Aarau
Hilfswerke demonstrieren für mehr Unterstützung von jungen Asylsuchenden

Freiwillige sorgen im Kanton Aargau dafür, dass unbegleitete minderjährige Asylsuchende eine Tagesstruktur haben. Doch die Verantwortlichen warnen davor, dass dem Projekt bald das Geld ausgehe. Eine Aktion vor dem Grossratsgebäude soll darauf aufmerksam machen.

Manuel Bühlmann
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Das Netzwerk Asyl Aargau oganisierte im Vorfeld der Sitzung des Grossen Rates in Aarau eine Kundgebung mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden.
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Junge Asylsuchende vor der Grossratssitzung in Aarau.
Das Netzwerk Asyl Aargau oganisierte im Vorfeld der Sitzung des Grossen Rates in Aarau eine Kundgebung mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden.

Das Netzwerk Asyl Aargau oganisierte im Vorfeld der Sitzung des Grossen Rates in Aarau eine Kundgebung mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden.

Mario Fuchs

Für einmal findet der Unterricht draussen statt. Im Schatten der Bäume vor dem Grossratsgebäude unterrichten Freiwillige vom Projekt "UMA - Leben und Lernen" junge Asylsuchende. Mit der Aktion wolle der Verein Netzwerk Asyl Aargau auf die schwierige Situation bei der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) aufmerksam machen, sagt Präsidentin Patrizia Bertschi. Zurzeit werden in den Räumen in der Aarauer Telli rund 40 Jugendliche betreut und unterrichtet.

Sie lernen Deutsch und Mathematik, besuchen aber auch gestalterische Fächer und werden in Alltagskompetenzen unterrichtet. Bertschi: «Die freiwilligen Helfer sind ein Stück weit Familienersatz.» Ohne diese Tagesstrukturen wären die 16- bis 18-Jährigen bis auf einige Stunden Unterricht pro Woche weitgehend auf sich allein gestellt.

Unterstützung vom Kanton fehlt

Bis im August 2018 ist die Finanzierung gesichert. Allerdings nur dank des Engagements von rund 40 freiwilligen Helfern, Spendengeldern sowie Swisslos-Beiträgen. Für die Zeit danach erhoffen sich die Verantwortlichen vom Kanton finanzielle Untersützung. Bertschi: «Von jedem Franken, den wir einsetzen, werden wir in Zukunft ein Vielfaches sparen können.» Scheitere die Integration der Jugendlichen, werde es für die Allgemeinheit deutlich teurer.

Auch drinnen im Grossratssaal ist die Situation der unbegleiteten Minderjährigen Thema. Eine Interpellation der SP, Grünen, GLP, EVP und BDP verlangt vom Regierungsrat, er solle die Einhaltung der Empfehlungen der Sozialdirektorenkonferenz überprüfen. Diese sehen unter anderem vor, Betreuung der jungen Asylsuchenden «professionell, bedürfnis-, alters- und geschlechtergerecht» auszugestalten und genügend Personal für die Betreuung bereitzustellen.

Zudem diskutiert der Grosse Rat am Nachmittag über die Standesinitiative. Sie fordert eine höhere Kostenbeteiligung des Bundes im Asylbereich. Darin werden drei Forderungen gestellt: Erstens die Anhebung der Integrationspauschale, zweitens die Übernahme der vollen ungedeckten Kosten für anerkannte Flüchtlinge während sieben Jahren und drittens die Einführung einer kostendeckenden Pauschale für unbegleitete minderjährige Asylsuchende.

Auch die Hilfswerke Heks und Caritas verlangen vom Kanton, dem Schutzbedürfnis der Kinderflüchtlinge besser Rechnung zu tragen. In diesem Bereich werde im Aargau zu wenig getan, heisst es in einer Mitteilung. Es sei davon auszugehen, dass 80 Prozent der jungen Asylsuchenden in der Schweiz bleiben werden. «Der Kanton soll darum die Kosten für die UMA auf der gleichen Basis berechnen wie für alle anderen Kinder und die entsprechenden Budgetposten für Bildung und Soziales anpassen. Das kostet zwar, aber es gibt keine Alternative.»