Heitere

Heiteres Fest mit einem fulminanten Schlussbukett

An der 13. Volksschlager-Auflage waren, nebst Bewährtem, auch Seemannslieder zu hören. Die «Schürzenjäger» und «Oesch's die Dritten» zogen das Publikum mit und verhalfen zu einer prächtigen Stimmungen auf dem Heiteren.

Wer jeweils am Open-Air-Donnerstag auf den Heiteren pilgert, hat hohe Berge und grüne Täler, Dirnd'l, Krachlederne, Schunkeln im Herzen. Diesmal hat über diese Idylle hinweg auch eine steife Brise aus Nordost geblasen: «Santiano» nennt sich die Band aus Schleswig Holstein nach einem mexikanischen General, über den im 19. Jahrhundert ein Shanty - ein Seemannslied - geschrieben wurde. Noch jung ist sie, die Band, ihre erste CD gerade mal ein halbes Jahr alt, hatte es aber innert null-Komma-nix auf Platz 1 der Deutschen Albumcharts geschafft.

Heiterer als dieses Jahr kann es auf dem Heitern kaum sein. Unterm strahlenden Himmel flossen nicht nur Bier, Wein und Mineral in Strömen, sondern bis Sonnenuntergang auch die Schweissbäche. Nichts desto trotz wurde auch nach Herzenslust gespachtelt. Egal ob Grill-, Raclette-, Pizza- oder Fischknusperli-Stand - man stand fast wie vor dem Gotthard-Portal und auch zum Verzehr war die Ellbogenfreiheit arg begrenzt. Kurzum - Open-Air-Feeling total. Genau so wie's sein muss und Spass macht. Anders war, dass statt Sascha Ruefer, der das olympische London dem Heiteren vorzog, kurzfristig Monika Fasnacht als Moderatorin einsprang. Sie blieb bescheiden, schlug sich tapfer.

Viele gesprochene Worte will man ja dort oben ohnehin nicht hören. Umso mehr gesungene. Mit der jungen Solothurnerin Michelle Ryser und Daniela Alfinito - «Amigo»-Tochter, respektive Nichte - fing das Programm eher verhalten an, bis mit «Sierra Madre» - sonnenklar also den «Schürzenjägern» - das Eis endgültig brach. Ebenfalls auf einer Woge in der Luft schwankender Arme sangen sich auch «Sigrid & Marina» ganz besonders mit einem Peter Alexander-Medley in die Herzen der Besucher.

Dann kam die steife Brise: «Santiano» rassig, herb, mit rauchigen Stimmen und kessen Sprüchen fiel klar aus dem Rahmen. Die anfänglich deutlich spürbare Konsternation der Zuhörer wich im Verlaufe des Auftritts dann aber immer mehr Begeisterung, die allerdings etwas verhalten blieb. Die nachfolgenden «Seer», obwohl wieder ganz im Schlager-Genre verhaftet, änderten daran nichts, war ihr Auftritt doch alles andere als mitreissend.

Ganz im Gegenteil zum fulminanten Schlussbukett mit brennenden Feuerzeugen, verträumt schmiegenden Paaren, auf Tischen tanzenden und auf Bänken schunkelnden Fans während oben auf der Bühne die Post nacheinander abging mit «Oesch's die Dritten», die «Amigos», «Chue Lee» und «Die jungen Zillertaler». Sie liessen hören und sehen, was die reinen Herzen des puristischen Volksschlager-Publikums fühlen wollen.

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