Help-Point Sumy

Hilfskonvoi in Nordukraine: «Momentan wäre eine Fahrt nach Sumy unmöglich»

Marianne Piffaretti, die Präsidentin des Vereins Help-Point Sumy.

Marianne Piffaretti, die Präsidentin des Vereins Help-Point Sumy.

Die Hilfsorganisation «Help-Point Sumiy» plant nächsten Konvoi im September. Die Menschen in Sumy bräuchten dringend Hilfe, sagt Marianne Piffaretti. Der drohende Staatsbankrott führe zum Beispiel in Spitälern und Heimen zu kritischen Situationen.

Seit neun Jahren bringt der Verein Help-Point Sumy aus Wohlen humanitäre Hilfsgüter mit Lastwagenkonvois in die Ukraine. In den letzten Jahren führte der Verein regelmässig zwei Konvois pro Jahr durch, einen im April, einen im September. Bereits letztes Jahr hatte der Vorstand aus logistischen Gründen entschieden, 2014 nur im Herbst mit Hilfsgütern nach Sumy zu fahren.

Nachträglich erweist sich dieser Entscheid nun als weitsichtig. «Momentan wäre ein Konvoi nach Sumy unmöglich», sagt Vereinspräsidentin Marianne Piffaretti. Gründe dafür sind der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und die relativ schwache Übergangsregierung, die bei weitem nicht im ganzen Land unterstützt wird.

Sicherheit steht an erster Stelle

Ob der für September geplante Transport mit Hilfsgütern in die Stadt Sumy in der Nordukraine durchgeführt werden kann, ist derzeit völlig offen. «Wir verfolgen die Lage in der Ukraine sehr aufmerksam, aber jetzt schon einzuschätzen, wie die Situation in sechs Monaten aussehen wird, ist unmöglich», sagt Piffaretti.

An oberster Stelle steht für die Vereinspräsidentin die Sicherheit des Konvois und der freiwilligen Fahrer. «Wir werden nur einen Transport durchführen, wenn dies hundertprozentig gewährleistet ist», betont Piffaretti. Sollte die Lage unsicher sein, würde der Verein auf den geplanten Konvoi verzichten.

«Ich hoffe, dass wir im Herbst fahren können, denn die Menschen in Sumy brauchen dringend Hilfe», hält Marianne Piffaretti fest. Die aktuellen Meldungen über einen drohenden Staatsbankrott der Ukraine und gravierende Sparmassnahmen hätten für die Menschen in der ärmsten Region des Landes konkrete Auswirkungen.

«Was für uns abstrakt klingt, bedeutet für Spitäler, Heime, Schulen oder Feuerwehr in Sumy, dass es kein Geld vom Staat gibt», erläutert sie. In der aktuellen Notsituation sei die Hilfe aus der Schweiz – der Verein bringt Spitalbetten, Medizinmaterial, Schulmobiliar oder Feuerwehrausrüstung – hochwillkommen.

Hilfsmaterial bereits verteilt

Anders als andere Hilfsorganisationen aus Westeuropa hatte Help-Point Sumy keine Probleme mit den ukrainischen Zollbehörden. «Als ich im Januar das letzte Mal in Sumy war, war die Verteilung unserer Hilfsgüter an die Institutionen voll im Gang», hält Piffaretti fest. Aufgrund langjähriger Erfahrung und guter persönlicher Kontakte habe es bisher kaum Verzögerungen für Hilfsgüter von Help-Point Sumy gegeben. Anders sieht dies zum Beispiel beim Thuner Hilfswerk Hilfe für Mensch und Kirche (HMK) aus. Erst nach einem Jahr gab der ukrainische Zoll eine Ladung mit zehn Tonnen Hilfsgütern aus der Schweiz frei.

Doch auf für Help-Point Sumy gibt es Hürden bei der Ukraine-Hilfe. «In den letzten Jahren haben die Verantwortlichen in der Regierung und Verwaltung immer wieder geändert», sagt Piffaretti. Dennoch ist sie zuversichtlich, dass auch die neuen Entscheidungsträger die Hilfe aus der Schweiz unterstützen werden.

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