Elfte Station

Hitzige Stimmung beim Wahlkampfbus-Finale - es ging um Flüchtlinge

Das Finale des az-Wahlkampfbusses ist am Montagabend direkt vor dem AZ-Mediencenter in Aarau gestiegen – und endete mit einer lautstarken Debatte über die Flüchtlingskrise. Ein grosses Thema war zudem Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.

Anfangs verläuft die Diskussion sachlich und ruhig. Doch die Stimmung wird kippen – auch unter den gut 90 Zuschauern. Die grosse Final-Debatte des az-Wahlkampfbusses endet in Aarau unter ziemlichem Aufruhr. Die anschliessende Führung durch das AZ Mediencenter half, die erhitzten Gemüter wieder abzukühlen.

Was ist geschehen? Zu Beginn der Debatte ziehen die sechs Nationalratskandidaten eine erste Bilanz. Christian Dorer, az-Chefredaktor und Moderator, möchte wissen, wie zufrieden die Politiker mit ihrem Wahlkampf sind. War er etwa zu langweilig? Und was hat er tatsächlich gekostet? Für Anna Wartmann, Präsidentin der Jungfreisinnigen Aargau, war es eine intensive Zeit. Gleich drei Wahlkämpfe habe sie geführt: den eigenen, jenen für die Jungfreisinnigen und als politische Mitarbeiterin jenen für FDP-Nationalrat Ruedi Noser, der für den Kanton Zürich in den Ständerat möchte.

Wahlkampf ohne Plakate

SP-Grossrat Jürg Knuchel findet, der Wahlkampf sei nun endgültig auf Social Media angekommen. Aber: «Insgesamt sind mir die Inhalte zu kurz gekommen», sagt er. CVP-Nationalrätin Ruth Humbel empfand besonders den Ständeratswahlkampf als lebhaft. Ob es daran liegt, dass sie selber für einen Sitz im Stöckli antritt? Mit 100 000 Franken hat sie von den Podiumsteilnehmern am meisten investiert – die Hälfte davon für Plakate. Darauf verzichtete SVP-Mann Ulrich Giezendanner. Und sparte einige Kosten. «Als ich gesehen habe, wie viele Plakate schon hangen, machte ich da nicht auch noch mit.»

Ausgegeben hat er dennoch 52 000 Franken – weil die Inserate in der az so teuer seien. Vom Wahlkampf aber halte er nicht viel. «Das Volk beurteilt die Leistung der letzten vier Jahre.» Auf Plakate zu verzichten, könne man sich leisten, wenn man eine Marke ist, entgegnet SP-Grossrat Jürg Knuchel, der immerhin auf ein Budget von 30 000 Franken kommt.

Das Publikum mischt sich ein

Beim zweiten Frageblock wird die Stimmung lauter. Es geht nun um den Bundesrat. Werden Sie Eveline Widmer-Schlumpf wieder wählen? Ein deutliches «Nein» hallt durch die Zuschauer. Das ist ganz in Giezendanners Sinne: «Wir wollen zwei Bundesräte und nicht zwei falsche, wie wir das bisher hatten», wettert er nun mit erhobenem Zeigefinger. Das Publikum applaudiert.

Für Micha Siegrist von den Grünen hingegen ist klar: «Ich würde sie wieder wählen», sagt er und ergänzt: «Im Bundesrat sollten konstruktive Kräfte vertreten sein.» Giezendanner schüttelt den Kopf: «Dann gibt es aber nie einen Grünen.» Das Publikum lacht.

Unterdessen ist es dunkel und kühl geworden. Ein Zuschauer tritt aus der Menge, möchte wissen, wie es die Kandidaten mit der Asylpolitik sehen. Das ist der Einsatz für den SVP-Mann. Unterdessen hat er das Mikrofon längst auf dem Bistrotisch abgelegt. Seine Stimme braucht keine Verstärkung. «Wir haben klar ein Asylchaos, wenn wir Asylanten in Ikea-Zelten schlafen lassen», sagt er, beklagt sich nun über die Gratisanwälte für Flüchtlinge und bezeichnet Ruth Humbel als «Humbeli».

Plötzlich verliert Michael Ganz von der GLP die Geduld: «Am Anfang waren Sie sympathisch, jetzt drehen sie völlig durch», sagt er zu Giezendanner. Nun mischt sich das Publikum ein. In der hintersten Reihe wird jemand angerempelt. Gut, sind die vorgesehenen 30 Minuten dann aber vorbei.

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