Bildung

Höhere Löhne für Aargauer Lehrer: So will der Regierungsrat den Beruf wieder attraktiv machen

Mit dem neuen Lohnsystem «Arcus» will der Aargauer Regierungsrat den Lehrermangel bekämpfen.

«Arcus» heisst das System, anhand dessen ab 2022 die Aargauer Lehrpersonen entlöhnt werden sollen. «Arcus» bedeutet Bogen auf Latein. Der Name sei deshalb passend, weil mit Arcus der Bogen zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmenden neu gespannt und die Lohnkurve für Lehrerinnen und Lehrer neu aufgesetzt wird.

Das sagte Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) am Freitag vor den Medien. Anlass für die Pressekonferenz des kantonalen Bildungsdepartements war der Start der Vernehmlassung zum neuen Lohnsystem an den Schulen.

Auch wenn dieses auf den ersten Blick vor allem Lehrpersonen betrifft, habe man sich doch dazu entschieden, die Mitwirkung für alle zu öffnen, so Hürzeler. Auch Parteien, Verbände und Private sind bis am 30. April eingeladen, ihre Eingaben zum Vorschlag des Regierungsrats zu machen.

Die Revision sei für weitere Kreise relevant, denn das Projekt kostet Geld: Insgesamt 69 Millionen Franken wird die Einführung des neuen Lohnsystems an jährlich wiederkehrenden Mehrkosten verursachen.

Für den Kanton werden damit 50,3 Millionen Franken fällig, die Gemeinden müssen insgesamt jährlich 18,7 Millionen Franken übernehmen. Die Gesamtkosten für die Löhne der rund 12'000 Lehrpersonen im Aargau werden sich neu auf 1,1 Milliarden Franken belaufen. Im Aufgaben- und Finanzplan 2020-2023 wurde für den Kanton bereits ein Zusatzaufwand von 50 Millionen Franken vorgesehen.

«Wir müssen auch sonst attraktive Bedingungen finden»

Alex Hürzeler über den Lehrerlohn

Alex Hürzeler im Tagesgespräch von «Tele M1».

Lohndifferenz zu umliegenden Kantonen wird kleiner

Dieses Geld soll aber aus gutem Grund ausgegeben werden. Es geht um nichts weniger, als den seit Jahren herrschenden Mangel an geeigneten, gewillten und qualifizierten Lehrkräften zu mindern. «Die effektive Lohnentwicklung im Kanton Aargau ist nicht mehr konkurrenzfähig», so Alex Hürzeler. Das aktuelle Lohnsystem stammt aus dem Jahr 2005 und wurde zuletzt 2011 revidiert. Lohnnullrunden und Sparmassnahmen haben dazu geführt, dass die Löhne der Lehrpersonen im Vergleich mit den umliegenden Kantonen zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Jenseits der Kantonsgrenze eine Lehrerstelle anzutreten, ist darum finanziell oft attraktiver.

Im Marktvergleich verdient im Aargau eine Lehrperson im elften Berufsjahr auf Primarstufe bis zu 12'000 Franken, oder 12,2 Prozent, weniger pro Jahr, als der Durchschnittslohn in den umliegenden Kantonen ist (Stand 2018). Auf Mittelschulstufe beträgt die Differenz rund 11 Prozent. Zudem wurde vom Verwaltungsgericht das derzeitige Aargauer Lohnsystem kritisch beurteilt –  eine Benachteiligung typischer Frauenberufe könne bei der Anwendung des jetzigen Systems nicht ausgeschlossen werden, befand das Gericht.

Die Erfahrung zählt künftig beim Lohn mehr als das Alter

Der Regierungsrat hat deshalb das Departement Bildung, Kultur und Sport beauftragt, ein neues Lohnsystem für alle Schulstufen und die Schulleitungen der Volksschule zu erarbeiten. Dieses soll nachvollziehbar und nicht diskriminierend sein, sowie im interkantonalen Vergleich konkurrenzfähige Löhne ermöglichen. Heute entwickeln sich die Löhne von Aargauer Lehrpersonen nach dem Lebensalter. Neu werden 28 Erfahrungsstufen geschaffen und die Löhne nach diesen bestimmt, wie Projektleiterin Christine Fricker ausführte.

So wird die Unterscheidung der Funktionen und der Erfahrungen, die eine Lehrerin oder ein Lehrer mitbringt, zentral. Bei Eintritt in den Schuldienst oder Antritt einer bestimmten Funktion sind künftig auch jene Erfahrungen relevant, die jemand in einem anderen beruflichen oder privaten Umfeld erworben hat. Führungs- und Sozialkompetenzen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Selbstständigkeit, Flexibilität und die Fachkompetenzen.

Um eine stärkere Differenzierung bei Funktionen von Lehrpersonen und Schulleitungen zu ermöglichen, werden 43 Lohnstufen geschaffen – ähnlich wie heute in der Kantonsverwaltung. Innerhalb dieser Lohnstufen wird neu zum Beispiel auch zwischen Klassenlehrpersonen und Fachlehrpersonen unterschieden.

Ambitiöser Zeitplan – «Arcus» soll schon 2022 in Kraft treten

Die Löhne steigen zu Beginn der Karriere stärker an als heute, die Kurve flacht mit zunehmenden Erfahrungsjahren aber ab. Insgesamt steigt der Lohn über das gesamte Berufsleben um rund 55 Prozent an. Im elften Dienstjahr erreicht man, im Normalverlauf, so 130,2 Prozent des Anfangslohnes (heute zirka 120 Prozent), nach 28 Jahren ist normalerweise der Maximallohn von 154,6 Prozent erreicht (heute 160 Prozent).

Die Löhne sind deshalb nach neuem System vor allem in der Mitte der Karriere höher als heute, zu Beginn und gegen Ende sind die Unterschiede kleiner. Tendenziell profitieren zudem Lehrpersonen der Kindergarten- und Primarstufe eher davon, als Mittelschullehrerinnen und Mittelschullehrer.

Durch die individuelle Abstufung nach Erfahrungen lässt sich derzeit noch nicht konkret sagen, wie sich die Löhne einzelner Lehrpersonen mit dem neuen System verändern werden. Der Zeitplan für das Inkrafttreten von «Arcus» ist ambitiös: Die Vorlage wird nach der Vernehmlassung überarbeitet und soll möglichst noch Ende dieses Jahres dem Grossen Rat vorgelegt werden. Ab 1. Januar 2022 soll das neue Lohnsystem gelten.

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