Aarburger Asylstreit
Hochuli nimmt Stellung zum Asylstreit: «Die Situation ist derzeit zu emotional»

Regierungsrätin Susanne Hochuli spricht erstmals über die umstrittene Aarburger Asylunterkunft und bestätigt, dass der Kanton die Verfügung vom Gemeinderat gegen das Asylheim anfechten werde. Vor allem pocht sie auf Sachlichkeit.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli bei Talk Täglich am Montag, auf TeleM1.

Die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli bei Talk Täglich am Montag, auf TeleM1.

Tele M1

Seit bekannt ist, dass der Kanton in Aarburg eine neue Asylunterkunft für 90 Personen einrichten will, steht Susanne Hochuli in der Kritik. Hinter dem Rücken der Gemeinde habe ihr Departement zwei Wohnblocks für die Flüchtlinge gemietet, Aarburg habe jetzt schon einen rekordhohen Ausländeranteil von 42 Prozent und erfülle die Aufnahmepflicht für Asylbewerber, die Regierungsrätin verweigere das Gespräch - so lauteten einige der Vorwürfe aus Aarburg.

In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 nahm Hochuli gestern Abend zum ersten Mal öffentlich Stellung zur umstrittenen Asylunterkunft. Auf die Frage von az-Chefredaktor Christian Dorer, wann sie nach Aarburg gehe und mit der Bevölkerung rede, sagte die Sozialdirektorin: «Zuerst muss ein Gespräch auf sachlicher Ebene zwischen den Mitarbeitern meines Departements und dem Aarburger Gemeinderat stattfinden.»

Danach sei sie bereit, mit Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär zu sprechen. «Bei der Bevölkerung könnte ich sagen, was ich will, es würde alles nichts bringen, die Situation ist derzeit zu emotional», sagte Hochuli mit Blick auf die Grillfeste gegen die Asylunterkunft, die jeden Dienstag stattfinden.

Vor einem Jahr schon angeboten

Grundsätzlich habe sie Verständnis, dass die Einwohner in Aarburg nicht begeistert seien über die Pläne für eine neue Asylunterkunft. «Aber wir können im Moment nicht aussuchen, die bisherigen Unterkünfte sind schon überbelegt», erklärte sie. Die nun gemieteten Wohnblöcke in Aarburg seien dem Kanton vor einem Jahr schon einmal angeboten worden, damals sei die Miete aber zu hoch gewesen, ergänzte Hochuli.

Die Regierungsrätin bestritt, dass es bei jeder neu geplanten Asylunterkunft Widerstand gebe. «Man muss zusammensitzen und Lösungen finden, das Beispiel Suhr zeigt, dass dies möglich ist.» Der Kanton wolle keine Lasten auf die Gemeinden abschieben, sei bei der Unterbringung von Asylbewerbern aber auf die Kooperation mit Gemeindebehörden angewiesen. Anders als in Aarburg habe sich der Suhrer Gemeinderat nicht gegen die Unterkunft gewehrt.

Dass der Gemeinderat Aarburg ein Umnutzungsgesuch für die Blöcke verlange, in denen die Asylbewerber einquartiert werden sollen, stösst bei Susanne Hochuli auf Unverständnis. Sie bestätigte, dass ihr Departement die Verfügung anfechten werde.

Hochuli zeigte sich irritiert, dass Aarburg die Unterkunft bekämpfe, obwohl sie immer wieder höre, echte Flüchtlinge würden aufgenommen. «Nun haben wir das Problem, dass wir vom Bürgerkrieg betroffene Menschen aus Syrien in die bestehenden, überfüllten Unterkünfte ‹inemoste› müssen», hielt Hochuli fest.

Einige Reaktionen, die sie in den letzten Tagen erhalten habe, liessen laut Susanne Hochuli jeden Anstand und Respekt vermissen. «Ich habe allerdings gelernt, die Kritik an mir als Politikerin von jener an mir als Person zu trennen», betonte sie.

Hier finden sie den Link zum Gespräch.