Herr Landammann, Sie sagten, Ziel der Regierung sei eine konsolidierte Stellungnahme, hinter der auch die betroffenen Gemeinden stehen können. Spricht der Aargau jetzt mit einer Stimme?

Landammann Stephan Attiger: Ja, die Vernehmlassungen der Gemeinden und Regionalplanungsverbände gingen in den Grundsätzen in die weitgehend gleiche Richtung: keine Erweiterung des Nachtbetriebs, Reduktion der Verspätungen und Kritik an der neuen Startroute ab Piste 28. Der Regierungsrat hat diese Stossrichtung in seine Stellungnahme aufgenommen. In Bezug auf die neue Startroute musste der Regierungsrat einen Ausgleich zwischen jenen Vernehmlassungen finden, die aus einer lokalen Betroffenheit heraus motiviert waren. Einzelne mündliche Absprachen konnten erfolgen. Wir gehen davon aus, dass die Gemeinden unsere Stellungnahme weitestgehend mittragen können.

Was bedeutet Ihr Vorbehalt zur Zustimmung zu SIL 2, wonach die Routenführung ab Piste 28 optimiert werden müsse? Wie soll die Route optimiert werden?

Der Regierungsrat unterstützt das Konzept der neuen Routenführung. Dank der frühzeitigen Separation können die «Ostabdreher» viel kürzer nach dem Start abdrehen und überfliegen den Aargau nicht mehr. Die Routenführung im Aargau ist jedoch nicht akzeptabel: Das Siedlungsgebiet von Ober- und Niederrohrdorf darf nicht direkt überflogen werden und im Bereich Wettingen/Würenlos ist eine schonendere Routenführung festzulegen, also ein möglichst grosser Abstand zu bestehenden Wohn- und Mischzonen sowie zum Siedlungsentwicklungsgebiet.

Wie schätzen Sie den Zeithorizont ein, bis Sie wissen, ob den Vorbehalten aus dem Aargau wirklich Rechnung getragen wird?

Anfang Jahr haben bereits erste Gespräche mit den Flughafenplanern und Skyguide stattgefunden. Es wurde Bereitschaft signalisiert, die Routenführung nochmals zu überarbeiten. Die ganzen Planungen und insbesondere die Safety- Assessements werden aber einige Wochen, vielleicht Monate beanspruchen. Die ganzen technischen und sicherheitstechnischen Randbedingungen sind ausserordentlich komplex.

Was tut die Regierung, falls Ihre Vorbehalte keine Wirkung zeitigen?

Für den Fall, dass bis zur Genehmigung des SIL 2 durch den Bundesrat keine einvernehmliche Routenführung vorliegen sollte, hat der Regierungsrat ein Bereinigungsverfahren verlangt. Dies würde bedeuten, dass nochmals Verhandlungen zwischen den Bundesbehörden, dem Flughafen und dem Kanton stattfinden müssen.