Frick
Hochuli bestellt Ikea-Häuser für Flüchtlingsdorf in altem Werkhof

Auf dem Areal des früheren Autobahn-Werkhofs in Frick soll ab 2016 ein Flüchtlingsdorf mit bis zu 300 Bewohnern entstehen. In zwei beheizten Hallen will der Kanton dort 60 einfache Häuser aufstellen, um Asylbewerber unterzubringen.

Mario Fuchs
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IKEA-Häuser für Flüchtlinge
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Regierungsrätin Susanne Hochuli und Andreas Flückiger, Leiter Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, Ende Oktober 2015 in einem IKEA-Shelter.
So sehen die IKEA-Häuser im Innern aus.
Ein IKEA-Haus von Aussen.

IKEA-Häuser für Flüchtlinge

Alex Spichale

Ort und Zeit waren ungewöhnlich: Am Donnerstag um 12.30 Uhr lud der Kanton, genauer: das Departement Gesundheit und Soziales, zu einer Medienkonferenz in den Campussaal nach Brugg-Windisch. Titel der Einladung: «Shelters for Refugees». Refugees sind Flüchtlinge.

Shelter kann vieles heissen: Zuflucht, Unterschlupf, Wartehalle. Oder eben: Asyl. Unübersehbar standen zwei Shelters fertig aufgebaut und eingerichtet im Eingang zum Campussaal, der auch Eingang zur Fachhochschule ist. Neugierig blieben die Studierenden stehen und wunderten sich über die Häuser im Haus.

Ort und Zeit – auch wenn ungewöhnlich – wurden nicht zufällig gewählt. Der Aargau ist heuer Gastgeber der jährlichen Bevölkerungsschutzkonferenz. So verliessen die Zivilschützer aus allen Kantonen den Campussaal über Mittag und überliessen ihre Plätze samt Mineral-Fläschli den Medienvertretern.

Regierungsrätin Susanne Hochuli erklärte den Zusammenhang: Die von der Ikea-Stiftung mitentwickelten Häuser dienten Schutzsuchenden als Dach über dem Kopf – «das ist also auch Bevölkerungsschutz».

Zwischennutzung ab 2016

Im Aargau gilt bei Asylunterkünften nach wie vor der Grundsatz «oberirdisch vor unterirdisch», weshalb die Ikea-Häuser als Variante getestet wurden. Susanne Hochuli sagte am Donnerstag denn auch: «Sie sind eine taugliche Option, nicht mehr und nicht weniger.»

Weil es nicht danach aussieht, dass die Gesuchszahlen sinken werden, auch weil die Temperaturen sinken und, so Hochuli, «die Menschen jetzt auch auf der Flucht vor dem Winter sind», hat der Kanton vorwärtsgemacht mit der Suche nach einem Standort für die Ikea-Häuser. Dabei habe man gemerkt: «Es gibt gar nicht so viele Standorte, die alle Anforderungen erfüllen.»

Shelters in zwei Werkhof-Hallen

Genau genommen: bis jetzt einen einzigen, in Frick, auf dem Areal des ehemaligen Autobahn-Werkhofs. Der Werkhof liegt in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen, gehört dem Kanton, kann temporär genutzt werden und die Gemeinde Frick ist einverstanden. Geplant ist, ab 2018 dort das kantonale Katastropheneinsatzelement unterzubringen. Dem muss der Grosse Rat aber noch zustimmen – bis dahin ist eine Zwischennutzung möglich.

Konkret: In zwei Werkhallen sollen 60 von insgesamt 200 bereits bestellten «Shelters» aufgebaut werden. In einem haben fünf Personen Platz. Eine Halle über den Häusern braucht es wegen der Wärme. Departements- Sprecher Balz Bruder sagte es so: «Die Beheizung jedes einzelnen Shelter würde wesentlich weniger Sinn machen.» Die Kunststoffwände der wiederverwendbaren Häuser sind dünn, eine eigentliche Isolationsschicht fehlt. So wird kurzerhand die Halle geheizt.

In der einen Halle sollen Familien wohnen, in der anderen Männer. Für die Kinder ist auf dem Areal eine eigene Klasse geplant, die sie auf die Einschulung vorbereitet. Die Schule Frick soll nicht tangiert werden. Das Unternehmen ORS, das bereits die Unterkünfte in den Notspitälern betreibt, wird die Einwohner des «Ikea-Dorfs» betreuen. Sollten die Shelters dereinst als Flüchtlingsunterkünfte ausgedient haben, übernimmt sie der Zivilschutz, um sie bei Bedarf für «andere Menschen in Not» einzusetzen.

Fricks Ammann zuversichtlich

Susanne Hochuli hielt fest: «Das ist ein anspruchsvolles, aber realisierbares Projekt.» Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei «sehr gut». Ein Shelter kostet 1200 Franken, dazu kommen nochmals rund 1200 Franken für die Inneneinrichtung. Die Möbel werden voraussichtlich geliefert von: Ikea.

In den nächsten Wochen wollen die Gemeinde Frick und der Kanton die offenen Fragen klären. Danach stellt der Kanton ein Baugesuch, für die Rahmenbedingungen wird eine separate Vereinbarung ausgehandelt. Läuft alles so, wie es sich Susanne Hochuli erhofft, könnten die Flüchtlinge im ersten Quartal 2016 einziehen.

Container in Seengen und Brittnau

Neben gemieteten Wohnungen, leeren Kantonsliegenschaften, unterirdischen Anlagen, provisorischen Zelten und Ikea-Häusern stehen auch Container zur Diskussion, um Asylbewerber unterzubringen. Dies sieht der Kanton derzeit nicht vor, mit Brittnau und Seengen setzen aber zwei Gemeinden auf Container.

In Seengen blieb der Aufruf, der Gemeindekanzlei geeignete Liegenschaften als Asylunterkunft zu melden, erfolglos. «Wir möchten Asylbewerber oberirdisch unterbringen», sagt Gemeindeammann Jörg Bruder. Allerdings ist noch offen, wann die Wohncontainer aufgestellt werden. Gegen das Baugesuch für die Asylcontainer gingen innerhalb der Auflagefrist zwei Einsprachen ein.

In Brittnau entscheidet die Gemeindeversammlung am 27. November über einen Kredit für Wohncontainer. Die Gemeinde setzt auf diese Lösung, weil Betreuungsaufwand und Sicherheitsdienstleistungen in ihrer Zivilschutz-anlage im Vergleich zu Containern rund dreimal so teuer wären. Noch mehr würde es Brittnau kosten, wenn die Gemeinde keine Asylplätze zur Verfügung stellt: Dann würde 2016 eine Ersatzabgabe von rund 412000 an den Kanton fällig. (nro/fh)

Der Fricker Gemeindeammann Daniel Suter (FDP) sagte zum Regionalfernsehen Tele M1, die Kommunikation zwischen Kanton und Gemeinde sei bislang «vorbildlich» gewesen: «Wir wurden informiert, als der Kanton erst laut dachte.» Er gehe davon aus, dass dank klaren Konzepten die Auswirkungen auf das Dorfleben «nicht wahnsinnig gross» sein würden. Die Gemeinde Frick sei «prinzipiell Baubewilligungs- und nicht Bauverhinderungsbehörde».

Die Flüchtlinge, die heute in Armeezelten wohnen, werden Ende November umziehen, wie Hochuli am Donnerstag nochmals bestätigte. Weil ein direkter Umzug nach Frick zeitlich nicht möglich ist, werden die Betroffenen auf andere Unterkünfte verteilt.

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