Rega gegen AAA
Helikopter-Streit dauert an: Wann soll im Aargau der gelbe AAA-Heli, wann die Rega aufgeboten werden?

Politiker aus mehreren Parteien fordern Leistungsvereinbarungen des Kantons mit den Betreibern von Rettungshelikoptern – und eine Koordination der Heli-Einsätze über die Kantonsgrenzen hinweg. Hintergrund ist der Luftkampf zwischen der Rettungsflugwacht (Rega) und der Air Alpine Ambulance (AAA), der im Aargau seit Jahren tobt. Die Regierung sieht keinen Anlass für eine überkantonale Koordination bei der Luftrettung und hält fest, die Disposition der Helis durch die kantonale Notrufzentrale bewähre sei.

Fabian Hägler
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Immer noch umstritten: Wann soll im Aargau der gelbe AAA-Heli, wann die Rega aufgeboten werden?

Immer noch umstritten: Wann soll im Aargau der gelbe AAA-Heli, wann die Rega aufgeboten werden?

Aargauer Zeitung

Der rot-weisse Rega-Helikopter vom Stützpunkt Dübendorf gegen die gelbe AAA-Maschine auf dem Birrfeld: seit mehreren Jahren streiten sich die beiden Luftrettungs-Anbieter, wenn es um Einsätze im Aargau geht. Umstritten ist unter anderem, ob es sinnvoll und effizient ist, dass die unabhängige kantonale Notrufzentrale entscheidet, welcher Helikopter aufgeboten wird.

In anderen Kantonen entscheidet die Rega-Zentrale bei Notrufen, welche Helis zum Einsatz kommen. Dies bringe Verzögerungen mit sich und führe zu einer einseitigen Bevorzugung der Rega, kritisierte Jürg Fleischmann, CEO der Alpine Air Ambulance, im November in der AZ.

Rega-Mediensprecherin Karin Hörhager entgegnete, die Rega sei im Aargau oft Lückenbüsser und werde nur aufgeboten, wenn der AAA-Heli nicht verfügbar sei oder nicht über die geeignete Ausrüstung verfüge. Sie hielt fest, die Luftrettung kenne keine Kantonsgrenzen, darum sei es die beste Lösung, wenn alle Rettungshelikopter von einer nationalen Zentrale aufgeboten und koordiniert würden.

Grossräte verlangen mehr Koordination in der Luftrettung

Gleich sehen das mehrere Grossratsmitglieder von FDP, SVP, CVP, SP, EVP und GLP, die bereits Mitte September in einem Postulat mehr Koordination in der Luftrettung und klarere Vorgaben für die Anbieter forderten. Rega und AAA sind im Vorstoss nicht namentlich erwähnt, die Grossräte verlangen vielmehr, «die Luftrettung als Bestandteil bei der laufenden gesundheitspolitischen Gesamtplanung zu berücksichtigen, wobei insbesondere Leistungsvereinbarungen mit qualifizierten Luftrettungsunternehmen sowie eine überkantonale Koordination der Einsätze anzustreben sind».

Sprecher der Postulanten ist FDP-Grossrat Ulrich Bürgi, der beruflich als Chefarzt Notfallmedizin am Kantonsspital Aarau tätig ist. In einem Beitrag von Bürgi im Newsletter der freisinnigen Grossratsfraktion zeigt sich, dass der Vorstoss auf die Alpine Air Ambulance zielt. So heisst es darin: «Aktuell erfüllt beispielsweise der im Birrfeld eingesetzte Eurocopter 135 die Bedingungen für den Transport von intensivpflichtigen Patienten nicht.»

In einer Leistungsvereinbarung könnten «die kontinuierliche Verfügbarkeit der Luftmittel, deren medizinische und technische Leistungen und die Erfüllung der schweizerischen und europäischen Normen durchgesetzt werden», schreibt Bürgi weiter. Eine überkantonale Koordination der verfügbaren Helikopter im Mittelland würde aus seiner Sicht nicht nur kürzere Einsatzzeiten bringen, sondern auch das Know-how in der Disposition erhöhen.

Regierungsrat: Notrufzentrale hat sich bewährt

Der Regierungsrat sieht hingegen keinen Bedarf für eine überkantonale Koordination der Luftrettungsdienste und lehnt das Postulat ab. In der Antwort auf den überparteilichen Vorstoss hält die Regierung fest, die innerkantonalen Disposition der Ambulanzfahrzeuge und der Rettungshelikopter «aus einer Hand über die Sanitätsnotrufzentrale 144» habe sich bewährt. Die Mitarbeiter der Notrufzentrale hätten den Überblick und wüssten, wo sich Ambulanzen und Helis befänden. Das aktuelle System ermögliche die bestmögliche Versorgung der Patienten und verhindere unnötige Kosten, schreibt die Regierung.

Die Koordination zwischen Boden- und Luftrettung will der Regierungsrat im Rahmen der gesundheitspolitischen Gesamtplanung, die im Frühling 2021 veröffentlicht werden soll, noch weiter optimieren. Dazu habe ein erster Austausch mit verschiedenen Anbietern im Rettungswesen stattgefunden, weitere Treffen seien geplant.

In der gesundheitspolitischen Gesamtplanung werde zum Beispiel geregelt, wann welcher Rettungsdienst aufgeboten werde und welche Zielwerte das Aargauer Rettungswesen erreichen solle. Die Frage, ob mit den Betreibern der Rettungshelikopter künftig Leistungsvereinbarungen abgeschlossen werden sollen, gehöre aber nicht ein solches Strategiepapier, sondern in darauf folgende Gesetze.