Interview

Höhere Löhne und ein konkurrenzfähiger Job: «Ein zeitgemässes System tut not»

Alex Hürzeler über den Lehrerlohn

Alex Hürzeler über den Lehrerlohn

Mit einem neuen Lohnsystem will der Regierungsrat den Lehrermangel bekämpfen und den Beruf konkurrenzfähiger machen. Ein Gespräch mit Bildungsdirektor Alex Hürzeler.

Der Mangel an Lehrpersonen ist auch im Aargau kein neues Problem. Warum passt der Kanton die Löhne für Lehrpersonen denn erst jetzt an die anderen an?

Bildungsdirektor Alex Hürzeler: Dass wir ein Problem damit haben, ist bereits in den Jahren 2013/2014 überall ins Bewusstsein gekommen. Das fiel allerdings direkt mit den finanziell schwierigen Jahren des Kantons zusammen. Bis 2017 mussten wir vor allem sparen, deshalb konnte der Regierungsrat keine Vorschläge für eine Revision machen. Mehr als kleine Korrekturen, wie wir sie zum Beispiel bei den Kindergartenlehrpersonen vorgenommen haben, waren deshalb nicht möglich. Die Gesamtzahl der Lehrpersonen ist aber so gross, dass wir grundsätzlich über die Bücher gehen mussten.

Diese umfassenden Anpassungen kosten mit 69 Millionen Franken immer noch viel Geld. Werden das die Aargauerinnen und Aargauer goutieren?

Die finanziellen Dimensionen sind seit letztem Herbst bereits bekannt und im Aufgaben- und Finanzplan eingestellt. In der Anhörung geht es nun um die Inhalte. Diese und die Kosten werden bestimmt noch zu diskutieren geben, ich bin aber überzeugt davon, dass wir mit dem vorliegenden Vorschlag in die richtige Richtung gehen und dieser mehrheitsfähig ist.

Warum? Es ist schliesslich noch nicht lange her, dass jeder Franken zweimal umgedreht wurde...

Die Politik hat erkannt, dass Anpassungen notwendig sind. Durch unser Lohnsystem und mit unseren Lohnentscheiden waren wir in den letzten Jahren nicht mehr konkurrenzfähig auf dem Markt. Lehrpersonen weichen auf die umliegenden Kantone aus. Gleichzeitig wächst der Aargau, es gibt immer mehr Schülerinnen und Schüler und wir brauchen deshalb mehr Lehrerinnen und Lehrer. Ein zeitgemässes Lohnsystem, das im interkantonalen Vergleich wieder zu konkurrenzfähigen Löhnen führt, tut not.

Künftig sollen Lehrpersonen im Aargau besser entlöhnt werden. Was ändert sich mit dem neuen Lohnsystem noch?

Der Lohnanstieg am Anfang der Berufskarriere wird steiler als bisher. Zudem werden neu die Erfahrung, die Arbeitsbelastung und die individuelle Aufgabe mit in die Berechnung für die Entlöhnung einfliessen. Bis jetzt waren lediglich das Alter der Lehrperson und die Funktion relevant. Das bringt uns zwar heute teilweise ältere Arbeitnehmende in den Kanton und den Beruf zurück, für Jüngere und Personen in der Mitte des Berufslebens ist es aber unattraktiv.

Bringt die Revision auch mit sich, dass der Lehrberuf wieder attraktiver wird?

Zu einem Teil sicher. Das neue Lohnsystem führt gegenüber heute zu gerechteren und attraktiveren Anstellungsbedingungen. Ein konkurrenzfähiges und zeitgemässes Lohnsystem wird bei der anhaltend sehr schwierigen Aufgabe, genügend und ausreichend qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer zu rekrutieren, sicher helfen, engagierte und motivierte junge Berufsleute zu gewinnen. (eva)

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