Frankenstärke

Herr Müller und Herr Knecht, braucht es nun tiefere Löhne?

Die beiden Ständeratskandidaten Philipp Müller (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP).

Die beiden Ständeratskandidaten Philipp Müller (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP).

Nach dem Ende des Euro-Mindestkurses stehen viele Aargauer Unternehmer vor einer Herausforderung. Die Unternehmer und Ständeratskandidaten Hansjörg Knecht (SVP) und Philipp Müller (FDP) sagen, wie sie selbst als Unternehmer reagieren.

Hansjörg Knecht ist Mitinhaber und Geschäfstleiter der Knecht Mühle AG in Leibstadt. Wie stark ist sein Unternehmen betroffen vom starken Franken? «Die exportierende Nahrungsmittelindustrie kommt zusätzlich unter Druck, weil sie nebst den Löhnen auch uns als Zulieferer in Franken bezahlt. Dieser Druck wird auf uns abfärben und zu Margeneinbussen führen, da wir aufgrund der schlechten Getreideernte bereits für das ganze Jahr Rohstoffe eingekauft und so nicht von günstigeren Bedingungen profitieren können. Daneben spüren wir den Einkaufstourismus indirekt, gehen doch der Backwarenbranche Umsätze verloren.»

Philipp Müller führt eine Generalbauunternehmung. «Wenn die Exportfirmen und der Tourismus Probleme haben, trifft es früher oder später alle, also auch mich», sagt er zum starken Franken. 

Beide für Aufgabe des Euro-Mindestkurses

Knecht wie Müller begrüssen den Entscheid, den Euro-Mindestkurs aufzugeben. «Aber es ist ein harter Schlag für die Wirtschaft. Vor allem für die margenschwache Exportwirtschaft wird es sehr schwierig», hält Knecht fest. 

Müller weist darauf hin, dass die Massnahme «immer temporär gedacht» war. Über den Zeitpunkt könne man diskutieren. «Aufgrund der kürzlich von der EZB ausgelösten Euro-Schwemme hatte die SNB wohl keine andere Wahl mehr.» SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg sagte in einem Interview, dass allein im Januar über 100 Milliarden Franken nötig gewesen wären, um den Fix-Kurs zu halten. «Die SNB-Bilanz wäre ausser Rand und Band geraten», folgert Müller. 

Löhne senken?

Und was halten die beiden Ständeratskandidaten vom Vorschlag des Arbeitgeberverbandes, nötigenfalls Löhne zu senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben? 

Hansjörg Knecht: «In erster Linie ist eine konsequente Deregulierung, der Verzicht auf wirtschaftsfeindliche Ideen und eine Senkung der Steuern anzugehen, damit die Produktionskosten gesenkt werden können. Um zu überleben, könnten aber personalintensive Branchen gezwungen sein, bei den Löhnen etwas zu machen. Jedes Unternehmen muss dies individuell beurteilen. Unser Mühlenbetrieb ist stark automatisiert und die Personalkosten tief. Bei uns ist eine Senkung der Löhne kein Thema.»

Philipp Müller antwortet auf dieselbe Frage, ob Löhne gesenkt werden sollen: «Das ist falsch. Gewisse Fixkosten für die Haushalte bleiben ja oben. Denken wir nur an die Gesundheitskosten, die Hypothekarverschuldung, die Preise für Wohneigentum und andere in der Schweiz hergestellten Güter und Dienstleistungen zu Franken-Kosten.»

Braucht es politische Massnahmen gegen den Einkaufstourismus?

in Sachen Einkaufstourismus wünschen sich beide Massnahmen. Knecht wünscht sich «mehr Solidarität mit dem einheimischen Gewerbe, welches wichtige Arbeits- und Ausbildungsplätze anbietet». Protektionistische Massnahmen lehne er aber ab. «Vielmehr müssen die Rahmenbedingungen wie liberalisierte Ladenöffnungszeiten, ausreichendes Parkplatzangebot und keine weitere Regulierung des Arbeitsrechts verbessert werden.»

Philipp Müller sieht ebenso keinen direkten Handlungsbedarf zum Einkaufstourismus: «Ein freier liberaler Markt ist immer ein Nehmen und Geben.» Am besten lasse sich der Einkaufstourismus mit sinkenden Preisen bremsen. «Leider ist ja im Parlament das Kartellgesetz von einer unheiligen Allianz versenkt worden. Dieses hätte hier kräftig nachgeholfen», sagt Müller. «Bundesrat Schneider-Ammann nimmt jetzt in dieser Sache nochmals einen Anlauf.»

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