Coronavirus
Homeoffice: So handhaben es Kanton, Gerichte und Aargauer Firmen

Ab Montag werden noch mehr Menschen zu Hause arbeiten. Trotz positiver Erfahrungen der letzten Monate gibt es noch immer Grenzen.

Stefania Telesca
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Homeoffice: Ab Montag schweizweit Pflicht.

Homeoffice: Ab Montag schweizweit Pflicht.

Keystone

Mit Beginn der neuen Woche muss überall dort von zu Hause aus gearbeitet werden, wo das umsetzbar ist. Doch selbst bei Arbeiten, die vorwiegend in Büros stattfinden, ist die Verschiebung ins Homeoffice nicht immer einfach.

Die Verhandlungen an den Aargauer Gerichten finden nach wie vor statt. «Trotz Corona konnte der Gerichtsbetrieb ordnungsgemäss aufrechterhalten werden», sagt Nicole Payllier, Leiterin Kommunikation der Gerichte. Bereits ab Mitte Oktober 2020 entschied die Justizleitung wenn immer möglich die Rückkehr zum Homeoffice. Hier bestehen teilweise logistische Schwierigkeiten: Payllier erklärt:

Die hauptsächliche Problemstellung besteht darin, dass aktuell an den Gerichten noch mit Papierakten gearbeitet wird. Dies wird sich erst mit Abschluss des schweizerischen Projekts Justitia 4.0 ändern.

Dies bedinge teilweise nach wie vor die Arbeit vor Ort: «Umfangreiche Akten können nicht transportiert werden, die Urteile müssen von den Richterpersonen und den Gerichtsschreibern eigenhändig unterschrieben werden, und der Postverkehr muss täglich erledigt werden.»

Digitale Pausen für die sozialen Bedürfnisse der Mitarbeitenden

Auch Verhandlungen können nicht im Homeoffice abgewickelt werden. Trotzdem hätten sich die Abläufe dank der gewonnenen Erfahrungen sehr gut eingespielt: «Auch mit Homeoffice ist ein ordnungsgemässer Ablauf des Aargauer Gerichtsbetriebs möglich.» Auch wichtig seien die sozialen und psychischen Bedürfnisse der Mitarbeitenden: «Um den Kontakt bestmöglich aufrechtzuerhalten, werden die digitalen Möglichkeiten genutzt und beispielsweise Pausen über Online-Formate abgehalten.»

Virtuelle Kaffeepausen macht auch die Aargauische Kantonalbank (AKB): «Wir haben schon seit Frühling 2020 Erfahrung mit der Homeoffice-Arbeit. Wichtig ist uns der Aspekt, dass wir die Mitarbeitenden regelmässig abholen und uns austauschen», sagt Christine Honegger, Leiterin Kommunikation.

Auch im Homeoffice dürfen Pausen und Kaffee nicht fehlen.

Auch im Homeoffice dürfen Pausen und Kaffee nicht fehlen.

Keystone

Mit der neuen Homeoffice-Pflicht ändere sich nichts: «Der grösste Teil unserer Mitarbeitenden hat die letzten Wochen schon von zu Hause aus gearbeitet.» Auch bei der Bank gibt es gewisse Grenzen: «Wir arbeiten mit vertraulichen Unterlagen. Das Bankgeheimnis muss zu jeder Zeit gewahrt werden. Unsere Mitarbeitenden sind sich gewohnt darauf zu achten, dass Gespräche, Arbeiten am PC und Unterlagen nicht von Dritten gehört oder eingesehen werden können.» Zu Hause zu drucken sei nicht möglich: «Es kommen vereinzelt Mitarbeitende für kurze Zeit ins Büro, um Dokumente auszudrucken oder zu unterschreiben», so Honegger. Die Mitarbeitenden in den Niederlassungen arbeiten im Zweischichtbetrieb.

Drei Viertel aller Mitarbeitenden des Kantons im Homeoffice

Markus Dieth.

Markus Dieth.

Severin Bigler

Ab Montag wird die physische Präsenz am Arbeitsplatz auch in der kantonalen Verwaltung auf ein Minimum beschränkt. «Alle Mitarbeitenden, deren Funktion dies zulässt, arbeiten im Homeoffice», sagt Markus Dieth, Vorsteher des Departements Finanzen und Ressourcen, auf Anfrage. Die Mitarbeiter der kantonalen Verwaltung hätten seit Beginn der Pandemie ohnehin vermehrt von zu Hause aus gearbeitet.

«Damit die kantonale Verwaltung weiter die Dienstleistungen für die Bevölkerung erbringen kann, wird rund ein Viertel der Mitarbeitenden vor Ort arbeiten, drei Viertel aller Mitarbeitenden werden ihre Arbeit ab dem kommenden Montag im Homeoffice erbringen», sagt Dieth. Man habe positive Erfahrungen mit der Heimarbeit gemacht. Zudem habe der Kanton seit letztem Frühling in die IT-Infrastruktur investiert und die Mitarbeitenden mit neuen Tools befähig, ihre Arbeit auch zu Hause effizient erledigen zu können.

SVP-Ständerat hat nur beschränkte Möglichkeit für Homeoffice

Der Kanton beschäftigt auch viele Mitarbeitende, deren Tätigkeiten nicht in einem Büro erledigt werden können: «Dazu zählen beispielsweise die Polizistinnen und Polizisten oder die Mitarbeitenden in den Werkhöfen», sagt Dieth. Wo Homeoffice nicht möglich ist, werden die Arbeiten weiterhin unter Einhaltung sämtlicher Schutzmassnahmen durchgeführt.

Ständerat Hansjörg Knecht.

Ständerat Hansjörg Knecht.

Alex Spichale

Der Aargauer SVP-Ständerat Hansjörg Knecht hat in seiner Mühle in Leibstadt nur beschränkte Möglichkeiten, seine Angestellten ins Homeoffice zu schicken. «Die Betriebsangestellten müssen vor Ort die Maschinen bedienen, die Chauffeure müssen Ware ausliefern.» Jedoch schickt er die Person, die im Bereich der Qualitätssicherung arbeitet, ab sofort wieder an drei von fünf Tagen ins Homeoffice. «An zwei Tagen muss sie die Qualitätskontrolle im Betrieb durchführen, mit Laborgeräten.» Die Mühle sei aber ohnehin kein personalintensiver Betrieb: «Wir haben Einzelbüros und auch im Betrieb verteilen sich die Personen so, dass man die Distanzen einhalten kann», so Knecht.