Murgenthal/Roggwil
Hier hat der Aargau ein Stück Land gewonnen

1895 Quadratmeter gehen wegen eines Baches vom Kanton Bern an den Aargau über. Nach rund 100 Jahren bereinigen die Kantone die Pläne - nun sind die neuen Grenzverläufe aktualisiert.

Sabine Kuster
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Dieses Stück Land (siehe Karte rechts) war früher bernisch, da die Murg hier einen starken Bogen machte.kus

Dieses Stück Land (siehe Karte rechts) war früher bernisch, da die Murg hier einen starken Bogen machte.kus

Alltäglich ist das nicht: Zwischen den Kantonen Aargau und Bern wird die Grenze verschoben. Früher war dies nur mit einer blutigen Schlacht möglich – nun hat es ein Bach geschafft. Das rechte Ufer der Murg (weiter oben Rot genannt) markiert die Kantonsgrenze. Da sie stetig mäandriert, hat sich die Grenze in den vergangenen hundert Jahren insgesamt zugunsten des Kantons Aargau verschoben: 1895 Quadratmeter ist der Kanton gewachsen, wie das Zofinger Tagblatt gemäss einer Mitteilung der Gemeinde Murgenthal meldete.

Er schlängelt sich, wie es ihm gefällt

Die Sommerreporterin wollte wissen, wo genau dieses Land liegt. Dazu war zuerst ein Gang aufs kantonale Vermessungsamt nötig. Kantonsgeometer André Fedeli und Leiter Christian Gamma breiteten einen langen Plan aus. Gelb eingezeichnet ist der alte Bachlauf, rot der neue.

Genau 111 kleine Überschneidungen gibt es, 54 zugunsten des Kantons Bern, 57 zugunsten des Kantons Aargau. Manche Flecken sind bloss 2 Quadratmeter gross. «Es ist ein Geben und ein Nehmen auf beiden Seiten», sagt Christian Gamma. Doch die Flecken zugunsten des Aargaus sind durchschnittlich grösser, sodass das Plus von rund zweimal der Fläche eines Schwimmbadbeckens resultiert.

Nach 100 Jahren Pläne bereinigt

Vor Ort nach einer langen Fahrt in den untersten Zipfel des Aargaus deutet nichts auf die geografische Zahlenbeigerei hin. Die Murg fliesst gemächlich durch die Wiesen, das Gras steht hoch. Kein Landbesitzer hat sich hier je beschwert, wenn ihm der Bach Land abgetragen hat. Dennoch wollten die Kantone nach rund hundert Jahren mal wieder die Pläne bereinigen.

Der Anstoss dazu kam vor drei Jahren von bernischer Seite. Nun ist die Grenze auf etwas mehr als drei Kilometern aktualisiert, doch die Regierungsräte müssen dies noch genehmigen. Momentan liegt das Dossier beim Kanton Aargau, im Herbst wird der Kanton Bern den neuen Verlauf der Grenze absegnen.

Dass das rechte Ufer der Murg die Kantonsgrenze markiert, geht übrigens auf einen Beschluss des Bundesrates von 1871 zurück. Dies steht in einem handschriftlichen Dokument des Kantonsgeometers von 1901, welches das Vermessungsamt besitzt.

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