Am helllichten Tag spazierte im Februar ein Wolf durch ein Waldstück oberhalb von Erlinsbach und tappte dabei in die Fotofalle. Der Kanton erhielt das Foto Anfang März und liess es verifizieren. Aktiv kommuniziert hat er die Sichtung nicht.

Doch nicht etwa, um ihn vor Wilderern und Jägern zu schützen, wie die zuständige kantonale Stelle erklärt. Da es in Vergangenheit bereits mehrere Sichtungen von Wölfen gegeben hatte, stehe eine aktive Kommunikation von Einzelbeobachtungen nicht im Zentrum, sagt Thomas Stucki, Leiter Sektion Jagd und Fischerei. 

Sorgen machen sich hingegen AZ-Leserinnen und Leser. Berichte aus dem Wallis, wo Wölfe letzten Herbst im Goms und im Val d'Anniviers zum Abschuss freigegeben wurden, scheinen Misstrauen gegenüber hiesigen Jägern ausgelöst zu haben. «Zum Glück haben wir keine Jäger aus dem Wallis bei uns!» schreibt etwa Wolfgang Fritsch auf Facebook, «bitte schiesst ihn nicht gleich wieder tot» wünscht sich Noëmi Engmann. 

Ist die Sorge, dass dem Wolf etwas passieren könnte, berechtigt? 

Eher nicht. Dass sich der Wolf im Aargau niederlassen könnte, bezweifelt Thomas Stucki von der kantonalen Jagdverwaltung: «Wir gehen nicht von einer Dauerpräsenz von Wölfen aus. Unsere Landschaft ist sehr stark besiedelt, es hat viele Verkehrsachsen.» Der Wolf bevorzuge grosse und weite Gebiete, in die er sich zurückziehen kann und genügend Beutetiere findet. Im Gegenzug zu alpinen und voralpinen Regionen wie dem Wallis oder Graubünden ist die Nutztierhaltung im Aargau in den meisten Fällen siedlungsnah und die Tiere sind eingezäunt. Dass der Wolf in der Region Schafe reisst, ist also eher unwahrscheinlich. 

Die Abschusserlaubnisse für die Walliser Wölfe war im September 2018 erteilt worden, nachdem sie auf Weiden insgesamt mindestens 121 Schafe gerissen hatten. 

SRF: «Schweiz aktuell» zum Wolf im Aargau

Die Sektion Jagd und Fischerei des Kantons hält den Umgang mit Grossraubtieren wie Wölfen und Luchsen in einem internen Papier fest. Grundlage dafür seien die nationalen Konzepte.

Ab 15 toten Nutztieren wirds kritisch

In der nationalen Jagdverordnung heisst es: Wenn im Streifgebiet eines Wolfsrudels innerhalb von vier Monaten mindestens 15 Nutztiere getötet wurden, darf «reguliert» werden. Sprich: Ein Wolf darf zum Abschuss freigegeben werden. Jedoch nur, wenn sich auch ein Wolfsrudel in der Region niedergelassen hat und sich erfolgreich fortpflanzt.

Taucht ein Wolf regelmässig in unmittelbarer Nähe von Siedlungen auf und zeigt sich zu wenig scheu oder aggressiv, könnten Menschen gefährdet sein – auch dann ist eine Abschussfreigabe möglich. 

Dieser Abschnitt aus der Jagdverordnung des Bundes beschreibt die Regulierung von Wölfen.

Ausschnitt aus der «Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel» des Bundes

Dieser Abschnitt aus der Jagdverordnung des Bundes beschreibt die Regulierung von Wölfen.

«Lasst ihn in Ruhe!» fordert Leserin Josefa Rudolph-Linan. Diese Forderung kann derzeit erfüllt werden. (mbr)