Gedenkjahr 1415-2015
Heute vor 600 Jahren fielen die Eidgenossen in den Aargau ein

Feier in der Stadtkirche, Ansprachen, mittelalterliche Musik und szenische Interventionen erinnerten zum Auftakt des Gedenkjahres 1415 an den Einmarsch der Berner Truppen in Zofingen.

Jörg Meier
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Festredner Dominik Sauerländer, Historiker.
13 Bilder
Von links: Nationalrätin Ruth Humbel, die Zofinger Grossrätin Sabina Freiermuth und Nationalrätin Sylvia Flückiger. Freiermuth kommt eigentlich aus dem Fricktal. Doch sie sieht mit Freude, wie klug sich die Zofinger damals mit den Bernern vor ihren Toren verhalten und wie geschickt sie verhandelt haben.
Unterhaltung mit Mittelaltermusik der Gruppe Schellmery.
Selbstbewusst – von links: Verleger Bruno Meier, Museum-Aargau-Direktor Jörn Wagenbach, Festredner Dominik Sauerländer. Für Wagenbach ist der Festakt Anlass, nachzudenken, wie selbstbewusst der Aargau doch sein kann, weil hier einst ein wichtiges Kapitel für die Schweiz aufgeschlagen wurde.
Auch die jüngsten taten mit in der Schauspielgruppe «Zähringervolk»
Geburtsstunde der Regionen: Grossratspräsident Markus Dieth (rechts im Bild) und Grossrats-Vizepräsident Benjamin Giezendanner. Für Dieth ist 1415 die Geburtsstunde der Regionen, wie sie heute noch stark aus der geschichtlichen Konstellation heraus geprägt sind.
Szene aus der Darbietung der Schauspielergruppe Zähringervolk.
Staatlichkeit: Für den Badener Stadtammann Geri Müller (im Bild mit Partnerin Annina Sonnenwald) war die Tagsatzung in Baden das erste Mal, dass die Eidgenossen eine Art Staatlichkeit erreichten.
Gedenkjahr 1415-2015: Eröffnung mit Festakt in Zofingen
Landammann Urs Hofmann bei seiner Ansprache in der Stadtkirche Zofingen.
Allzeit bereit - mussten aber nicht eingreifen: Die Zofinger Stadtkompanie.
Der Zofinger Vize-Ammann Hans-Martin Plüss bei seiner Ansprache.
Zofingens Vizeammann Hans-Martin Plüss.

Festredner Dominik Sauerländer, Historiker.

André Albrecht

Als erste Stadt im habsburgischen Aargau öffnete Zofingen am 18. April 1415 seine Tore für die Berner Truppen. Am Vorabend des 600. Jahrestages trafen sich zahlreichen Gäste aus Wirtschaft, Politik und Kultur in der Stadtkirche Zofingen, um sich an das Ereignis zu erinnern. Gleichzeitig war die stimmige Feier auch der Auftakt zum aargauischen Gedenkjahr «1415 – die Eidgenossen kommen».

3 Päpste

3 Päpste kämpften nach dem Konzil von Pisa im Jahre 1409 um die Vorherrschaft in der abendländischen Christenheit. Sie wurden alle abgewählt. Weil Herzog Friedrich von Habsburg einen der abgesetzten Päpste weiterhin unterstützte, wurden die Eidgenossen von König Sigmund aufgefordert, dem widerspenstigen Habsburger den Aargau zu entreissen. Eine Einladung, welche die Eidgenossen nur zu gerne annahmen.

Schnelle Kapitulation

Die Schauspielgruppe «Zähringervolk» führte zurück ins Zofingen des Jahres 1415 und liess das Publikum in der Stadtkirche miterleben, wie es den Zofingern damals zumute gewesen sein könnte als die Eidgenossen vor den Toren standen. Jedenfalls haben sie nicht lange gezögert und sich den Berner Truppen kampflos ergeben.

Davon zeugte auch die Kapitulationsurkunde, die im Original auch zu sehen war: Die Belagerung von Zofingen begann am 18. April 1415 und endete am gleichen Tag. Für die Eroberung des ganzen Aargau brauchten die Eidgenossen dann immerhin einen Monat.

Die Gruppe «Schellermy» sorgte für den authentischen mittelalterlichen Sound, währenddem die historische Stadtkompanie zwar eindrücklich Präsenz markierte; aber wie auch schon vor 600 Jahren in keiner Art und Weise eingreifen musste.

«Selbstbewusst und unverkrampft»

Der Zofinger Vizeammann Hans-Martin Plüss hiess die Gäste willkommen. Und fragte, was wohl gewesen wäre, wenn die Zofinger sich damals gewehrt hätten? Was wäre aus der Stadt geworden? Wie würde die Schweiz heute aussehen, wenn es damals gelungen wäre, die Eidgenossen zu vertreiben?

Selbstbewusst und unverkrampft beschäftige sich der Kanton Aargau mit seiner Geschichte, sagte Landammann Urs Hofmann in seinem Grusswort. Zu Recht erscheine der Aargau als Meilenstein in der Geschichte der Schweiz. Der Aargau pflege eine «neue Art der Erinnerungskultur», in welcher sich Nachdenklichkeit, Feierlichkeit und Festfreude zu einem nachhaltigen Erlebnis mischten. Besonders hob er hervor, wie die Aargauer Regionen gemeinsam das Gedenkjahr «Die Eidgenossen kommen» gestalten, nämlich lustvoll und gleichzeitig ernsthaft, gemeinsam und gut vernetzt.»

«Ich finde, diese Art des Gedenkens passt zum Aargau», sagte Hofmann. «Wir sind ein junger Kanton, noch etwas ungestüm und mit Flausen im Kopf. Oder mit Hörnern zum Abstossen.»

In seiner Festansprache ging der Historiker Dominik Sauerländer der Frage nach, ob die Schweiz im Aargau entstanden sei. Er skizzierte zuerst die politische und herrschaftliche Situation im Aargau um 1400, wo nach dem Konzil in Konstanz die Eidgenossen von König Sigmund aufgefordert wurden, die Stammlande der Habsburger zu erobern. Zuerst war Zofingen an der Reihe.

Aargau als verbindendes Element

«Im April 1415 ist die Stadtbevölkerung verunsichert. Berner Truppen stehen vor den Toren. Der Reichskrieg gegen Herzog Friedrich ist in Zofingen angekommen», erklärte Sauerländer. Relativ rasch und unblutig brachten die eidgenössischen Orte die habsburgischen Ämter unter ihre Kontrolle. Die Verwaltung der Gemeinden Herrschaften liess dann die Orte näher zusammenrücken.

«Erstmals hatten sie eine gemeinsame politische Aufgabe», sagte Sauerländer. «Die Habsburger Stammlande wurden von einem trennenden Riegel zu einem verbindenden Element.»

Dadurch hätten die Gemeinen Herrschaften zur Stärkung der Eidgenossenschaft beigetragen, ja sie wohl überhaupt erst lebensfähig gemacht. Und unbestritten sei auch, dass der 1803 neu gebildete Kanton wesentlich dazu beigetragen habe, dass sich die moderne Idee eines liberalen Schweizer Bundesstaates habe durchsetzen können.

Nach so vielen klugen und feierlichen Worten verliess die Gesellschaft die Stadtkirche und begab sich zur nahen Markthalle, wo die Feier ihren fröhlichen Abschluss fand.

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