Bei den Atomabfällen geht es dieses Jahr um heisse Fragen und zentrale Vorentscheide. Die Standorte für die Tiefenlager werden noch nicht bestimmt, aber die punkto Auswirkungen viel wichtigeren Atomfabriken. Für die Nagra sind es – wertfrei umschrieben – Oberflächenanlagen.

Aber der scharfe Protest durch die Aargauer Regierung und betroffene Gemeinden bei Nennung der Standorte durch die Nagra hat dies verdeutlicht: 2012 fallen die Entscheide, von wo aus die radioaktiven Abfälle dereinst in die 600 bis 900 Meter tief gelegenen Kavernen transportiert werden.

Zwar sind die Umladestationen nicht grösser als ein mittlerer Gewerbebetrieb, aber hier muss die heisse Ware umgeladen werden – von den über 100 Tonnen schweren Transportbehältern in endlagerfähige Verpackungen. Das wird viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen, denn die Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt produzieren noch zirka 30 Jahre lang hoch radioaktive und schwach- bis mittelaktive Abfälle.

Kollision mit der Raumplanung

Was den Aargau so verärgert hat, ist die fehlende Kontaktnahme der Nagra mit der Regierung zu den Standorten. «Die Standortvorschläge sind für uns nicht nachvollziehbar», kritisierte Baudirektor Peter C. Beyeler scharf. Denn der Kanton hat die Richtplanung eben auf den neuesten Stand gebracht, das Bundesamt für Energie und die Nagra funken hier bös dazwischen.

Das erläutert Jörg Hartmann, Leiter Grundlagen und Kantonalplanung in der Abteilung Raumentwicklung: «Das Gebiet Suhr-Buchs ist als Entwicklungsschwerpunkt eingetragen, der Standort Villigen/Böttstein kollidiert mit der High-Tech-Zone.» Diese befindet sich neben der Kantonsstrasse auf der Villiger Seite des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) und sollte Richtung Böttstein genug Reserven haben.

Auswahl in den Standortregionen

An öffentlichen Anlässen in den potenziellen Standortregionen haben das Bundesamt für Energie und die Nagra die Bevölkerung informiert. Im Aargau stehen diese sieben Gemeinden auf der Liste für eine Oberflächenanlage: Beim Jura-Südfuss Kölliken und Suhr, im Jura-Ost Hornussen, Bözen, Effingen, Villigen und Würenlingen, bei Nördlich Lägern primär Mellikon.

In den grossen Partizipationsgruppen für Behörden und Bevölkerung werden die Vorschläge intensiv diskutiert. Dies mit dem Ziel «im Einvernehmen mit der Region» bis Ende Jahr mindestens ein Standortareal zu finden. «Auch wir haben die Vorschläge der Nagra umfassend geprüft und analysiert und geben die Erkenntnisse bis Ende April an die Fachausschüsse der Oberflächenanlagen weiter», erklärt Hartmann zum Ablauf. Die Regierung selber hält sich bewusst zurück, weil sie den Findungsprozess in der Regionen nicht stören oder beeinflussen will.

Konfliktpotenzial beim Zwilag

Der Aargau will grundsätzlich kein Tiefenlager – wie alle anderen Kantone auch. Kommt aber der Bözberg im Jura-Ost infrage, rücken die Standorte beim Zwischenlager ins Zentrum. Samt ihrem hohen Konfliktpotenzial: Auf Würenlinger Seite müssten 8000 Quadratmeter Wald gerodet werden, die Folgen für den hochsensiblen, geplanten Röntgenlaser SwissFEL am PSI sind offen. Auf Villiger Seite passen High-Tech-Zone und Atomfabrik kaum zusammen.