AZ-Spendenaktion
Hilfe für arme Kinder und Familien: Hilfswerk Margrit Fuchs hilft doppelt so vielen Kindern

750 Waisen, Strassenkinder und Kinder aus ärmsten Verhältnissen wurden bisher in vom Hilfswerk geführten Gemeinschaftszentren betreut. Der Stiftungsrat hat beschlossen, die Zahl der betreuten Kinder zu verdoppeln. Stiftungsratspräsidentin Regula Gloor berichtet von ihrem letzten Augenschein in Ruanda.

Regula Gloor
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Betreute Kinder bedanken sich bei der zu Besuch weilenden Hilfswerk-Präsidentin Regula Gloor (auf der Rampe) für die grosse Unterstützung in einem Gemeinschaftszentrum.

Betreute Kinder bedanken sich bei der zu Besuch weilenden Hilfswerk-Präsidentin Regula Gloor (auf der Rampe) für die grosse Unterstützung in einem Gemeinschaftszentrum.

BS/Bureau Social

Es ist ein Bild purer Lebensfreude, wenn 80 Kinder tanzen und singen, um dem Besucher aus der Schweiz zu zeigen, wie sehr sie das soeben eingenommene Mittagessen zu schätzen wissen. Eigentlich haben all diese Kinder wenig Anlass zu lachen. Sie stammen aus den ärmsten Familien im Bezirk, zum Teil sind es Waisen oder Halbwaisen, ein Elternteil ist krank oder der Vater hat bereits vor Jahren die Familie verlassen.

Sie hatten aber das Glück, zusammen mit ihren Familien vom Bureau Social (welches in enger Zusammenarbeit mit unserem Hilfswerk Aktivitäten umsetzt) ausgewählt worden zu sein, um beim Projekt der Gemeinschaftszen­tren mitmachen zu dürfen. Das bedeutet für das Kind, dass es dreimal in der Woche eine richtige Mahlzeit erhält, dass es mit Kleidern und Hygienematerial unterstützt wird, dass es eine Schuluniform erhält und dass, wenn nötig, auch das Schulgeld bezahlt wird. In den «Mamans Volontaires», den freiwilligen Müttern, die hier das Essen zubereiten, erhalten die Kinder gleichzeitig eine erwachsene Ansprechperson, um allfällige Sorgen und Probleme besprechen zu können.

Unterstützung erhalten auch die Eltern

Aber nicht nur die Kinder profitieren von diesen Zentren, sondern – wenn es keine Waisen sind – auch die Eltern und besonders die Mütter. Bei regelmässigen Zusammenkünften werden sie geschult, wie man einen einfachen Gemüsegarten anlegt, um die Kinder besser ernähren zu können, sie erfahren, wie wichtig Hygiene ist, um Krankheiten zu vermeiden. Aber auch heikle Themen wie häusliche Gewalt und Geburtenkontrolle werden angesprochen.

Ganz wichtig ist aber auch hier das Motto: «Hilfe zur Selbsthilfe». Durch Schulungen in einfachem Unternehmertum werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie man selber Schritte unternehmen kann und soll, um langfristig aus der Armut herauszufinden. Gute Ideen werden mit der Vergabe von Kleinkrediten unterstützt; die Resultate sind beeindruckend.

Die Dankbarkeit der Leute ist sehr gross.

So erzählt eine Frau, ihr Mann ­hätte sie und ihre drei Kinder verlassen, sie sei verzweifelt gewesen. Heute ­hätte sie dank eines Kleinkredits ein eigenes Einkommen, die Kinder seien dank der Teilnahme an den Mittagessen gesund und gingen zur Schule. Sie schliesst, dass sie heute keinen Ehemann mehr benötige, denn das Bureau Social sei ihr neuer Ehemann, der so gut für sie sorge.

Eine andere erzählt, dass sich ihre Kinder nur noch auf der Strasse herumgetrieben hätten, da sie keinen Sinn im Schulbesuch gesehen hätten. Heute gingen alle ihre Kinder wieder zur Schule und hätten auch gute Fortschritte gemacht, sodass sie Chancen auf eine Berufsausbildung haben. Die Dankbarkeit der Leute ist sehr gross. Sie drücken auch immer wieder ihre Verwunderung aus, dass die «Swissi», die fernen Spender in der Schweiz, an ihrem Schicksal Anteil nehmen und ihnen helfen würden.

Eine bedrückende Armut, die sprachlos macht

Im Moment unterhält die Stiftung acht Kantinen mit insgesamt 750 Kindern und dazugehörigen Familien. Der Bedarf, weitere solche Zentren mit Kantinen aufzubauen, ist sehr gross, denn in vielen Gegenden herrscht absolute ­Armut. Die Besuche vor Ort sind bedrückend, ja erschreckend, und zeigen immer wieder das gleiche Bild: halb zerfallene Häuser, total verraucht durch eine einfache Feuerstelle, das Dach ­bietet keinen Schutz vor dem Regen, wenige Kleidungsstücke liegen herum, ein «Bett» bestehend aus Bananenblättern und einer Sisalmatte als Decke, ein Kanister zum Wasserholen, etwas Holz, ein paar Kartoffeln und sonst nichts, einfach nichts. Es ist eine Armut, die sprachlos macht. Es berührt sehr, wenn man als Besucher trotzdem mit einem strahlenden Lächeln empfangen wird.

Künftig sind 16 Zentren für 1500 Kinder geplant

Der Stiftungsrat des Hilfswerks Margrit Fuchs Ruanda wird die Gemeinschaftszentren mit Kantinen ausbauen und auf weitere Gegenden ausdehnen. Er hat vor zehn Tagen an einer Sitzung beschlossen, die Zahl der Zentren von 8 auf 16 und die Zahl der betreuten ­Kinder von 750 auf 1500 zu erhöhen.

Damit kommt das Hilfswerk auch den Wünschen der lokalen Behörden ­entgegen, die unseren Einsatz zu Gunsten der Notleidenden überaus schätzen. So hat sich die lokale Bürgermeisterin des Bezirks Kamonyi, Madame Alice, sehr für unseren Einsatz bedankt. Dieser helfe der lokalen Bevölkerung sehr wirkungsvoll und nachhaltig. Sie werde unser Modell mit den Gemeinschaftszentren als Vorbild nehmen für die Bekämpfung der Armut im ganzen Bezirk, denn die Resultate seien beeindruckend.

Viehverteilungen und Schulgelder laufen erfolgreich weiter

Neben den oben beschriebenen Zen­tren laufen auch alle anderen Projekte der Stiftung erfolgreich weiter. Die traditionellen Viehverteilungen werden von den Begünstigten weiterhin sehr geschätzt und verhelfen notleidenden Familien zum Überleben. Neben ­Kühen und Ziegen werden vom Hilfswerk vermehrt Schweine und Hühner verteilt, da diese einfacher zu halten sind und zudem eine schnellere Einkommensverbesserung bringen.

Unser Hilfswerk ermöglicht gegen 2000 Kindern den Schulbesuch.

Ein sehr wichtiges Projekt bleiben die Schulgelder. Selbst sehr begabte Kinder, die in der Schule gute Leistungen bringen, aber aus armen Familien stammen, haben keine Chance auf eine weiterführende Schulausbildung, wenn sie nicht jemanden finden, der ihr Schulgeld bezahlt. Unser Hilfswerk ermöglicht gegen 2000 Kindern den Schulbesuch. Es berührt, wenn beim Besuch einer Schule ein Schüler sich spontan meldet, um sich bei der Stiftung zu bedanken. In gutem Englisch informiert er, dass seine Eltern zwar das erste Schulgeld hätten bezahlen können, dass dies dann aufgrund einer Krankheit unmöglich geworden sei und er ohne uns die Schule hätte verlassen müssen. Unsere Unterstützung sei ihm Ansporn, sich ganz besonders anzustrengen. Er motiviere auch die anderen unterstützen Schüler, es ihm gleichzutun um danach eine gute berufliche Zukunft in Aussicht zu haben.

Eigenes Einkommen dank Berufsausbildung

Auch die Berufsausbildung im Bureau Social als Köchin, Schneiderin, Schreiner und Automechaniker wird sehr geschätzt. Zwar entspricht das Niveau in keiner Art und Weise dem Schweizer Ausbildungsniveau in diesen Berufen. Eine kürzlich durchgeführte Befragung der ehemaligen Absolventen hat aber gezeigt, dass fast alle Absolventinnen und Absolventen heute mit ihrer Ausbildung ein bescheidenes Einkommen generieren können, was für den weiteren Lebens- und Berufsweg die Hauptsache ist. Sehr erfreulich ist, dass eine junge, sehr motivierte Schneiderin neu für die Ausbildung der Schneiderinnen zuständig ist und früher selber ihre Ausbildung nur dank der Unterstützung der Stiftung absolvieren konnte.

Die Hilfe kommt wirklich an und sie kommt dort an, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Dank unseren beiden Geschäftsführern vor Ort, Yvonne und Frédéric, haben wir die Gewissheit, dass das Geld effektiv so eingesetzt wird, wofür es bestimmt wurde. Schön ist auch zu sehen, wie aus Eigeninitiative des Personals neue Projekte entstehen, die für die Bevölkerung im wahrsten Sinne des Wortes Früchte bringen. So hat unser Agronom Oswald eine grosse Baumschule aufgezogen. Die begünstigen Familien erhalten Fruchtbaum-Setzlinge für ihre Gärten. Bei meinem Besuch wurde mir voll Stolz ein grosser Strunk mit Bananen als Reiseproviant überreicht, der von einem Setzling stammt, der vor knapp drei Jahren an die Familie verteilt wurde.

Die Hilfe kommt wirklich dort an, wo sie benötigt wird

Nach dem Besuch vor Ort bin ich einmal mehr davon überzeugt: Die Hilfe kommt wirklich an und sie kommt dort an, wo sie am dringendsten benötigt wird. Hunderte von Kindern können dank der Stiftung die Schule besuchen und eine Ausbildung machen, zahlreichen Familien kann dank der Unterstützung durch Vieh, Nothilfe, Setzlinge, Kleinkredite etc. ein Weg aus bitterer Not in ein besseres und selbstständigeres Leben aufgezeigt werden.

Das Werk von Margrit Fuchs ist auch 12 Jahre nach ihrem Tod sehr lebendig. Wir hoffen, dass es dank der treuen Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender noch lange seine von der Bevölkerung äusserst geschätzte Unterstützung weiterführen kann. Die Weihnachts-Sammelaktion der beteiligten Zeitungen liefert nämlich die Haupteinnahmen für die vielen Aktivitäten zu Gunsten der Notleidenden in Ruanda.