Leser-Diskussion

«Hinterfragen verboten: Die Rega ist die heilige Kuh des Schweizers» - auch AAA-Heli bekommt ihr Fett weg

Der Konkurrenzkampf zwischen der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega und der im Aargau stationierten Alpine Air Ambulance AAA beschäftigt unsere Leserinnen und Leser. Wer ist kompetenter? Was kosten Parallelstrukturen? Und warum unternimmt der Kanton nichts?

Die Luftrettung in der Schweiz ist im Wandel. Jahrzehnte war diese bei der 1952 gegründeten Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega quasi monopolisiert. Doch im Aargau mischt seit 2013 der TCS respektive seine Nachfolgerin, die Alpine Air Ambulance AAA, im Geschäft mit. Im Kanton Zürich ist dies seit diesen Wochen der Fall. Zwei Vorfälle gaben diese Woche zu reden und wühlten eine fünf Jahre alte Diskussion wieder auf: Im einen Fall ging es um ungedeckte Kosten eines verstorbenen 27-Jährigen, im anderen um einen Rettungseinsatz an der Lägern.

Die Frage der Professionalität:

Leser "A.Graf" kommentiert: "Zum Glück gibt's mit der Rega noch einen professionellen und erfahrenen Anbieter. Leider ist dieser nur noch in Ausnahmefällen im Aargau anzutreffen. Tja, in unwegsamem Gelände kann man halt nicht so einfach zwischenlanden und nach dem Weg fragen."

Er spielt damit auf einen Vorfall aus dem Jahr 2013 an, wo ein TCS-Helikopter (später AAA) einen Schulabwart in Oberhof um Hilfe bat.

"A.Graf" ist mit seiner Haltung nicht alleine. Die Rega ist eine Institution in der Schweiz und hoch angesehen.

Ist die Rega eine heilige Kuh, die nicht kritisiert werden darf?

Ist die Rega eine heilige Kuh, die nicht kritisiert werden darf?

Das überbordende Lob an die Rega ärgert aber Leser "Hausmacher", der schreibt: "Die Rega ist die heilige Kuh des Schweizers, da darf nichts hinterfragt werden."

Leserin "Agnes" hält fest: "Diese AAA-Heli ist wirklich einfach eine Rosinenpickerin und mich ärgert, dass ich das einfach so akzeptieren muss!" 

Das Argument der Rosinenpickerei ist wiederkehrend in der Diskussion. Der Hintergrund: Die AAA-Helikopter haben im Gegensatz zur Rega keine Seilwinde. Die Folge: In unwegsamen Gelände muss trotz Zuständigkeit der AAA die Rega gerufen werden. So diesen Montag im Limmattal geschehen.

Die Frage der Kostendeckung:

Wer bezahlt eine Rettung? Die Antwort ist zwar einfach, aber unbefriedigend. Die Einsatzleitzentrale entscheidet, welcher Helikopter aufgeboten wird. Rega-Gönner erwarten die Rettungsflugwacht, denn dann haben sie die Chance, dass diese von Versicherungen ungedeckte Kosten übernimmt. Kommt stattdessen die AAA, bezahlt die Rega nicht. Umgekehrt schon, denn ein Mitgliederbeitrag bei der AAA entspricht einer Versicherung.

Seit die Alpine Air Ambulance mit dem TCS-Helikopter auf den Markt gedrungen ist, ist die Zahl der Rettungsflüge im Aargau um das Doppelte gestiegen.

Seit die Alpine Air Ambulance mit dem TCS-Helikopter auf den Markt gedrungen ist, ist die Zahl der Rettungsflüge im Aargau um das Doppelte gestiegen.

"B aus A" schliesst daraus: "Es zeigt sich das eine Person, die im Aargau lebt zwei Mitgliedschaften gebraucht." Die AAA für den Normalfall, die Rega für den Extremfall. Ansonsten bleibt ein Verunfallter möglicherweise auf Kosten sitzen.

Um das zu vermeiden fordert Leser "Roger": "So lange ich ansprechbar bin wünsche ich 1414 (also Rega; Anm.d.Red.) - ansonsten die Kostenfolge vor dem Einsatz zu besprechen ist!"

Gerade das ist aber nicht möglich, wie Leiter von Einsatzleitzentralen erklärten. 

Das ärgert auch Leser "Pingpong": "Wieso kann der Konsument/Hilfsbedürftige nicht selber wählen, wer zu seiner Rettung im Heli kommt? Dass im Kanton AG die AAA gerufen werden muss, ist eine Frechheit." Tatsächlich hat die Aargauer Regierung entscheiden, dass - ausser im unteren Fricktal - bei einem Notfall die AAA gerufen werden muss.

Doch es gibt auch Kritik an der Rega, zum Beispiel von "Peter Schmid": "Seit 60 Jahren wird den Rega-Gönnern vorgegaukelt, die Kostendeckung eines Heli-Fluges sei mit dem Gönnerbeitrag geregelt. Das ist falsch! Der Gönnerbeitrag ist eine freiwillige Spende. Diese hat einzig auf die Kulanz bei selber geflogenen Einsätzen einen Einfluss." Das stimmt. Die Rega kann, sie muss Einsätze nicht vergüten. Dennoch übernahm sie 2017 von ihren Gönnern Kosten in Höhe von rund 11 Millionen Franken.

Die Frage der Verantwortung der Aargauer Regierung:

Und wie steht die Aargauer Kantonsregierung zur Sachlage? Die Mediensprecherin der Gesundheitsdirektion Karin Müller erklärte gegenüber der AZ, dass sich Regierungsrätin Franziska Roth aus der Diskussion raushalten will. Sie fühlt sich nicht zuständig

Diese Haltung kommt bei den Lesern gar nicht gut an, denn schliesslich war es die Aargauer Regierung, die der Einsatzleitzentrale Anweisung gab, die AAA gegenüber der Rega vorzuziehen.

"WF4" meint dazu: "Grandios, Fr. Roth sieht keinen Handlungsbedarf. Da gäbe es endlich eine Möglichkeit einen wirklichen Fehlentscheid der Vorgängerin Susanne Hochuli zu korrigieren, doch die SVP-Regierungsrätin sieht keinen Handlungsbedarf."

Ähnlich sieht es "Joerckel": "Es ist einfach, immer wieder Ausreden neu zu erfinden und damit das Problem zur Seite zu schieben. Es wäre mal Zeit, Frau Müller würde sich intensive mit diesem Thema befassen und mit allen Beteiligten eine effiziente Lösung anzustreben. Es kann nicht sein, dass sich Trittbrettfahrer (die AAA; Anm.d.Red.) in ein Arbeitsgebiet vorzwängen, bei welchem sie wenig Erfahrungen mitbringen." 

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1