Birmenstorf
Höchste Aargauerin feiert mit dem halben Dorf: «Hier wurde mein politischer Grundstein gelegt»

Die Grossrätinnen und Grossräte haben Edith Saner glanzvoll mit 132 Stimmen zur höchsten Aargauerin gewählt. In ihrer Gemeinde Birmenstorf wurde sie von Kindern, Familie und Politikern herzlich empfangen und gefeiert.

Stefania Telesca, Noemi Lea Landolt
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Die neue Grossratspräsidentin Edith Saner wird in Birmenstorf von der Frau Gemeindeammann Marianne Stänz öffentlich empfangen.
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Landammann Markus Dieth haelt eine Ansprache.
Die abtretende Grossratspraesidentin Renata Siegrist-Bachmann auf der Buehne.
Moderator Walter Vogt und Frau Gemeindeammann von Birmenstorf Marianne Staenz.
Landammann Markus Dieth uebergibt Edith Saner und der abtretenden Grossratspraesidentin Renata Siegrist-Bachmann ein Geschenk.
Moderator Walter Vogt und Edith Saner auf der Buehne.
Das Hauptgericht wird zubereitet.
Das fertige Hauptgericht: Geschnetzeltes mit Kartoffelstock an Wintergemüse.
Die Wahlfeier der neuen Grossratspraesidentin Edith Saner
Die abtretende Grossratspraesidentin Renata Siegrist-Bachmann (rechts) wird von Edith Saner beschenkt.
Aber auch Edith Saner (links) wird von der abtretenden Grossratspraesidentin Renata Siegrist-Bachmann beschenkt.
Auch der Kinderchor empfängt Edith Saner.
Weitere musikalische Darbietung: Öffentlicher Empfang mit Alphorn von Bruder Josef Furrer.
Staenderat Thierry Burkart, Désirée und Markus Dieth, Landammann (v.l.).
Nationalrat Benjamin Giezendanner und Nationalraetin Liliane Studer kamen auch zu der Wahlfeier von Edith Saner.
Auch die Regierungsräte Alex Huerzeler und Stephan Attiger (v.l.) waren dabei.
Ebenso wie die Nationalräte Cédric Wermuth, Gabriela Suter und Martina Bircher.
Nationalrätin Irène Kaelin und Renata Siegrist, Grossratspraesidentin 2019 (v.l.).
Regierungsrat Urs Hofmann und Ehefrau Monika Graf.
Edith Saner (2.v.r.) wird auf die Buehne begleitet.
Die neue Grossratspraesidentin Edith Saner hält eine Rede.

Die neue Grossratspräsidentin Edith Saner wird in Birmenstorf von der Frau Gemeindeammann Marianne Stänz öffentlich empfangen.

Colin Frei

Es ist ein Glanzresultat. Mit 132 von möglichen 135 Stimmen ist Edith Saner am Dienstag als Grossratspräsidentin gewählt worden. Damit gehört die Birmenstorferin, die seit 2014 für die CVP im Grossen Rat politisiert, zu den bestgewählten Grossratspräsidentinnen.

Sie liegt nur knapp hinter Rekordhalterin Vreni Friker (SVP), die 2013 mit 136 von 137 möglichen Stimmen gewählt wurde. Auch ihre beiden Vizes wurden erwartungsgemäss gewählt. Pascal Furer (SVP), der das kantonale Parlament nächstes Jahr präsidieren wird, holte 102 Stimmen; die zweite Vizepräsidentin Elisabeth Burgener (SP) holte 96 Stimmen.

Birmenstorfer sind stolz auf die Grossratspräsidentin

Die Ratskolleginnen und -kollegen applaudierten ihrer neuen Präsidentin, die nach der Antrittsansprache sogleich das Zepter übernahm und die Sitzung leitete. So speditiv, dass der Apéro im Grossratsgebäude sogar eine halbe Stunde früher als geplant starten konnte. Das schadete nicht, stand doch bereits um 17.30 Uhr der offizielle Empfang in Birmenstorf bevor.

Dort erwartete der Schülerchor die höchste Aargauerin bereits auf dem Schulhausplatz. Begleitet von der Minibrassband Birmenstorf sangen die Schülerinnen und Schüler für Edith Saner das Birmenstorfer Lied. Die klirrende Kälte hinderte die Dorfbewohner nicht, zahlreich zu erscheinen, um die neue Grossratspräsidentin mit tosendem Applaus zu begrüssen. «Wahrscheinlich ist das halbe Dorf hier», sagte Frau Gemeindeammann Marianne Stänz in ihrer Begrüssungsrede. «Es ist vor allem dir zu verdanken, dass wir ein attraktives Dorf haben für jung und alt», führte Stänz fort. Und was Edith Saner für Birmenstorf geschafft habe, könne sie auch für den Aargau erreichen.

Saner, die von den kleinen Sängerinnen und Sänger hinter ihr mit grossen Augen begutachtet wurde, strahlte und war sichtlich gerührt: «Ich bin total überwältigt und es berührt mich ausserordentlich, dass so viele den Weg hierher gefunden haben.» Die Feier auf dem Schulhausplatz war öffentlich. «Wir stehen hier an einem Ort, wo mein politischer Weg begonnen hat. Im ehemaligen Gemeindehaus. Hier wurde mein politischer Grundstein gelegt», so Saner.

Edith Saner (CVP) erhielt in der Wahl zur Grossratspräsidentin 132 Stimmen. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie und erfahren Sie, wie ihre Vorgängerinnen und Vorgänger abschnitten.
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Renata Siegrist, GLP, 2019: 96 Stimmen
Bernhard Scholl, FDP, 2018: 101 Stimmen
Benjamin Giezendanner, SVP, 2017: 133 Stimmen
Marco Hardmeier, SP, 2016: 125 Stimmen
Markus Dieth, CVP, 2015: 132 Stimmen
Thierry Burkart, FDP, 2014: 112 Stimmen
Vreni Friker, SVP, 2013: 136 Stimmen
Kathrin Scholl, SP, 2012: 128 Stimmen
Theo Voegtli, CVP, 2011: 107 Stimmen
Patricia Schreiber, Grüne, 2010: 117 Stimmen
Herbert H. Scholl, FDP, 2009: 128 Stimmen
Walter Markwalder, SVP, 2008: 124 Stimmen
Heinrich Schöni, SP, 2007: 111 Stimmen
Esther Egger, CVP, 2006: 107 Stimmen
Corina Eichenberger, FDP, 2005: 126 Stimmen

Edith Saner (CVP) erhielt in der Wahl zur Grossratspräsidentin 132 Stimmen. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie und erfahren Sie, wie ihre Vorgängerinnen und Vorgänger abschnitten.

Colin Frei

Klängen aus dem Alphorn

Für 370 geladene Gäste ging es nach den Ansprachen hinein in die Mehrzweckhalle. Draussen bahnten drei Männer mit Klängen aus dem Alphorn den Weg. Einer von ihnen war Josef Furrer, Edith Saners ältester Bruder und einer von sieben angereisten Geschwistern.

Zahlreiche bekannte Aargauer Gesichter trafen sich an den langen Tischen. Politikerinnen und Politiker, Vertreter von Polizei und Militär, langjährige Wegbegleiter von Edith Saner, Familienangehörige und Freunde.

Das Dreigangmenu - Kürbiscrèmesuppe mit Curry und Rauchlachstartar, Schweinsgeschnetzeltes mit Kartoffelstock und winterlichem Gemüse und zum Schluss ein feines Dessertquartett - wurde von Vereinsmitgliedern aus Birmenstorf serviert. Dass der geplante Zustupf über 20'000 Franken aus der Gemeindekasse fehlte, merkte man bei der herzlich gestalteten Feier nicht.

Der Betrag für das Fest sollte ursprünglich durch drei geteilt werden: Ein Drittel übernimmt der Kanton, ein Drittel wollte Edith Saner von Anfang an selber beisteuern, und das letzte Drittel sollte Birmenstorf übernehmen. Dies passierte vorerst aber nicht, weil die Gemeinde ohne geltendes Budget ins neue Jahr starten musste.

Frau Gemeindeammann Marianne Stänz liess sich in ihrer Ansprache einen Seitenhieb auf diese Diskussion nicht nehmen: «Ich bin fest sicher, dass wir den Betrag für die Feier noch dieses Jahr überweisen können», scherzte sie.

Ein Präsidialjahr im Zeichen der Vielfalt

Die neue Grossratspräsidentin stellt ihr Präsidialjahr unter das Motto «Vielfalt Aargau». Einige würden wohl denken, das sei nicht Spezielles und nichts Neues, sagte Edith Saner in ihrer Antrittsansprache im Grossratssaal. So sei es ihr zuerst auch ergangen. Aber je länger sie darüber nachdachte, desto mehr sei ihr bewusst geworden, dass sie gerade dieser Vielfalt, die alle bereits kennen, vertiefte Beachtung schenken wolle. «Vielfalt Aargau» sei geprägt durch die Unterschiedlichen Regionen, Dialekte oder abwechslungsreiche Landschaften.

Aber auch die Arbeit von Menschen aus verschiedenen Berufsrichtungen und Kulturen. Wenn man sich mit einem Thema intensiv befasse, sich mit anderen Menschen darüber austausche, öffneten sich plötzlich ganz neue, vielfältige Perspektiven. «Ich finde es wichtig, dass man diese neu gewonnene Vielfalt bei der weiteren Umsetzung berücksichtigt», sagte Saner. Vielfalt als Politikerin und Politiker zu erkennen und zu erleben sei ein Geschenk, das zugleich verpflichte. «Es verpflichtet uns, mit dieser Fülle achtsam umzugehen», appellierte Saner an ihre Grossratskolleginnen und -kollegen. «Wir müssen uns bewusst sein, wie schnell sich Vielfalt verändern kann.»

Als Symbol für «Vielfalt Aargau» hat sich Edith Saner für drei farbige ineinander bewegende Kreise entschieden. Der blaue Kreis stehe für den Kanton Aargau. Der grüne und gelbe Kreis für die Farben ihrer Wohngemeinde Birmenstorf. Die Gemeinde sei ihr eine gute Lehrmeisterin in ihrem «politischen Gärprozess» gewesen, sagte Edith Saner. Letztlich sei eine politische Karriere nämlich wie ein guter Wein. Sie brauche Zeit, gute Wetterlagen oder Mentoren in Form von Kellermeisterinnen und Kellermeistern. Ihr Ziel sei es, dass im Präsidialjahr weitere farbige Kreise dazukommen und sie ihr Wissen über den Kanton zusammen mit anderen Menschen erweitern könne. «Ich möchte nicht nur selbst Vielfalt erleben, sondern auch Ihnen hier im Saal etwas weitergeben», sagte Saner. (nla)

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