Hilfsprojekt

Hockey für kolumbianische Schulkinder: ein Aargauer beim Friedenseinsatz mit Stock und Ball

Wie ein 26-jähriger Aargauer Unihockey nach Kolumbien exportiert – und was er sich davon erhofft.

Als Lukas Hohl-Jaramillo vor ein paar Jahren mit einem Kollegen in seine zweite Heimat Kolumbien reiste, nahm er eine Tasche mit 20 Unihockeyschlägern mit. «Ich wollte nicht nur Ferien machen. Ich wollte auch etwas geben», erzählt der 26-Jährige.

Er besuchte ein Kinderheim in Medellín, führte die Kinder ins Unihockey ein, mitten in der Fussballnation Kolumbien. Das sorgte für Aufsehen. Die lokale Presse schrieb darüber, die Schweizer auch, und kurz darauf erhielt Hohl einen Anruf aus dem eidgenössischen Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Der Coolness-Faktor

Denn gleichzeitig war Kolumbien daran, mit dem EDA ein Austauschprojekt auf die Beine zu stellen: Kinder aus Krisengebieten sollten die Möglichkeit erhalten, zwei Wochen ein Sportlager in der Schweiz zu besuchen. Eine Abwechslung zum Alltag erleben und dabei Werte wie Leadership und Respekt zu lernen.

Als begeisterter Unihockeyspieler, Juniorentrainer und kolumbianisch-schweizerischer Doppelbürger musste Hohl nicht lange überlegen, ob er mithelfen will. Das Projekt kam zustande, und im vergangenen Herbst betreute er zum vierten Mal kolumbianische Schülerinnen und Schüler zwischen 15 und 17 Jahren während des polysportiven Lagers.

Er zeigte ihnen, was Unihockey ist, und merkte, dass das ankommt. «Ich weiss nicht, ob es an mir oder der Sportart liegt», sagt Hohl und lacht, «aber Unihockey hatte für sie immer den grössten Coolness-Faktor von allen Sportarten, die wir ihnen zeigten.» Der Coolness-Faktor war so gross, dass die Kinder in Kolumbien begannen, eigene Stöcke zu basteln. Aus Besenstielen und Shampooflaschen.

Sie schickten Fotos in die Schweiz. Und Lukas Hohl war davon so berührt, dass er etwas unternehmen musste. In den vergangenen Wochen sammelte er mit einer Crowdfunding-Kampagne Geld. 8500 Franken kamen zusammen: «Dass es so viel werden würde, hätte ich nicht erwartet.» Viele Leute hätten gebrauchte Stöcke und Dresses spenden wollen, erzählt Hohl. Doch wäre es zu kompliziert gewesen, in der ganzen Schweiz Material zusammenzutragen.

«Und die Kolumbier verdienen es genauso wie wir, mit neuem Material aufzulaufen.» Der Unihockey-Spezialist «Stockschlag.ch» aus Menznau LU machte einen guten Preis. Und diese Woche wurden zwölf Kartonkisten mit 250 Stöcken, 250 Bällen, 10 Toren, 3 Taktiktafeln, 100 Markierungskegeln, 100 Überziehdresses, 6 Goalieausrüstungen, 90 Shorts und 90 Shirts mithilfe der kolumbianischen Regierung per Luftfracht nach Medellín geflogen.

In diplomatischer Begleitung

Jetzt stehen die Kisten dort in einem Büro des Aussendepartements. Weil Lukas Hohl keiner ist, der den Erfolg dem Zufall überlässt, reist er nächsten Freitag nach und verteilt das Material mit einem Freund in drei Ortschaften im Südwesten des Landes. Die Region Nariño litt besonders schwer unter dem Drogenkrieg, war fest in der Hand der Rebellen.

Obschon der Friedensprozess läuft, ist die Gegend heute noch nicht ungefährlich. Den Entscheid, dass er dennoch dorthin will, fällte Hohl im Herbst, als die letzte Klasse im Lager in Tenero war. Die Kinder kamen aus jener Region. «Ich sagte mir: Hey, jetzt ist es an der Zeit, dass ich mal den umgekehrten Weg mache.» Gleichzeitig könne er den lang gehegten Wunsch nach richtigem Unihockey-Material erfüllen. Dabei wird er von je einem Diplomaten der Schweiz und Kolumbiens begleitet.

In Orpund bei Biel aufgewachsen, wohnt Lukas Hohl-Jaramillo seit zwei Jahren in Oftringen. Es waren seine zwei grossen Lieben, die ihn in den Aargau geführt hatten: seine Freundin und der Sport. In Aarau arbeitete er beim Schweizerischen Turnverband als Ressortchef für Führungsschulungen. Heute führt er eine eigene Agentur für Kolumbien-Reisen und organisiert Festivals wie das neue Bieler Open Air «Lakelive».

Kinder von Drogen fernhalten

«Ich kann den Friedensprozess nicht mit 250 Unihockeystöcken über die Bühne bringen», ist sich Lukas Hohl bewusst. «Aber wenn ich nur schon einen kleinen Beitrag leisten kann, dass Kinder weniger in skurrilen Kreisen herumlungern, hat es sich gelohnt.» Das sei sein Beitrag für ein friedliches Kolumbien, «denn das Land hat es definitiv verdient, zur Ruhe zu kommen.» Er wird sich mit dem regionalen Sportamt treffen und für sein Projekt lobbyieren.

«Ich gebe gerne den Anstoss, aber ich möchte, dass sie auch einen Effort leisten.» Hohl hofft, dass der Sport zum fixen Bestandteil des Schulunterrichts wird. Und er träumt von einer kleinen Unihockeymeisterschaft in ein paar Jahren. «Ich wäre der Erste, der beim ersten Spiel an der Bande stehen würde», sagt er. Gut möglich, dass die lokale Presse dann wieder darüber schreiben wird.

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