Sie gesagt: «In Brasilien schlägt es 5 vor 12 und man denkt: Das wird nicht funktionieren. Und dann klappt es dennoch.» Wird es dieses Mal wieder so sein?

Klar, in Brasilien geschieht vieles in letzter Minute, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es an anderen Olympischen Spielen nicht auch so war. Für mich als Schweizerin wird es zwar immer schwierig sein, mich dieser Last-Minute-Kultur voll anzupassen. Aber wenn man damit umzugehen weiss, dann ist in Brasilien eben auch in diesen letzten Minuten vieles noch möglich, was in der Schweiz dann gar nicht mehr möglich wäre.

Am Montag haben Sie in Rio den Ersten August gefeiert. Wie war das Fest?

Für uns war es eine riesige Gelegenheit, mit dem 1. August die Anlage zu eröffnen. Damit sind wir als erste aller Ländervertretungen gestartet. Der Ansturm war riesig, alle waren begeistert, für die Kommunikationskampagne war das perfekt.

Kommen die Schweizer Eigenheiten und Menüs bei den Brasilianern gut an?

Brasilianer lieben Emotionen und Spektakel. Unsere kulinarische Show mit einem «Feuerring-Churrasco» kommt deshalb sehr gut an. Wir grillieren brasilianisches Fleisch auf Schweizer Art und zeigen so die vielen Gemeinsamkeiten beider Nationen. Rein schweizerische Menüs wie Raclette sind aber auch sehr beliebt.

Sind Sie vielen Schweizern vor Ort begegnet? Was sagen diese zum House of Switzerland?

An den Ersten August kamen sehr viele Schweizer, das Echo war sehr positiv. Aargauer sah ich noch keine, ich freue mich darum umso mehr auf die Badener Band Al Pride, die am 11. August bei uns spielt.

Bei euch kann man unter anderem Schlittschuhlaufen – selbst bei 28 Grad. Haben Sie die Bahn bereits ausprobiert?

Unsere Schlittschuhbahn wird völlig überrannt. Seit Tagen will ich sie selber mal ausprobieren, kam aber wegen des grossen Andrangs noch nicht dazu.

In Rio gibt es während der Spiele zirka 20 weitere Ländervertretungen. Während der WM galt die der Schweiz als die umfangreichste und beliebteste. Trumpft ihr auch dieses Mal gross auf?

An der Fussball-WM war die Anlage viel kleiner. Anders als die WM findet Olympia ja nur in Rio statt, deshalb erwarten wir allgemein mehr Besucher. Dieses Mal haben wir ein regelrechtes Schweizer Dorf gebaut mit drei Häusern. Dort wollen wir die Schweiz umfangreich in den Bereichen Tourismus, Gastronomie, Innovation und Technik präsentieren.

Der Bund investiert seit 2013 acht Millionen Franken in die gesamte Kommunikationskampagne in Brasilien. Was erwartet die Schweiz im Gegenzug?

Die Kampagne begann mit der WM und beinhaltete auch den Auftritt am Karneval, den Aufbau der wissenschaftlichen Zusammenarbeit Swissnex und des Swiss-Business-Hub. Wir präsentieren Schweizer Institutionen in Brasilien, stärken hier das Image der Schweiz. Nach der Kampagne werden viel mehr Brasilianer ein viel breiteres Wissen über die Schweiz haben und sich auch mehr für die Schweiz interessieren.

Die Kampagne wurde gestartet, als Brasilien noch boomte. Nun hat das Land mit einer verzwickten Krise zu kämpfen. Ist das für das Projekt ein Dämpfer?

Es ist eine zusätzliche Herausforderung. Schweizer Firmen sind aber weiterhin sehr interessiert, sich hier zu zeigen, denn in einer Krise muss man ja umso mehr herausstechen. Das House of Switzerland während Olympia ist für sie eine unglaubliche Vitrine.