Densbüren
Hightech aus Densbüren lässt den Hybrid-Mercedes rollen

Georg Senn mischt mit einem wichtigen Teilen für Elektromotoren auf dem Weltmarkt mit. Bis es soweit kam, waren Jahre der Forschung und Entwicklung nötig.

Peter Brühwiler
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Georg Senn aus Densbüren ist bei den Firmen LCD Laser Cut und SWD AG für die Innovationen zuständig und hat einewichtige Komponente für die Mercedes-Elektromotoren entwickelt. Chris Iseli

Georg Senn aus Densbüren ist bei den Firmen LCD Laser Cut und SWD AG für die Innovationen zuständig und hat einewichtige Komponente für die Mercedes-Elektromotoren entwickelt. Chris Iseli

Chris Iseli

Georg Senn fährt schon seit seinem 18. Lebensjahr einen S-Klasse-Mercedes. «Wenn ich mir das nicht mehr leisten kann», sagte er sich damals, «dann mache ich etwas falsch.» Hat er anscheinend nicht. Denn vor dem Büro des heute 68-jährigen Unternehmers aus Densbüren steht ein Mercedes S500-Plug-in-Hybrid — «der erste überhaupt in der Schweiz», vermutet er.

Speziell ist die Limousine aber weniger deshalb, sondern vielmehr, weil in ihrem Elektromotor ein Stück Densbüren steckt. Genauer der Stator, in dem – so Senns Worte – «der Magnetismus geboren wird». Etwas weniger poetisch ausgedrückt: Durch den Einsatz von Elektrizität entstehen in den aufeinandergeschichteten, voneinander isolierten Statorblechen magnetische Felder, die den ebenfalls magnetisch geladenen Rotor antreiben und so Strom in mechanische Kraft umwandeln.

Daran, dass im 700-Seelen-Dorf oberhalb Aaraus Hightech-Produkte für den Weltmarkt produziert werden, hat Senn massgeblichen Anteil. Auch wenn er die operative Leitung der von ihm gegründeten Unternehmen LCD Laser Cut und SWD unterdessen abgegeben hat. Auf den aktuellen Visitenkarten steht unter seinem Namen «Innovationen». Und Innovationen stecken in den Statoren eine ganze Menge — was auf den ersten Blick etwas verwundern mag. Senn dreht ein dünnes rundes Blech mit einem Loch in der Mitte und einem Durchmesser von wenigen Zentimetern durch die Finger. «Mit der Entwicklung haben wir vor 16 Jahren begonnen», sagt er dazu. Jetzt ist es – «verpackt» mit 259 weiteren Blechen – bereit für den Einsatz im Motor eines Herzschrittmachers.

Auch in den Statoren für den Mercedes-Elektromotor stecken mehrere Jahre Arbeit. «Entscheidend ist die Magnetismus-Durchlässigkeit des Materials», erklärt Senn. Zudem müsse ein Automotor anders als etwa ein Zahnbürstenmotor mit Schlägen und Kälte umgehen können. Und dafür wird dann eben gepröbelt. Mehr Silizium? Mehr Eisen? Dicker? Dünner?

Ein Problem gefunden

So richtig lanciert hat Georg Senn die Suche nach den perfekten Statoren im Jahr 1988. 2500 Mark habe er damals für die Teilnahme an einem Laser-Symposium in München ausgegeben, erinnert er sich. Theodore Harold Maiman, der Vater des Lasers, beschrieb seine Erfindung einst als «eine Lösung, die ein Problem sucht». Senn wurde nach der Rückkehr in die Schweiz fündig. «Elektrobleche in der Entwicklungsphase zu stanzen ist sehr umständlich und teuer», erklärt er. «Wenn wir sie hingegen mit einem Laser zuschneiden, haben wir keine Stanzwerkzeug-Kosten, können kleine Serien produzieren und immer wieder korrigieren, bis das perfekte Stück da ist.»

Für eine Million Franken kaufte er sich Anfang der 90er-Jahre also den ersten Laser und zog sich in seine Werkstatt zurück. Unterdessen stehen sechs imposante Maschinen in den Hallen der LCD Laser Cut. Zusammen produzieren sie jährlich 8000 bis 12 000 Geometrien. Gestanzt, aufeinandergestapelt und zur Marktreife gebracht werden sie gleich nebenan, bei der SWD AG. Die anschliessende Serienproduktion jedoch geht nur in Ausnahmefällen in Densbüren über die Bühne, zum Beispiel im Falle der Statoren für den Mercedes S500. Ein grosser Teil der Entwicklungen werde irgendwo in der Welt gestanzt, so Senn.

«Der Stator», betont der Entwickler aus Densbüren, «ist im ganzen Elektromotor das heikelste Teil». Entsprechend gross sei die Verantwortung. «Wenn bei uns die Entwicklung stockt, müssen auch alle anderen Lieferanten einen Marschhalt einlegen». Mit dem Druck könne er jedoch ganz gut umgehen, meint er schmunzelnd, «sonst wäre ich am falschen Ort».

Und schliesslich hat der Densbürer ja auch schon einiges erlebt. Insgesamt habe er 12 bis 15 Unternehmen gegründet oder mitgegründet – ganz sicher ist er sich auf die Schnelle nicht. Kürzerzutreten plant er trotzdem nicht. «Ich nehme alle neuen Entwicklungen im Magnetismus-Bereich zur Kenntnis und frage mich, wo ich mitwirken könnte», sagt er. Gerade eben hat er einen Artikel über die aus den «Back to the Future»-Filmen berühmten Hoverboards gelesen. Ein Hoverboard made in Densbüren, warum nicht? Durchs Dorf schweben würde er darauf aber wohl nicht mehr. Dafür ist die Mercedes-S-Klasse schlicht zu bequem.