Hilfskonvois
Verein Help-Point Sumy aufgelöst: Humanitäre Hilfe aus dem Aargau für Osteuropa wird neu ausgerichtet

Nach gut 16 Jahren löst sich der Verein Help-Point Sumy mit Sitz in Wohlen auf, der mehr als 2000 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine gebracht hatte. Zugleich wird ein Nachfolgeverein gegründet: Swiss Help Point mit Sitz in Lupfig plant bereits im September einen ersten Hilfskonvoi nach Moldawien.

Fabian Hägler
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Marianne Piffaretti, die Präsidentin des Vereins Help-Point Sumy, war in den letzten Jahren die treibende Kraft bei der humanitären Hilfe.

Marianne Piffaretti, die Präsidentin des Vereins Help-Point Sumy, war in den letzten Jahren die treibende Kraft bei der humanitären Hilfe.

Fabian Hägler

Seit der Gründung des Vereins Help Point Sumy im Januar 2005 wurden 26 Hilfskonvois aus Wohlen in die Stadt Sumy im Norden der Ukraine durchgeführt. Zuletzt machte die Coronapandemie diese Transporte aber unmöglich, die für Frühling und Herbst 2020 geplanten Konvois mussten abgesagt werden.

Nicht nur Corona, sondern auch die schwierigen politischen Verhältnisse in der Ukraine mit immer wieder ändernden Vorschriften und personellen Zuständigkeiten machten das humanitäre Engagement des Vereins in den letzten Jahren immer schwieriger. Marianne Piffaretti, die Präsidentin von Help-Point Sumy, musste zur Vorbereitung und Durchführung der Transporte mehrmals pro Jahr in die Ukraine reisen.

Aufwand für Konvois in die Ukraine wurde immer grösser

Zudem wurde der administrative Aufwand mit Zollpapieren, Deklaration des Hilfsmaterials und zahllosen Formularen und Genehmigungen immer grösser. So schlug der Vereinsvorstand die Auflösung des Vereins Help-Point Sumy vor, die Generalversammlung stimmte diesem Schritt in einer schriftlichen Abstimmung zu. Damit endet die Geschichte des Vereins, der seit seiner Gründung mehr als 2000 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine gebracht hatte.

Nach Sumy transportiert wurden primär Spitalbetten, medizinische Ausrüstung, Mobiliar für Heime, Schulen und Kindergärten sowie Material für Feuerwehr und Rettungsdienste. Dazu kamen rund 50 Feuerwehr-, Polizei- und Ambulanzfahrzeuge. «Die Konvois haben der armen Region dringend benötigte Unterstützung gebracht», schreibt Marianne Piffaretti, die inzwischen Ehrenbürgerin der Stadt Sumy ist, in einem Brief zur Auflösung des Vereins an die Mitglieder.

Sehr viel Freiwilligenarbeit – und Fahrer, die alles selber bezahlten

Damit die humanitäre Hilfe funktionieren konnte, war neben dem grossen persönlichen Engagement der Präsidentin auch viel ehrenamtliche Arbeit nötig. So wurden die Hilfsgüter, die von Institutionen in der Schweiz gespendet wurden, von Freiwilligen  abgeholt, zentral gelagert und in grosse Container verpackt. Für die Konvois konnte der Verein auf LKW-Garagen, Importeure und Transportunternehmen zählen, die Zugfahrzeuge und Auflieger zur Verfügung stellten.

Die freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer nahmen für die Konvois jeweils Ferien und zahlten alle ihre Kosten für Unterkunft und Verpflegung während der Transporte selber. Der Kanton Aargau unterstützte die Hilfskonvois aus dem Swisslos-Fonds, dazu kamen Spenden und Gönnerbeiträge, welche die humanitäre Hilfe ermöglichten. Dennoch ist die Auflösung des Vereins aus Sicht von Vizepräsident Markus Rehsteiner richtig, «denn nach allen Informationen aus Sumy hätten wir in absehbarer Zeit keine Transporte mehr dorthin durchführen können.»

Der neue Verein Swiss Help Point will in Osteuropa helfen

Das Ende von Help-Point Sumy ist aber nicht das Ende der humanitären Hilfe aus dem Aargau für Osteuropa. Mehrere ehemalige Vorstandsmitglieder, Konvoileiter und freiwillige Fahrer haben den neuen Verein Swiss Help Point mit Sitz in Lupfig gegründet. Präsident des Vereins, der das eingelagerte Material von Help-Point Sumy und auch das Vereinsvermögen übernimmt, ist Max Peter, der früher Geschäftsleitungsmitglied bei Emmi Schweiz war. Er sagt:

«Unser Plan ist es, Hilfsgüter-Transporte dorthin zu organisieren, wo Hilfe möglich und nötig ist.»

Primär wolle Swiss Help Point künftig humanitäre Hilfe in Osteuropa leisten, ergänzt Peter. In gut drei Monaten soll bereits der erste Hilfstransport des neuen Vereins stattfinden, wie Konvoileiterin Beatrice Portmann sagt: «Wir planen Mitte September mit acht Camions nach Moldawien zu fahren.»

Portmann wird den Konvoi zusammen mit Hans Hächler, Inhaber einer LKW-Garage in Othmarsingen, vorbereiten und leiten. «Es wird für uns eine neue Herausforderung, eine komplett neue Route zu planen, aber wir freuen uns darauf», sagt Portmann.