AZ-Jasskönig

Heidi (89) und ihr Bernhard sorgen für die Geschichte des Abends

Am dritten Turnier des AZ-Jasskönigs 2019 qualifizierte sich die älteste Teilnehmerin (89) fürs Finale.

Die einen schwören auf die entspannende Wirkung von einem Glas Roten beim Jassen: «Das gehört zum Spass dazu – schliesslich ist es immer noch ein Spiel.»

Die anderen halten sich strikt an die Regel: Wer jasst, trinkt nicht. «Nur ein Glas Wein und die Konzentration ist nicht mehr gleich gut.»

Alle möglichen Jass-Typen

Wie dem auch sei: Am Donnerstagabend spielten 72 Jasserinnen und Jasser in der Alpwirtschaft Horben um den Einzug ins AZ-Jasskönig-Finale. Das dritte Turnier auf dem Freiämter Hausberg war geprägt von den Gegensätzen: Draussen 15 Zentimeter Schnee, drinnen hitzige Debatten am Jasstisch.

Alle Altersgruppen zwischen 31 und 89 Jahren waren dabei – und alle möglichen Jass-Typen: der Vergiftete, die Unerfahrene, der Pläuschler und die Marathon-Jasserin. In drei Runden versuchten sie, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Wir haben sie durch den Abend begleitet und viele Jass-Weisheiten, Sprüche und geniale Spielzüge miterlebt.

1. Runde

Wir sitzen am Tisch «K» mit drei Frauen und einem Mann. Aussergewöhnlich, denn der Anteil an Jasserinnen beträgt an diesem Abend nur 15 Prozent. Das kümmert Pia, Agi, Anne und Hubi nicht im Mindesten. Im Saal wird es deutlich stiller, während Anne schon im ersten Spiel schiebt. Bald fliegen die Karten auf den Tisch, ohne Zögern oder Denkpausen wird gespielt. Beim Zählen aber gehen die Diskussionen los: «Bhüet m’is Gott vorem Hüenervogel!», heisst es von Agi, nachdem sie und Hubi nur knapp einen Match abwenden konnten.

Anne nippt an ihrem Wasserglas. Sie erzählt, dass sie wöchentlich an ein Jassturnier fahre oder auch mal an einen Marathon-Jass, da werde von morgens bis abends um 9 Uhr zwölf Stunden lang gespielt. Anne weiss jederzeit, welche Farben und Karten schon gegangen sind. Das zahlt sich aus. Am Schluss der ersten Runde, die sie mit Pia zusammen bestritten hat, sagt Anne zufrieden: «Wir haben die Punkte gemacht, die wir machen konnten.»

Der AZ Jasskönig wurde am 4. April im Restaurant Horben in Beinwil im Freiamt gekürt.

Welche Karte ist die richtige?

Der AZ Jasskönig wurde am 4. April im Restaurant Horben in Beinwil im Freiamt gekürt.

2. Runde

Alle haben wieder eine Nummer gezogen, die ihnen einen neuen Tisch zuweist. Stühlerücken, Plätze einnehmen. Wir sitzen an Tisch «I» mit Ingrid, Muriel, Josef und Daniel. Daniel – mit Nachnamen Urech, was hier aber belanglos ist, denn am Jasstisch sind alle per Du – ist Grossrat und Mitglied der Geschäftsleitung der Landi Freiamt. Wie seine Spiel-Partnerin Muriel spielt Daniel sonst nie mit deutschen Karten. «Das Sortieren ist nicht einfach für uns Franzosen», seufzt er. Doch Daniel und Muriel beginnen stark. Nur 13 Punkte gestehen sie dem Gegnerteam im ersten Spiel zu.

Aber das Blatt wendet sich schnell: Gleich darauf schreiben Ingrid und Josef einen Match. Eine Tendenz, die sich nicht mehr aufhalten lässt – nach 12 Spielen haben Ingrid und Josef deutlich mehr Punkte auf dem Konto. Ob es am Alkohol liegt? «Ein Glas Wein geht gut beim Jassen», finden beide. Daniel, der lieber Schorle mag, sagt nur: «Jetzt muss ich anfangen zu üben – für das Jassturnier vom Grossen Rat im August.»

3. Runde

Tisch «B» – ein reiner Männertisch. Bruno und Bruno gegen Michael und Philippe. Hier wird nicht nur gejasst, sondern auch ordentlich Sprüche geklopft. «Du bist einfach ein cleverer Hund!», ruft Philippe aus, als Bruno ein Ass opfert, um danach die letzten drei Stiche zu machen. Bruno lacht laut. Er hat gut lachen – das Bruno-Team geht als Sieger aus dem Duell hervor. «Ich höre immer wieder: <Jetzt hast du aber Glück gehabt!>», sagt Bruno. «Da ist aber schon mehr dahinter – man hat nicht einen Abend lang immer nur Glück.»

Von links: Franz Furrer, Rudolf Rufer, Lisbeth Wilmes, Monika Spuler, Ramona Steger, Kurt Koch (Gewinner), Hans Steger, Pia Stirnemann, Paul Boegli und Anne Renggli.

AZ-Jasskönig: Sie ziehen ins Finale ein

Von links: Franz Furrer, Rudolf Rufer, Lisbeth Wilmes, Monika Spuler, Ramona Steger, Kurt Koch (Gewinner), Hans Steger, Pia Stirnemann, Paul Boegli und Anne Renggli.

Heidi (89) jasst sich ins Finale

Die Geschichte des Abends schreiben Heidi und Bernhard, beide 89 Jahre alt. Vor einigen Jahren haben sie, beide verwitwet, zueinander gefunden und sind ein Paar geworden. Dabei gingen sie schon zusammen zur Schule. «Es ist schön, wieder mit jemandem zu sein», sagt Heidi.

Bernhard sei der angefressenere Jasser als sie, «er schleikt mich jeweils mit». Doch auch sie jasst gerne, «zum Zämesii». Und Heidi jasst nicht nur gerne, sondern auch richtig gut: Um gerade mal drei Punkte verpasst die älteste Teilnehmerin den zehnten Platz. Doch Heidi hat Glück: Es gibt zwei Absagen – somit ist sie fürs Finalturnier qualifiziert.

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