Bremgarten

«Help Now»: Aargauer bringen Hilfsgüter in den Balkan

Das Team von «Help Now» um Stefan Dietrich aus Bremgarten verteilte über die Feiertage Spenden in den Flüchtlingscamps Bosniens.

Sie streben nach einem besseren Leben und sitzen in der Grenzregion Bosniens fest: Geflüchtete Menschen aus dem Irak, Syrien, Bangladesch, Afghanistan und Pakistan. Laut Schätzungen halten sich nahe der kroatischen Grenze derzeit rund 10'000 Menschen auf. «Manche von ihnen versuchen seit Jahren nach Europa zu gelangen, werden aber von den kroatischen Polizisten mit Gewalt zurückgewiesen», erzählt Stefan Dietrich.

Er ist der Projektleiter des Vereins «Help Now». Der Bremgarter organisierte seit Beginn der Migrationskrise entlang der Balkanroute 2015 bereits 12 Hilfsaktionen. Wie bereits vor einem Jahr reiste Dietrich an Heiligabend gemeinsam mit seinem Team in zwei Autos nach Bosnien und besuchte dort bis Silvester sechs Flüchtlingscamps. Mit im Gepäck hatten die freiwilligen Helfer Schlafsäcke, warme Kleidung und Decken.

Menschen schlafen auf dem kalten Boden

Was sie vor Ort antrafen, erschütterte Dietrich aufs Neue: «Im ersten Lager in Bihac hat es offiziell Platz für 1500 Menschen. Es halten sich dort aber mehr als 2000 Menschen auf.» Das Camp wird durch die «International Organisation for Migration» (IOM), einer UN-Organisation geführt. Man spüre im Vergleich zu letztem Jahr, dass sie sich bemühten, die Lage zu verbessern, diese sei aber nach wie vor prekär: «Es war sehr kalt, bis zu minus fünf Grad. Es gibt Personen, die ohne Matratze schlafen, nur mit einer Decke. Das ist menschenunwürdig.» Auch ein weiteres Flüchtlingslager in Velika Kladusa sei überfüllt: Die Zustände dort sind prekär bis katastrophal», sagt Dietrich. Die etwa 800 Personen, die dort leben, hätten weder eine Heizung noch warmes Wasser. Dietrich und sein Team konnten vor ihrer Abreise 26'000 Franken Geldspenden sammeln. Nach Absprache mit dem Roten Kreuz vor Ort, kauften sie dann in Bosnien die Güter ein, die es am dringendsten braucht. «Einige Flüchtlinge haben Krankheiten, etwa die Krätze, Tuberkulose oder Meningitis. Viele haben auch Verletzungen und Brüche, die sie durch die kroatische Grenzpolizei erlitten haben, als sie versucht haben, über die Grenze zu kommen.» Manche, so Dietrich, hätten es mehr als 30 Mal versucht. Ihre primären Ziele: Italien und Deutschland.

Während dieser Woche haben Dietrich und sein Team mit vielen Flüchtlingen gesprochen. Ein Grossteil sind Männer, darunter unbegleitete Minderjährige. «Es gibt aber auch viele ­Familien mit kleinen Kindern, alleinreisende und schwangere Frauen.»

Bosnische Städte fühlen sich im Stich gelassen

Am Anfang sei die Hilfsbereitschaft der Bosnier noch grösser gewesen. «Manche bieten ihre Hilfe noch heute an, wenn sie zum Beispiel Flüchtlinge zum Duschen zu sich nach Hause einladen.» Da die Lager überfüllt sind, leben Hunderte Flüchtlinge auf der Strasse, wie Dietrich schildert. Die bosnischen Städte könnten und wollten das Problem nicht mehr tragen: «Sie fühlen sich im Stich gelassen. Bosnien ist selber nach wie vor ein sehr armes Land mit eigenen Problemen.» Die Politik versage hier auf verschiedenen Ebenen: «Es ist eine europäische Verantwortung und damit meine ich auch die Schweiz», so Dietrich. Das Problem liesse sich lösen: «Das Versagen und die Trägheit der Politik frustriert mich.»

Während des Besuchs in Bosnien empfing die Schweizer Botschafterin, die aus Brugg stammende Andrea Rauber, Dietrich und sein Team: «Wir hatten ein positives Treffen und sie hat unsere Erfahrungen und Eindrücke bestätigt.»

Dietrich wird Anfang Februar in die Grenzregion zurückkehren und mit dem restlichen Geld aus den Spenden vor Ort erneut Güter kaufen. Aktuell sucht er nach Schlafsäcken, die er mitnehmen kann. «Wir haben in Sarajevo Frauen mit Kindern angetroffen, die bei Schnee und Kälte auf der Strasse leben. Da kann man nicht einfach wegschauen.»

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