Rhein

Hoffnung zerschlagen: Die Schwarzmeergrundel ist wieder da

Die Schwarzmeergrundel hat keinen natürlichen Feind.

Die Schwarzmeergrundel hat keinen natürlichen Feind.

2018 gingen die Fangzahlen in Basel dramatisch zurück. Jetzt steigen die Bestände aber wieder massiv.

2012 holten Basler Fischer staunend erstmals einige Dutzend Schwarzmeergrundeln aus dem Rhein. Die Grundel war zuvor wohl im Ballastwasser in den Hafen von Basel eingeschleppt worden. Sie hat hier keine natürlichen Feinde, vermehrte sich deshalb rasch, schädigte dafür andere Fischbestände, weil sie gern Laich anderer Fischarten frisst und mit den einheimischen Arten in Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum steht.

Sie fühlt sich so wohl, dass in der Fangstatistik 2016 bereits fast 8000 Grundeln gezählt wurden. Nebst ihr fängt man in Basel fast keine anderen Fische mehr. Die Grundel begann zudem, sich den Rhein hinauf zu verbreiten, weshalb die Behörden Merkblätter erarbeiteten und Fischer und andere Bootsbesitzer auf dem Rhein eindringlich baten, Bootsrümpfe zu säubern, falls ihr Boot später woanders wieder zu Wasser gelassen wird. Eine potenzielle Verbreitungsmöglichkeit ist der Transport von an Schiffsrümpfen klebenden Grundeleiern. Ziel der Bemühungen: Die Grundel soll sich nicht weiter ausbreiten.

Bereits das Kraftwerk Säckingen überwunden

Grosse Hindernisse sind für sie die Staustufen der Wasserkraftwerke. Trotzdem hat sie vor über einem Jahr bereits das Kraftwerk Säckingen auf Höhe von Stein im Kanton Aargau überwunden. Weiter oben wurde sie seither aber noch nicht festgestellt, sagt Patricia Holm von der Universität Basel.
Das bestätigt Tabea Kropf, Projektleiterin Fischgängigkeit im zuständigen Departement im Kanton Aargau.

Der Aargau ist Mitfinanzierer eines Basler Forschungsprojekts zur Grundel, das Patricia Holm leitet. Man sei auch in engem Kontakt mit den Fischern und dem Bundesamt für Umwelt, das die Massnahmen gegen die Grundel und weitere invasive Arten schweizweit koordiniert, sagt Kropf.

Jährlich fischen die Forscher um Patricia Holm im Hafen Kleinhüningen zum selben Zeitraum und am selben Ort mit Reusen Grundeln, um die Bestandsentwicklung zu eruieren. 2013 fischten sie 200 Grundeln raus, 2016 bereits 400.

2018 sank die Ausbeute auf nur noch 70 Grundeln, einige waren gar sichtlich krank. Hoffnung kam auf, dass sich das Problem von selbst lösen könnte. Zumal auch die Fangzahlen laut Fischereistatistik massivst zurückgingen.

Hoffnungen von 2018 zerschlagen sich wieder

Doch weit gefehlt. Zum einen konnte man bei den untersuchten Grundeln keinen besonderen Erreger identifizieren, sagt Holm. Auch sei man dem Krankheitsbild beim alljährlichen Monitoring 2019 nicht mehr begegnet. Es ist nicht ungewöhnlich, erklärt Holm, dass bei Neuankömmlingen gewisse Krankheiten auftreten, sie etwa für gewisse Parasiten empfänglich sind. Das sei bei anderen invasiven Fischarten ebenso.

Doch in der jüngsten Aktion holten die Forscher 2019 mit 200 fast dreimal so viel Grundeln raus als 2018. Die Grundel ist also – leider – wieder voll da. Umso wichtiger sind Gegenmassnahmen. Die Basler Forscher suchen zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt nach Möglichkeiten, die Ausbreitung der Grundel über Fischtreppen den Rhein hinauf, und gar bis zum Bodensee, zu verhindern.

Wie Grundel auf der Fischtreppe stoppen?

Experimentiert wird derzeit mit dem Einbau flacher Bleche in die Fischtreppe, die Grundeln als schlechte Schwimmer kaum überwinden können, für Forellen etc. aber keine Hürde darstellt. Das Problem: Auch die einheimische Groppe kommt da nicht mehr durch. Wie die Lösung aussehen könnte, kann Holm deshalb noch nicht sagen.

Umso wichtiger sei es deshalb, Wassersportler zu sensibilisieren. Die Fischer nähmen das Problem sehr ernst, sagt sie, und helfen nach Kräften mit, das Ausbreiten der Grundel zu verhindern. Holm mahnt, Grundeln keinesfalls als Köderfisch einzusetzen oder aus Aquarien oder Gartenteichen in die Flüsse auszusetzen.

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