Talk Täglich

Hochuli (Grüne) gegen Meier (SVP): zwei Mütter, zwei Krippen-Philosophien

Maya Meier (links) und Susanne Hochuli (rechts) diskutieren über die Krippen-Initiative.

Maya Meier (links) und Susanne Hochuli (rechts) diskutieren über die Krippen-Initiative.

Am 5. Juni wird im Aargau über die Krippen-Initiative abgestimmt. Der Regierungsrat lehnt die Initiative ab und empfiehlt den Gegenvorschlag. Im «TalkTäglich» von Tele M1 diskutierten Susanne Hochuli (Grüne) und Maya Meier (SVP) über das Pro und Contra.

Beide sind Mütter, beide wählten das gleiche Modell der Kinderbetreuung, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Susanne Hochuli hat nach der Geburt ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter wieder 100 Prozent gearbeitet. In dieser Zeit betreute die Grossmutter die Enkelin.

Maya Meier wiederum hat eine neun Monate alte Tochter und arbeitet zwei Tage die Woche. Dann kümmern sich jeweils die Grosseltern um das Kind. An den anderen drei Werktagen Maya Meier selber. Zu Beginn der Sendung betonen beide: «Wir finden Krippen sinnvoll und gut.» Während Hochuli die Meinung vertritt, der Staat müsse intervenieren, wenn zu wenig bezahlbare Betreuungsplätze vorhanden seien, findet Meier: «Kinderbetreuung ist nicht Aufgabe vom Staat.»

Familienergänzende Kinderbetreuung: Ja oder Nein?

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Am 5. Juni entscheidet das Aargauer Stimmvolk über die Familienergänzende Kinderbetreuung. Braucht es mehr Kinderkrippen und Tagesstrukturen?

Beide Politikerinnen sind gegen die Krippen-Initiative. Doch wieso braucht es überhaupt einen Gegenvorschlag? Hochuli: «Es braucht dieses Rahmengesetz, denn es gibt zu wenig Betreuungsplätze. Die Wartelisten sind sehr lang, die Plätze teuer.»

Ist das Angebot ohne staatlichen Druck also ungenügend? Hochuli meint: «Der Status Quo zeigt, dass es ohne nicht funktioniert.»

SVP-Grossrätin Meier lehnt den Gegenvorschlag zur Krippen-Initiative ab. Die aktuellen gesetzlichen Grundlagen seien ausreichend. Die Gemeinden sollen selber entscheiden können, ob sie Strukturen anbieten wollen oder nicht. «Ich finde es eine Frechheit, wenn der Staat den Gemeinden diktiert, was sie tun müssen.»

Hochuli entgegnet: Mit dem neuen Gesetz müssten die Gemeinden bei Bedarf Plätze schaffen. «Ansonsten sind sie relativ frei in der Umsetzung.» Vor allem für Alleinerziehende sei es laut Hochuli wichtig, dass es Betreuungsstrukturen gebe, die sie sich leisten können.  

Ein Fass ohne Boden?

Wie teuer der Gegenvorschlag die Gemeinden zu stehen komme, lasse sich nicht genau sagen.

Meier warnt dagegen: «Das wird ein Fass ohne Boden, ein finanzielles Fiasko. Mit dieser Initiative würgen wir jegliches private Engagement ab.» Wieso solle eine private Krippe weiter betrieben werden, wenn der Staat die Aufgabe übernehme? Warum solle sich eine Mutter mit einer Nachbarin organisieren und auf ihr Einkommen verzichten? «Das schafft eine Gesellschaftsform, in der ich nicht leben will», sagt Meier.

Meier ist überzeugt, dass es genügend Wege gebe, eine private Kinderbetreuung aufzugleisen. Für Hochuli kein Widerspruch zum Krippengesetz. «Ich bin überzeugt, dass Eltern, die sich privat organisieren wollen, dies auch weiterhin tun. Das ist immer noch die günstigste Variante.»  

Nicht für alle Kinder sei die Betreuung zuhause aber die beste Variante, betont Hochuli. Für Kinder ausländischer Eltern wäre eine Betreuungsstruktur im Hinblick auf die Integration sehr wichtig. 

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