Fast 13 Millionen Franken brachte die Versteigerung von Schildern seit 1999 der Aargauer Staatskasse ein. Viele Autobesitzer sind bereit, deutlich mehr als die üblichen 40 Franken zu bezahlen, um an ihrem Fahrzeug eine aussergewöhnliche Nummer montieren zu können. Und bald gelangen neue begehrte Exemplare auf den Markt. Der Grund: Voraussichtlich noch in diesem Jahr werden im Aargau die ersten Schilder der 500 000er-Serie in Umlauf kommen.

«Ein historischer Sprung», sagt Stefan Hotan, Präsident der Interessengemeinschaft Schweizer Kontrollschilder. «Das kommt nur etwa alle 20 Jahre vor.» Die 400 000er-Grenze wurde im Aargau 1997 geknackt. Mehrere tausend neue Autonummern werden pro Jahr hier in Umlauf gebracht. Anders als beispielsweise der Kanton Genf, der die Schilder fortlaufend austeilt und deshalb bereits bei Zahlen über 800 000 angelangt ist, vergibt das Aargauer Strassenverkehrsamt zurückgebrachte Nummern erneut.

Tausende Franken für ein Schild

Wann genau die halbe Million erreicht wird, ist noch offen. «Wenn Fahrzeugzulassungen im bisherigen Umfang erfolgen, werden 2017 die ersten 500 000er-Kontrollschilder abgegeben», sagt Strassenverkehrsamt-Leiter Johannes Michael Baer. Und: «Es ist davon auszugehen, dass begehrte Zahlenkombinationen wie zum Beispiel 500 000, 500 005 oder 500 500 versteigert werden.» Das dürfte dem Kanton eine schöne Summe einbringen. Prognosen will Baer allerdings keine wagen. Der Preis hänge von der Nachfrage ab. Er rechnet aber damit, «dass der Zuschlag zu einem höheren Preis als das Mindestgebot von 200 Franken erfolgen wird».

Infogram: Kontrollstchilder-Fakten

Insbesondere für «AG 500 000» erwartet Stefan Hotan hohe Gebote – «weil sie viele Nullen drin hat und gerade ist». Dazu kommt: «Das ist eine der seltenen Gelegenheiten, um im Aargau an eine spezielle Nummer zu kommen.» Bieten mehrere Interessenten mit, wird es rasch teuer. Vierstellige Nummern kosteten im vergangenen Jahr durchschnittlich um die 4000 Franken. Aktuell läuft auf der Website des Strassenverkehrsamts unter anderem die Versteigerung von «AG 4241» – das höchste Gebot liegt bei knapp 7000 Franken.

Rekord aus Versehen

Besonders begehrt sind Schnapszahlen, Zahlenreihen, Geburtsdaten und tiefe Nummern. 70 000 Franken brachte «AG 25» dem Kanton ein – ein Rekord, der seit dem Jahr 2000 Bestand hat und auf ein Versehen zurückgeht. Zwei Bieter aus derselben Firma trieben den Preis in die Höhe. Verglichen mit dem landesweiten Höchstwert nimmt sich der Aargauer Rekord indes bescheiden aus: «SG 1» und «TI 10» – die bislang teuersten Schilder der Schweiz – wechselten für 135 000 Franken den Besitzer. Kein Wunder, versuchen einige Kantone, mit Versteigerungen ihre Budgets zu entlasten. Am Dienstag kündigte der Kanton Wallis an, künftig ebenfalls spezielle Kontrollschilder anzubieten – unter ihnen «VS 1».

Auch im Aargau verschaffen die Auktionen den gebeutelten Kantonsfinanzen eine willkommene Entlastung. Allein 2014 kam auf diese Weise über eine Million Franken zusammen. Als Folge einer Interpellation von FDP-Grossrätin Jeanine Glarner beschloss der Regierungsrat, 130 der 151 Kontrollschilder im Kantonsbesitz zu versteigern. Ausgenommen davon sind ein- bis dreistellige Nummern. Doch deren Potenzial wäre gross: Stefan Hotan rechnet allein für die einstelligen Autonummern mit einem potenziellen Auktionserlös von bis zu einer Million Franken. «‹AG 1› würde zum teuersten Kontrollschild der Schweiz.»

Jeanine Glarner fragt sich, ob es opportun sei, dass der Kanton diese Schilder besitze, obwohl sie viel Geld wert sind. «Aus meiner Sicht sollten auch die ganz tiefen Nummern versteigert werden. Das wäre eine gute Einnahmequelle.» Allerdings wolle sie nun zuerst abwarten, was die erste Runde der Versteigerung einbringt. Im Moment habe sie deshalb keinen Vorstoss geplant, sagt die FDP-Grossrätin.