«Auch wenn ABB betont, dass es durch den Eigentümerwechsel zu keinem grösseren Stellenabbau kommen werde, führt der Verkauf für die Angestellten von ABB zu einer längeren Phase der Unsicherheit», heisst es in der Medienmitteilung.

In internationalen Kommentaren ist die Rede von mindestens anderthalb Jahren Ungewissheit. Und es wird darauf verwiesen, dass Hitachi keinerlei Jobgarantien abgibt, schlimmer noch, die Japaner zur Zahl der Jobs der fusionierten Stromnetzsparte schreiben «noch unbestimmt».
Für den Regierungsrat ist klar: «Mit dem Verkauf der Stromnetzsparte ‹Power Grids› wird nicht nur eine volumenmässig wichtige Sparte des Industriekonzerns verkauft, sondern das eigentliche ‹Herzstück› der ABB, das eng mit der aargauischen Industriegeschichte verknüpft ist.»

Sicher 600 Jobs in Lenzburg

Wie viele Aargauer ABB-Jobs zu den Japanern transferiert werden, ist nach wie vor nicht offiziell bekannt. Die Rede ist von landesweit 2800 Arbeitsplätzen. Sicher ist, dass mit ABB Semiconductors eine der modernsten Fabriken der Schweiz den Besitzer wechselt. In Lenzburg produzieren 600 Personen, die meisten von ihnen in Astronautenanzügen, Halbleiter für die Hochspannungs-Gleichstromübertragung. Unter den 2800 Jobs dürften auch mehrere hundert in Baden sein – doch kann oder will das die ABB nicht bestätigen.

Optimisten klammern sich an die gestrige Aussage, Hitachi wolle das neue, kombinierte Stromnetz-Unternehmen von der Schweiz aus führen. Weil der Standort des neuen Hauptquartiers noch nicht festgelegt ist, ist Träumen erlaubt: Baden, wie in der Alstom-Ära für das weltweite Kraftwerkgeschäft?

Chancen des Aargaus nutzen

Der Aargauer Regierungsrat gibt in seiner Medienmitteilung «der Erwartung Ausdruck, dass Hitachi als neue Eigentümerin der Stromnetzsparte die Chancen in diesem wichtigen Industriebereich nutzt und diesen auf der Basis der hohen Standortqualitäten in der Schweiz und im Kanton Aargau weiterentwickelt». Der Regierungsrat werde mit der Leitung der ABB in Kontakt bleiben und sich für den Standort Aargau und die im Kanton gelegenen Arbeitsplätze einsetzen. «Sobald die verantwortlichen Personen von Hitachi bekannt sind, wird der Regierungsrat auch mit den Vertretern der neuen Eigentümerschaft das Gespräch aufnehmen und mit ihr die Entwicklungsperspektiven für den Kanton Aargau erörtern.»