Hitzesommer
Fussbad, Schattenplatz im Garten und mehr Bäume: Das wünschen sich ältere Menschen für die kommenden Hitzetage

Für Seniorinnen und Senioren kann Hitze nicht nur lästig, sondern gefährlich werden. Drei ältere Menschen erzählen, wie sie heisse Tage verbringen – und wie ihr Seniorenzentrum sich auf neue Extremtemperaturen vorbereitet.

Andrea Marti
Drucken
Hitzewellen stören sie nicht – trotzdem müssen sie fast den ganzen Tag drinnen bleiben: Ernst Güdel und die Schwestern Erika Julmy (links) und Ruth Senn im Seniorenzentrum Wasserflue in Küttigen.

Hitzewellen stören sie nicht – trotzdem müssen sie fast den ganzen Tag drinnen bleiben: Ernst Güdel und die Schwestern Erika Julmy (links) und Ruth Senn im Seniorenzentrum Wasserflue in Küttigen.

Sandra Ardizzone

Wenn’s heiss ist, reagieren viele Menschen fast gleich: ab ans nächste Gewässer, in die Badi, auf den Fluss, Glace essen – gut eingecrèmt eine gute Entscheidung. Nur: Nicht für alle Menschen ist das eine Möglichkeit. Ältere Menschen, die in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, haben oft weniger Optionen, um sich vor der Hitze zu schützen. Ihnen bleibt, was sie in den eigenen vier Wänden tun können: nachts lüften, tagsüber die Storen runter. Viel trinken, wenig bewegen.

«Bleiben im Sommer den ganzen Tag drin»

Das erzählen zwei Seniorinnen und ein Senior aus dem Seniorenzentrum Wasserflue in Küttigen. «An heissen Tagen bleibe ich einfach praktisch den ganzen Tag in meinem Zimmer», erzählt etwa Seniorin Ruth Senn, 87-jährig. In ihrem Zimmer seien die Temperaturen meistens recht angenehm, so könne sie Rätsel lösen oder Fernsehen schauen, wenn es draussen heiss ist. Das störe sie nicht. «Wenn man es richtig macht, dann geht es auch an den heissen Tagen mit der Temperatur», findet sie.

Auch ihre Schwester, Erika Julmy, 85-jährig, sieht das ähnlich: «Ich mag’s, wenn’s warm ist», sagt sie. Auch sie bleibt allerdings drin, wenn’s draussen heiss ist. Anders Ernst Güdel, 88-jährig. Er ist auch dann noch draussen, wenn die Hitze über dem Asphalt flirrt. «Ich gehe dann trotzdem noch spazieren, ich bin gerne an der frischen Luft», sagt er. Auch ihn belastet die Situation nicht extrem, gesundheitlich leidet er – wie seine beiden Kolleginnen – kaum, wenn es heiss wird.

Das können nicht alle ältere Menschen von sich behaupten: Grundsätzlich sind alte Menschen gefährdeter, körperlich unter der Hitze zu leiden. Das hat mehrere Gründe. Zum einen haben sie weniger Wasser im Körper, weshalb sie weniger schwitzen und sich dadurch schlechter kühlen können. Dazu kommt, dass ältere Menschen im Vergleich zu jungen Menschen ein vermindertes Durstgefühl haben, weshalb sie häufig zu wenig trinken. Dann drohen Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck, im schlimmsten Fall Bewusstseinsverlust und Tod.

Daran scheinen die drei Seniorinnen und Senioren im Seniorenzentrum Wasserflue keinen Gedanken zu verschwenden: «Im Sommer ist es halt warm», sagen sie unisono und zucken mit den Schultern. Nur wenige Wünsche haben sie noch, um ihren Sommer angenehmer zu machen: Ernst Güdel hätte gerne ein Fussbad draussen, um sich kühlen zu können. Und Erika Julmy wünscht sich einen Schattenplatz für ihren kleinen Garten.

Mehr Bäume auf Seniorenzentrumsareal

Einig sind sich alle drei, dass auf dem Areal des Seniorenzentrums Bäume fehlen. «Wir haben relativ wenige Bäume, die so schön kühlen. Die Sonnenschirme, die wir im Innenhof haben, sind einfach nicht dasselbe», findet Ernst Güdel.

Zentrumsleiter Thomas Jehle versteht das Anliegen der Seniorinnen und Senioren. «Wir haben das zu wenig bedacht, als wir die Sitzbänke geplant haben. Die Häuser sind darauf ausgelegt, kühl zu sein, besonders der Neubau – aber der Aussenbereich ist noch nicht optimal gestaltet.»

Thomas Jehle.

Thomas Jehle.

Sandra Ardizzone

Das Seniorenzentrum Wasserflue ist aber gerade daran, das zu ändern. Vor einigen Monaten ist eine Gruppe Studierender der ETH auf Jehle zugekommen, mit dem Angebot, das Areal des Seniorenzentrums auf seine Hitzelage zu überprüfen. Herausgekommen seien einige Defizite, die nun angegangen werden: «Geplant sind mehr Bäume, vor allem bei den Sitzgelegenheiten, und Fassadenbegrünung.» Für diesen Sommer reiche das zwar nicht mehr, nächsten Sommer sollten die Massnahmen aber bereits erste Wirkung zeigen, ist Jehle überzeugt.

Auch Pro Senectute und Spitex stellen sich auf Hitze ein

Mit den Hitzemassnahmen ist das Seniorenzentrum Wasserflue nicht allein: Auch Organisationen, die Dienstleistungen für ältere Menschen anbieten, passen ihr Angebot den Temperaturen an: «Wenn es warm ist, ändern wir teilweise das Programm unserer Angebote – bei einer geplanten Wanderung ändern wir beispielsweise die Route, sodass diese eher im Schatten und flacher ist, bei einer Turnstunde machen wir Dinge, die weniger intensiv sind als sonst», erzählt Andrea Hadorn von der Geschäftsleitung der Pro Senectute. Zudem weise man Teilnehmende regelmässig darauf hin, dass sie genug trinken sollen.

Ähnlich handhabt auch die Spitex die Hitzetage. «Wir stellen Getränke bereit, weisen darauf hin, dass genug trinken wichtig ist, und kontrollieren je nachdem, ob auch tatsächlich getrunken wurde», sagt Pflegerin Verena Uhlenbruck von der Spitex Limmat Aare Reuss. Ausserdem, so Uhlenbruck weiter, setze die Spitex auf Sensibilisierung. Man informiere Angehörige und berate sie, wie sie Seniorinnen und Senioren an heissen Tagen am besten unterstützen können.

Kanton schützt ältere Menschen nicht spezifisch

Damit versuchen die Altersorganisationen, schlimme gesundheitliche Folgen der Hitze für ältere Menschen zu verhindern. Zu ihrem Schutz gibt es vom Kanton aus momentan keine spezifischen Massnahmen: Man setze auf Eigenverantwortung der betroffenen Gruppen, sagt Michel Hassler, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales. Zur Sensibilisierung gebe es Informationsmaterialien des Bundes, im Zweifelsfall sollen sich Betroffene bei ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt melden.

Wie viele Menschen im Aargau jährlich an Hitze sterben, wird nicht erhoben. Da Hitze nicht direkt zum Tod führt, werden Hitzetote von beiden Kantonsspitälern im Aargau nicht registriert. Bisher, heisst es bei den Kantonsspitälern, spüre man noch keinen deutlichen Anstieg von Menschen, die im Spital Hilfe suchen. Ob sich das in den kommenden Hitzetagen ändern wird, bleibt abzuwarten.