Muri/Fahrwangen
Holländer haut Käufer mit falschem Kochgeschirr übers Ohr

Ein holländischer Vertreter hat unter falschem Vorwand gleich mehreren Personen in der Region angeblich hochwertige Pfannensets verkauft. Statt 2300 kostete das Kochgeschirr nur 230 Franken – die Pfannen sind trotzdem kein Schnäppchen.

Eddy Schambron
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Cornelia Widmer kann trotzdem lachen: Die Pfannen sehen wohl wertvoller aus, als sie sind. ES

Cornelia Widmer kann trotzdem lachen: Die Pfannen sehen wohl wertvoller aus, als sie sind. ES

Peter Meili, Unternehmer in Fahrwangen, kann es noch immer nicht fassen. «Ich bin nur darauf hereingefallen, weil er ein Holländer war.» Meili hat ihm ein Pfannenset für 230 Franken abgekauft, für das, so behauptete der Verkäufer, normalerweise 2300 Franken hinzublättern wären. Dem Verkäufer hat er getraut, weil er beruflich viel mit Holländern zu tun und bisher nur gute Erfahrungen gemacht hat.

Ähnlich erging es Cornelia Widmer, Sarmenstorf, Sekretärin beim Bauernverband Aargau in Muri. Hier konnte der Holländer gleich an vier Personen je ein Set zu fünf Pfannen mit Deckel, Nudelkocheinsatz und 20 Jahren Garantie verkaufen.

«Sehr sympathisch»

Die Masche des Verkäufers war in beiden Fällen ähnlich: Er erzählte, er komme von einer Kochdemonstration, wo er viele dieser exklusiven Pfannensets verkauft habe. Jetzt habe er noch einige übrig, die er vor seiner Rückreise besonders günstig verkaufe – «Steinberg. Aus Meisterhand, Chromstahl». Diese wolle er nicht wieder zurück nach Holland nehmen, da er bei der Ausreise hohe Zollgebühren blechen müsse. «Der hat das super gemacht», denkt Meili an das Gespräch zurück. Und auch Widmer stellt fest: «Er war sehr sympathisch.»

Allerdings wissen beide den Namen des Holländers nicht mehr, und die Unterschrift auf der Verkaufsquittung ist zwar schwungvoll, aber unleserlich. Unter der Telefonnummer «nur für Garantie» meldet sich eine Sevki GmbH in Klingnau, Grosshandel und Haushaltsartikel. Umtauschen, so der Bescheid, könne man bei ihnen ein gekauftes Set leider nicht. Man solle sich für dieses Anliegen doch bitte an den Verkäufer wenden. Die Sevki GmbH sei nur für Garantiefälle zuständig.

Die Suchmaschine Google findet den pfannenverkaufenden Holländer ebenfalls; die ersten einschlägigen Erfahrungen gehen auf Jahre zurück. Dort wird unter anderem auf den Trick hingewiesen, dass der Verkäufer «Aus Meisterhand Chromstahl» frech als AMC abkürzt. Nur: AMC in Rotkreuz gilt als Weltmarktführer im Bereich von hochwertigen Edelstahl-Kochsystemen. Mit den unter der Türe angebotenen Produkten hat das Unternehmen nichts zu tun. Im Gegenteil: «Die Staatsanwaltschaft Baden hat einmal einen verhaftet, aber mehr als drei, vier Tage Knast waren nicht drin», erzählt Martin Graf von AMC Schweiz. Dem Unternehmen sind die Hände gebunden: «Unsere Anwälte sagen, gegen diese Masche könne man nicht vorgehen.» Aber das Unternehmen hat auf seiner Webseite eine Betrügerwarnung aufgeschaltet.

Meistens nicht allein

Für Erich Holliger, Chef der Regionalpolizei Muri, ist der Fall klar: Ohne Ausweis für Reisende gibt es keine Verkäufe unter der Tür. Eine Meldung an die Polizei bei solchen Besuchen erachtet Holliger als richtig: «Meistens sind diese Händler nicht allein unterwegs.» Beobachtungen zu den Fahrzeugen – Marke, Farbe, Kontrollschild – sind der Polizei dienlich, um dubiosen Händlern das Handwerk zu legen.

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