Immobilienpreise

HEV-Präsident Ansgar Gmür warnt vor tieferen Preisen und höheren Hypozinsen

Ansgar Gmür warnt vor höheren Hypothekarzinsen. (Archiv)

Ansgar Gmür warnt vor höheren Hypothekarzinsen. (Archiv)

Hauseigentümer-Präsident Ansgar Gmür erfreut die Gäste im Business Club Mittelland mit einem witzigen Referat. Doch der Inhalt ist nicht zum Lachen: Längerfristig erwartet er Hypozinsen von über vier Prozent.

Der müsste doch in der Küche sein, denken sich die zu spät kommenden Mitglieder des Business Clubs Mittelland. Aber nein, Starkoch und Hotelier Albi von Felten steht in Erlinsbach am Strassenrand und sorgt persönlich dafür, dass jeder Hirschen-Gast zu einem Parkplatz kommt. Die Business-Leute füllen das Gourmethaus, sie sind gerne hier, weil alles stimmt: Geselligkeit, Spitzen-Gastronomie und ein hochkarätiges Referat.

«Die Schweiz ist nicht mehr das Land der Mieter», meint Business-Präsident André Käsermann, Mitglied der Direktion bei der Versicherung AXA Winterthur. Gemessen an der grossen Bautätigkeit «vermögen viele ein Eigenheim» fügt er an – zumindest heute noch, denkt der Zuhörer am Schluss des Informationsteils. Denn Ansgar Gmür, Direktor im Hauseigentümerverband Schweiz, hebt den Warnfinger mehrfach in die Höhe.

Die Leute hätten sich bei den Hypozinsen an eine eins vor dem Komma gewöhnt, doch längerfristig seien über vier Prozent normal. «Bei einem Anstieg könnte es für viele eine harte Landung geben», befürchtet Gmür, der auch ohne Lautsprecher laut und überzeugend spricht.

Überhitzung in den Zentren

Als Hotspots auf dem Wohnungsmarkt bezeichnet der Referent die Regionen Zürich und Genf. Die Jungen wollten vermehrt in die grossen Städte, die halbe Million Zuwanderer in den letzten sieben Jahren ebenfalls. Daraus habe sich eine Preisüberhitzung ergeben, mit 6000 bis 7000 Franken für eine Monatsmiete.

Aber nicht in der ganzen Schweiz, das geografische Gefälle sei riesig: «Ab Schaffhausen ist der Immobilienmarkt tot, im Jura kämpfen die Gemeinden gegen die Abwanderung», beschrieb Ansgar Gmür die andere Seite der Medaille.

Für die Hauseigentümer ist die Zersiedlung kein grosses Problem: «In der Schweiz bestehen nur 8 Prozent der Fläche aus Siedlungen, inklusiv Strassen und Bahnen, Landwirtschaft und Wald machen 67 Prozent aus», sagt Gmür.

Büroflächen stehen schon leer

In den letzten 20 Jahren sei die Fläche des Zugersees zweimal überbaut worden, «weil wir alle ein Zimmer mehr benötigen». Aber jetzt kippe der Markt ins Gegenteil, in der Region Zürich gebe es schon riesige leerstehende Büroflächen. «Wenn der Büromarkt einbricht, folgen zwei Jahre später die Wohnungen», warnt der Marktkenner. Das sei immer so.

Der Staat habe stets neue Ideen für Steuern im Köcher, um die Hauseigentümer schröpfen zu können, warnt Gmür. In vielen Kantonen sei der Verband stark, aber landesweit trotz seiner 320 000 Mitglieder in einer Minderheitsrolle.

Ansgar Gmür dreht mit Argumenten, Witz und Humor so stark auf, dass sich die Zuhörer überlegen, ob sie für die Hauseigentümer Geld sammeln sollen.

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