Die Mehrzweckhalle in Holziken ist zum Bersten voll. Die Stühle an den Tischreihen sind bis auf den letzten Platz besetzt, viele Zuschauer stehen an der Wand im hinteren Teil der Halle. Der SVP-Ortspartei ist ein Coup gelungen. Sie hat es geschafft, Finanzminister Ueli Maurer und Nationalrat Roger Köppel ins Dorf zu holen. Die beiden Aushängeschilder der SVP werden zum Thema «Schweiz–EU: Wie weiter?» referieren.

Im Publikum sitzen vor allem Personen im Rentenalter. «Die Jungen interessieren sich einfach weniger für Politik», sagt ein junger Mann mit blondem Pferdeschwanz und Nickelbrille. Er ist mit einem Freund gekommen, weil ihn die Referate interessieren. Die meisten Besucher verkürzen sich die Wartezeit mit Essen. Auf der Karte stehen «Ueli-Maurer-Fleischkäse garniert» und Aargauer Rüeblitorte, dazu spielt eine Blaskapelle. Wer fertig ist mit Essen, blättert in einer der Zeitschriften, die auf den Tischen verteilt sind. Zur Auswahl stehen die «Weltwoche» und die «Schweizerzeit».

Ein Mann mit blauem Hemd und kurz geschorenen Haaren freut sich auf die Diskussion, die nach den Referaten auf dem Programm steht. «Ich habe beide schon einmal live gesehen, sie kommen immer sehr gut rüber. Vor allem Ueli Maurer, er drückt sich immer verständlich aus.»

Ausschnitt aus Maurers Referat im Video:

«Jeder von Ihnen hat einen bilateralen Vertrag abgeschlossen»

«Jeder von Ihnen hat einen bilateralen Vertrag abgeschlossen»

Die ersten Momente vom Auftritt Ueli Maurers.

Der Nati zeigen, wie man singt

Der Anlass beginnt mit der Nationalhymne. Der Text dazu liegt an jedem Platz bereit, gedruckt auf einer Karte im Jasskarten-Format mit einem Schweizerkreuz auf der Rückseite. Das Publikum erhebt sich, die meisten singen mit.

«Jetzt konnten wir der Nationalmannschaft zeigen, wie das geht», freut sich SVP-Ortspräsident Claude Georges. Dann gibt er die Bühne frei für den ersten Redner: Bundesrat Ueli Maurer. Maurer hält sein Referat ruhig und sachlich. Er erläutert die verschiedenen Diskussionspunkte bezüglich des Rahmenabkommens mit der EU und wehrt sich gegen den Vorwurf, dass der Bundesrat und das Parlament vor der EU einknicken. «Wenn die Schweiz etwas gibt, dann will sie im Gegenzug etwas erhalten», betont er, «die Position der Schweiz darf sich nicht verschlechtern.»

An einer schnellen Lösung hat er Zweifel. «Nach dem Brexit will die EU weder Grossbritannien noch der Schweiz viele Zugeständnisse machen. Aus Sicht der EU verstehe ich das sogar.» Er fürchte sich nicht davor, dass die Verhandlungen um ein Rahmenabkommen scheitern könnten. «Ohne Rahmenabkommen ist der bilaterale Weg nicht vorbei. Dann verhandeln wir halt ein neues Abkommen.»

Köppel bringt das Publikum zum Lachen:

Applaus für den Journalisten: der Auftritt von Roger Köppel.

Mehr Applaus für Köppel

Nach Maurer kommt Roger Köppel auf die Bühne. Er erhält viel Applaus, sogar mehr als der Bundesrat. «Köppel kann grossartig mit Worten umgehen. Der sagt, wie es ist, auch wenn es wehtut», freut sich ein Mann im karierten Kurzarmhemd. Mit seiner humorvollen Ansprache begeistert der Nationalrat das Publikum tatsächlich von Anfang an. Immer wieder erntet er Applaus. Zum Beispiel, als er aus dem Bundesbrief 1291 zitiert. «Wir wollen keine fremden Richter, steht dort. Und das muss unsere rote Linie sein.» Oder als er eine These dazu entwickelt, wieso einige Politiker sich einen Beitritt zur EU wünschen: «Sie wollen mehr Macht erhalten und die direkte Demokratie beschneiden.»

Im Anschluss an die Referate stellte Patrik Müller, Chefredaktor der AZ, den beiden Referenten Fragen. Wäre es etwa möglich, dass Roger Köppel einmal SVP-Bundesrat wird? Köppel wollte nicht eindeutig antworten, ganz klar war dagegen die Antwort des Publikums. «Wer möchte denn, dass Roger Köppel Bundesrat wird?», fragt Müller. Fast alle Zuschauer hoben die Hände.