FC Aarau
Heimspiel-Boykott: Fans wehren sich gegen Vorwürfe

Anhänger des FC Aarau fühlen sich missverstanden und von der Klubleitung diskreditiert. Aus Protest wollen sie weiterhin nur Auswärtsspiele besuchen.

Mario Fuchs
Drucken
Teilen
Da haben die Fans des FC Aarau ihre Mannschaft noch angefeuert. Das Heimspiel gegen Vaduz boykottierten sie.

Da haben die Fans des FC Aarau ihre Mannschaft noch angefeuert. Das Heimspiel gegen Vaduz boykottierten sie.

KEYSTONE

«Niemols ufgeh!»: Das stand gestern in in Grossbuchstaben auf einem Transparent der Aarauer Fans. Sie sagten damit ihrer Mannschaft beim Auswärtsspiel in Luzern: Auch nach neun sieglosen Spielen kann man wieder gewinnen. Sie machten sich damit wohl aber auch selbst Mut. Denn während die Fussballer auf dem Platz – wieder vergeblich – um Punkte kämpfen, führen die Fans in der Kurve ihren eigenen Kampf – gegen «Pauschalisierung» und «Angstmacherei» seitens der Vereinsführung. Dies zeigt ein von der «Szene Aarau» veröffentlichtes Communiqué.

Der Zusammenschluss der Fan-Gruppen «Amigos» und «Ferox» wählt darin eine deutliche Sprache: Man habe es satt, von der Vereinsführung als «einen Haufen Chaoten» pauschal verurteilt zu werden. Man habe Gespräche «zu keinem Zeitpunkt abgelehnt», sei «immer offen» dafür. Und: Man wehre sich dagegen, «für die gestiegenen Sicherheitskosten verantwortlich zu sein».

Grund für diese Reaktion der Fans: Am 10. Februar hatten Klub, Kanton und Polizei unter dem Motto «Gemeinsam gegen Gewalt» ein härteres Vorgehen angekündigt. Dies als Reaktion auf Vorfälle im Jahr 2014 wie eine Massenschlägerei am Aarauer Bahnhof im November oder Ausschreitungen im Brügglifeld im Mai. Verein und Behörden wollen «die Zusammenarbeit bei der Identifikation von gewaltbereiten und gewalttätigen Personen in der Fanszene intensivieren». Etwa mit mehr Videoüberwachung sowie schnelleren Einsatzteams.

In der Folge boykottierte die «Szene Aarau» vor einer Woche das Heimspiel gegen Vaduz. Jetzt lieferte sie die offizielle Erklärung nach. Zur Schlägerei am Bahnhof schreibt die «Szene Aarau»: Man könne «als loser Zusammenschluss von Personen schlichtweg nicht die Verantwortung für Aktionen einzelner Exponenten in deren Freizeit und ohne Zusammenhang zum Fussball übernehmen».

Sie wehrt sich auch gegen den Vorwurf, Familien und Frauen getrauten sich wegen der «Szene» nicht mehr an die Spiele: Bei jedem Heimspiel seien im und rund um den Fanblock Kinder anwesend, auch in Extrazügen reise jeweils eine beachtliche Zahl an Familien mit. Den Aufruf des FCA, Zuschauer sollten selbst Straftaten dokumentieren und melden, verurteilt die Fanorganisation als «zynischen Höhepunkt».

«Wir kritisieren die öffentliche Darstellung der ‹Szene Aarau› durch die Vereinsführung und werden aus diesem Grund den weiteren Heimspielen bis auf weiteres ebenfalls fernbleiben». Der FCA teilte gestern mit, man nehme zum Communiqué keine Stellung, seine Haltung sei der Information vom 10. Februar zu entnehmen.

Aktuelle Nachrichten