Kult-Festival

Heiterefahne, war das eine Riesenparty: So schön war das Heitere Openair 2016

Starkes Line-up – von Trauffer über Ella Eyre bis James Morrison. Ein Highlight jagte das andere. Das Publikum tanzte und Nickless freute sich übers Riesenrad, das zum ersten Mal am Heitere die Festivalbesucher begeisterte.

Den Auftakt zum letzten Tag der Heitere-Woche machte am Sonntag Swiss-Music-Award-Gewinner Nickless. Der Newcomer aus Zürich, mit bürgerlichem Namen Nicola Kneringer, wird auch als der neue Bastian Baker bezeichnet.

Dass er aber mehr ist als eine Kopie von Baker, hat er bewiesen. Das Publikum tanzte und Nickless freute sich übers Riesenrad. «Wer hat schon so etwas an einem Open Air? Der Hammer. Da will ich auch drauf», sagte er.

Beim Charme von Berner Rapper QC, dem Frontmann von Troubas Kater, konnten aber auch Bastian Baker oder Nickless nicht mithalten. Mit seiner vorherigen Kombo Männer am Meer hat QC Mundartmusikgeschichte geschrieben. Auch seine neue Formation überzeugt.

Troubas Kater war die Band mit der grössten Instrumentendichte auf der Bühne und lieferte eine einwandfreie Darbietung ab. Da kamen sogar die verkatertsten Festivalgänger aus dem Schatten gekrochen, um das Tanzbein zu schwingen. Ganz nach dem Motto «Ächti Höude schwiege» gaben sich die Berner bescheiden.

Heitere Song 2016

Heitere Song 2016

Von der Ohrmuschel direkt ins Herz und in die Beine fuhr Álvaro Solers Sound. Und dies nicht nur mit seinen Reissern «Sofia» und «El Mismo Sol», sondern mit all seinen eingängigen, selbst geschriebenen Liedern.

Darin erzählt der Deutsch-Spanier Geschichten aus seinem Leben. Es ist Alltägliches, das er preisgibt und das den Hitparadestürmer noch sympathischer macht. Der Sänger brachte ganz klar Sommerfeeling auf den Heitern.

Brav, simpel und überzeugend

Heiterefahne, war das ein Auftritt. Vor Trauffer gingen alle Besucher auf die Knie. Auf seinen Wunsch versteht sich. Der Berner Oberländer versteht es, als Entertainer und Musiker einfach mitzureissen. Da wird lauthals mitgejodelt und die Heimat musikalisch gefeiert.

Trauffer und seine Band können auf eines getrost verzichten - auf Coverversionen von AC/CD bis Helene Fischer. Unnötig, weil Trauffers Songs einmalig sind und damit die Post gehörig abgeht.

Black M macht mit seiner lässigen Performance oft den Eindruck, die Dinge nicht ganz ernst zu nehmen. Mehr täuschen könnte man sich nicht in dem 31-jährigen Künstler aus Paris.

Vielfältig sind seine Songs: mit Herzhammer-Bass, Tempo-Reimen und fein unterlegten Saiten- und Blasinstrumentenklängen. Französischer Rap par excellence. Schon beim zweiten Lied wusste Black M die junge Meute hinter sich. Seine Musik: catchy Songs, bei denen man unbedingt mithüpfen will.

Wesentlich braver und simpler spielten 77 Bombay Street. Das störte das Publikum aber nicht: Jung und Alt standen auf Bänken und Tischen. Die vier Bündner Jungs überzeugten mit brüderlicher Stimmharmonie und Einlagen wie Joe am Banjo und Matts Abstecher ins Publikum.

Von «Long Way» bis «Up In The Sky» – Feelgood-Folk- und Indierock eben. Die perfekten Schwiegersöhne wurden zurecht gefeiert.

Überbevölkert war der Platz vor der Parkbühne, als Mundart-Rapper Bligg auftrat. Gekreische, Geklatsche – und ein Wellenmeer aus Händen. Der schon fast 40-jährige Zürcher nahm das Publikum auf eine musikalische Zeitreise.

Zutaten: eine unheimliche Bühnenpräsenz und Interaktionen mit dem Publikum, wie selten am Heitere gesehen. Bligg singt – ob man ihn nun mag oder nicht – einer ganzen Generation aus dem Herzen.

Auch wenn seine Musik leichtverträglich rüberkam: Volks-Rap schreibt man mit Bligg. Einen fulminanten Schlusspunkt setzte James Morrison.

Fitnessübungen mit Fettes Brot

Am Samstag stachen ganz klar die Auftritte von Bastian Baker und Fettes Brot heraus. Wenn die Frauen bereits eine Stunde vor Konzertbeginn kreischend die ersten Reihen besetzen, dann kann Bastian Baker nicht weit sein.

«Ich schwitze viel, weil ich bin ein Schwizer», sagte der 25-jährige Westschweizer. Die Menge tobte. Als der Frauenschwarm die Bühne verliess und sich unter die Zuschauer mischte, gab es unter den vorwiegend weiblichen Fans kein Halten mehr. Jede wollte einen Handschlag von Baker ergattern. Und dieser liess es sich allzu gerne feiern.

Zeltplatz-Party am Heitere

Zeltplatz-Party am Heitere

Auf dem Zofinger Hausberg geht es dieses Wochenende wieder heiter zu und her. Nicht nur auf, sondern auch neben der Bühne auf dem Campingplatz.

Mit einer Partyversion ihres Hits «Nordisch By Nature» starteten Fettes Brot. Damit hatten sie die Gunst der Besucher gleich von Anfang an für sich gewonnen.

Sie spielten mit dem Publikum, setzten statt auf Luftgitarren auf Luftfitness: Die Leute wurden animiert, imaginäre Gewichte zu heben. Als Dankeschön spielten sie Zugaben: darunter Klassiker wie «Emanuela», «Jein» und «Schwule Mädchen», welche für ausgelassene Stimmung sorgten.

Erwähnenswert ist auch das Konzert von Ella Eyre. Sie ist einfach eine Wucht. Stimme und Choreografie waren etwas vom Feinsten, was am Heitere geboten wurde. Schade war, dass ihr Auftritt nur so kurz war – sie hätte noch eine Viertelstunde länger spielen dürfen.

Ausserdem luden noch G-Eazy, Rudimental zur Party. Fritz Kalkbrenner sollte den «Rausschmeisser» spielen, aber die Leute genossen die gute Stimmung noch lange. (no/rzu/fup/guez/egu/mej)

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