Unwetter-Schäden
Hohe Millionenschäden, zum Glück keine Verletzten – das ist die erste Bilanz des Unwetters

Die Folgen des Monstergewitters: Hunderte geflutete Keller, über hundert zerstörte Autos – aber zum Glück keine Toten und Verletzten.

Manuel Bühlmann
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Unwetter – der Tag danach
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Viele Autos wurden durch das Unwetter beschädigt. 1
Grosse Schäden in Uerkheim.
Aufraeumarbeiten bei einer Baeckerei in Uerkheim.
Aufraeumarbeiten bei einer Baeckerei in Uerkheim
Aufraeumarbeiten bei einer Baeckerei in Uerkheim
Aufraeumarbeiten bei einer Baeckerei in Uerkheim
Aufraeumarbeiten bei einer Baeckerei in Uerkheim
Aufraeumarbeiten bei einer Baeckerei in Uerkheim
Aufraeumarbeiten bei einer Baeckerei in Uerkheim

Unwetter – der Tag danach

Urs Helbling

Überschwemmte Keller, Erdgeschosse und Tiefgaragen, durch Hangrutsche beschädigte Häuser, weggespülte Fassaden: Am Wochenende gingen bei der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) bereits über 470 Schadensmeldungen ein.

«Das ist noch lange nicht alles», sagt AGV-Abteilungsleiter Peter Schiller. Erfahrungsgemäss würden einige Betroffene ihre Schäden erst später melden, weil sie in den Ferien sind oder glauben, am Wochenende sei niemand zu erreichen. Doch auch am Sonntag standen bei der Gebäudeversicherung 15 kurzfristig aufgebotene Mitarbeiter im Einsatz und nahmen die Schadensmeldungen entgegen.

Dazu kommen die Schätzungsexperten, die versuchen, sich vor Ort ein Bild zu machen. Keine leichte Aufgabe. Das wahre Ausmass der Zerstörung kommt erst dann zum Vorschein, wenn der Schutt und Dreck aus den Häusern weggeräumt worden ist. Deshalb lässt sich die Schadenhöhe noch nicht abschätzen. Doch fest steht für Peter Schiller schon jetzt: Der Betrag wird sich mindestens im zweistelligen Millionenbereich bewegen. In Einzelfällen seien Schäden über eine halbe Million Franken möglich. Der AGV-Abteilungsleiter rechnet im Verlauf der Woche mit exakteren Zahlen.

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Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, wie gross die finanziellen Folgen sein können. Ein heftiges Gewitter mit starkem Hagel richtete am 13. Juli 2011 25'000 Schäden über 150 Millionen Franken an – der Höchstwert in der Geschichte der Aargauischen Gebäudeversicherung. Der Zofinger Stützpunktkommandant Peter Ruch und Stadträtin Christiane Guyer rechnen allein für das Stadtgebiet mit einem Schaden im dreistelligen Millionenbereich.

250 Rettungskräfte im Einsatz

Am Samstag wüteten heftige Unwetter in Teilen des Kantons Aargau und richteten grosse Schäden an. An einzelnen Orten regnete es innert weniger Stunden mehr als sonst im ganzen Monat Juli. Besonders betroffen war die Region Zofingen, wo Unterführungen, Keller und Tiefgaragen geflutet wurden. Hänge gerieten ins Rutschen, das Bahnhofparking mit über 100 parkierten Fahrzeugen wurde überschwemmt.

Schäden nach Unwetter in Bottenwil (9. Juli 2017)
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Bottenwils Ammann Heinz Gerber neben dem Hundslochbächli, das beim Unwetter am stärksten gewütet hat.
Hangrutsch in Bottenwil: Ammann Heinz Gerber hat mindestens 12 gezählt.
Überschwemmung in Bottenwil
Hagelkörner, die am 8. Juli 2017 in Bottenwil vom Himmel fielen.

Schäden nach Unwetter in Bottenwil (9. Juli 2017)

Urs Helbling

400 Meldungen gingen bei Notrufzentrale und Feuerwehr Zofingen ein, 250 Rettungskräfte standen im Einsatz. In den vergangenen 45 Jahren seiner Tätigkeit habe es «keine solch heftigen und flächendeckenden Überschwemmungen» in Zofingen erlebt, lässt sich Feuerwehrkommandant Peter Ruch in einer Mitteilung zitieren. Er rechnet damit, dass die Aufräumarbeiten noch Tage in Anspruch nehmen werden. Zwei Personen, die auf dem Schlamm ausgerutscht waren, mussten ins Spital gebracht und zwei Personen aus beschädigten Gebäuden evakuiert werden.

Verkehr auf A1 stillgestanden

Die starken Niederschläge brachten zeitweise auch den Verkehr auf der Autobahn A1 zum Erliegen: Bei Oftringen war die Fahrbahn mit Wasser bedeckt. Erst gegen 23 Uhr konnten alle Fahrstreifen wieder freigegeben werden, teilt die Kantonspolizei Aargau mit.

Am Sonntagnachmittag konnten die Zofinger Behörden zumindest teilweise Entwarnung geben: Die Lage habe sich in der Stadt und im umliegenden Gebiet stabilisiert. Allerdings gibt es für die Rettungskräfte nach wie vor viel Arbeit. Sie sind dabei, überschwemmte Unterführungen wieder für den Verkehr passierbar zu machen und Keller auszupumpen.

Im Stromnetz von Zofingen kam es zudem zu zahlreichen Ausfällen. In einigen Liegenschaften stünden aber noch Elektroinstallationen unter Wasser, weshalb sich die Wiedereinschaltung verzögere, heisst es in der Mitteilung der Stadt Zofingen.