NAB-Finanzanlass
Hochkarätiges Podium zum Verhältnis zur EU

Gestern Abend veranstaltete die Neue Aargauer Bank (NAB) in Aarau einen Wirtschaftsausblick für 2018. Im Fokus stand die Diskussion um das Verhältnis zwischen Schweiz und EU.

Mathias Küng
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Das Podium mit (v. l.) Ständerat Philipp Müller, Unternehmer Otto H. Suhner, Moderatorin Sonja Hasler, dem früheren deutschen Botschafter Otto Lampe, dem EU-Abgeordneten Andreas Schwab und dem früheren Botschafter Alexis Lautenberg.

Das Podium mit (v. l.) Ständerat Philipp Müller, Unternehmer Otto H. Suhner, Moderatorin Sonja Hasler, dem früheren deutschen Botschafter Otto Lampe, dem EU-Abgeordneten Andreas Schwab und dem früheren Botschafter Alexis Lautenberg.

Fabio Baranzini

Die Neue Aargauer Bank (NAB) lud gestern Abend nach Aarau zu einem Wirtschaftsausblick 2018 mit ihrem Chefökonomen Philipp Knecht. Nach Knechts Einschätzung der Perspektiven im Aargau rangen die Teilnehmer des hochkarätigen Podiums um das Verhältnis Schweiz – EU.

Einen aktuellen Anlass bietet der jüngst scheinbar harmonische Bern-Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Kaum war er daheim, flogen die Fetzen. In der Schweiz wurde getitelt, die EU erpresse die Schweiz, nehme die Börse als Geisel. Moderatorin Sonja Hasler wollte im voll besetzten Kultur- und Kongresshaus wissen, wie der Streit einzuschätzen sei.

Er habe im Disput um die Äquivalenz für die Börse nicht hyperventiliert, machte der Aargauer Ständerat und Aussenpolitiker Philipp Müller (FDP) sofort klar. Die EU werde diese um ein Jahr verlängern, dann wieder um ein Jahr, dann wieder ... Unsere Aussenpolitiker gäben aber «das Bild von schnatternden Gänsen ab», kritisierte er.

Die Schweiz müsse sich erst auf eine Linie einigen, um dann Aussenpolitik zu machen. Er habe nicht den Eindruck, dass die Schweiz erpresst werde, so Müller. «Es ist unser alleiniger Wille, ob wir den Zugang zum EU-Binnenmarkt wollen oder nicht.» Die 1,3 Milliarden für Osteuropa seien als Schmiermittel dafür zu betrachten.

Andere Akzente setzte Otto H. Suhner, Verwaltungsratspräsident der Suhner Holding AG. Auch er ist zwar der Meinung, dass die Börsensuppe nicht so heiss gegessen wird. Retorsionsmassnahmen gegenüber der EU führten zu nichts, meinte er. Doch er erwartet vom Bundesrat ein ganz anderes Auftreten.

Die Schweiz sei schliesslich der zweitgrösste Kunde der Gesamt-EU. Das Rahmenabkommen, so wie es jetzt aussehe, werde im Volk eine Schlappe erleiden, prophezeite er. Es sei jetzt nicht mehrheitsfähig, meinte Müller ebenso, es sei aber auch noch gar nicht fertig verhandelt.

Zurückhaltend äusserten sich der frühere deutsche Botschafter in der Schweiz, Otto Lampe, sowie der EU-Abgeordnete Andreas Schwab (CDU) aus Rottweil. Es gehe um die Regeln. Die Schweiz könne ja nicht sagen, die Weiterentwicklung der Fifa-Regeln gehe sie nichts an, sie spiele weiter mit den früheren Regeln.

So sei es auch mit den EU-Regeln, meinte Lampe. Das Vorgehen der EU mit der Börse sei keine Erpressung. Zur Atmosphäre Schweiz – EU sorgte er mit der Bemerkung für Schmunzeln, Jean-Claude Juncker habe sich kussmässig nach Simonetta Sommaruga gegenüber Doris Leuthard ja bereits etwas zurückgenommen. Lampe mag den aktuellen Streit nicht überbewerten. Die Beziehungen seien gut.

Auch der frühere Schweizer Botschafter und heutige Interessenvertreter der Schweizer Grossbanken in Brüssel, Alexis Lautenberg, vermisst eine «gemeinsame, nach aussen projizierbare Position». Er glaubt, dass es nur mit einem Rahmenabkommen geht, wenn die Schweiz vollen EU-Zugang für Finanz-Dienstleistungen will. Das von Sonja Hasler sehr gut geleitete Podium zeigte vor allem eins: Zur Klärung des Verhältnisses Schweiz – EU gibt es noch viel Diskussionsbedarf.