Reinach

Hier repariert der Kunde: In dieser Selfmade-Garage gibt es keine Automechaniker

Selfmade: In Andreas Zoggs Werkstatt ist der Kunde selbst Mechaniker.

Selfmade: In Andreas Zoggs Werkstatt ist der Kunde selbst Mechaniker.

Der Reinacher Andreas Zogg hat in Zuzgen eine Do-it-yourself-Werkstatt eröffnet, in der es keine Angstellten gibt. Denn da ist der Kunde selbst der Mechaniker. Der Hobbyschrauber will damit einmal den Lebensunterhalt verdienen.

Amerika hat es ihm angetan – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der erfolgreichen Selfmade-Menschen.

Die Liebe zog den Wynentaler Andreas Zogg aber nach Frick. Hier schwärmt er für amerikanische Autos und den Lebensstil.

Selbermachen ist genau sein Ding. «Geht nicht gibts nicht», sagt der 35-jährige Hobbyschrauber.

Mit seinem besten Schul- und Schrauberkollegen hat er deshalb eine Autowerkstatt eröffnet – eine, in der die Kunden selbst Hand anlegen.

Seit Anfang Jahr ist die «Selfmade-Garage» im beschaulichen Fricktaler Dorf Zuzgen offen. In dem ehemaligen Pneulager hat Zogg vier Arbeitsplätze, zwei mit Lift, eingerichtet.

Die 210 Quadratmeter hat der gelernte Zimmermann aus Reinach mit seinem Partner Beat Fischer selbst umgebaut. Die Mietwerkstatt entstand allerdings aus der Not, da er aus seiner früheren Hobbygarage ausziehen musste. «1200 Franken Miete wären hier für uns zu viel», sagt Zonk, wie in seine Freunde nennen.

Also beschloss er, die Autowerkstatt zu teilen. An sieben Wochentagen kann auf Voranmeldung ein Arbeitsplatz mit Werkzeug gemietet werden; die erste Stunde mit Lift kostet 30 Franken, 25 jede weitere; ohne Lift bezahlt man 20 Franken. Ersatzteile können direkt über die Selfmade-Garage bezogen werden.

Zogg bietet auch Hilfe an, für einen Franken pro Minute, er nehme es aber nicht so genau.

Kundenarbeiten mache er aber eigentlich keine, das sei nicht das Ziel und Haftung wird keine übernommen. «Ich mache nur das, wovon ich eine Ahnung habe», sagt der Autodidakt.

Selbstständig möchte er sein und damit seinen Lebensunterhalt verdienen, verrät Zogg, der derzeit noch im Verkauf Innendienst arbeitet.

Zwei ebenfalls ungelernte Kollegen hätten erfolgreich Autowerkstätten eröffnet. Das sei aber Zukunftsmusik, noch komme er damit nicht raus, erklärt er. Und wenn es nicht klappe? «Kein Drama. Wichtig ist, dass ich meine Werkstatt habe.»

Die abgelegene Lage in Zuzgen macht dem Selfmade-Mann, der auch die Website selbst entworfen hat, keine Sorgen. «Wir sind hier sehr zentral», sagt er, Kunden sein schon aus Basel, Neuenhof oder dem Seetal gekommen, meist für klassische Servicearbeiten.

Do-it-yourself-Garagen sind in der Schweiz rar, im Aargau gibt es lediglich in Seon noch eine. Anders ist es in Deutschland, wie ein Blick in die «Gelben Seiten» zeigt. Der Deutsche mache generell mehr selbst, meint Zogg: «Die Leute trauen sich hier zu wenig zu.» Aber auch bei den Jungen in der Schweiz gebe es eine Tendenz, «man muss nur die Möglichkeiten bieten». Ein Grund seien die immer teureren Preise der Autogaragen, die ihre Kunden regelrecht abzockten.

Martin Sollenberger, Präsident der Aargauer Sektion des Autogewerbeverbands, kennt Selfmade-Garagen nur aus dem deutschen TV. An einen Trend glaubt er nicht, da neue Autos zu kompliziert seien, als dass Laien sie reparieren könnten, erklärt der Garagist aus Oberentfelden. «Neuwagen haben zudem meist vier bis sieben Jahre Marken- oder Werksgarantie.» Potenzial sehe er einzig bei älteren Autos.

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