Prozess
Hat er einen Tötungsversuch unternommen? Jetzt steht Freddy Nock erneut vor Gericht

Das Urteil traf Freddy Nock hart: Das Bezirksgericht Zofingen verurteilte den bekannten Hochseilkünstler aus Uerkheim am 11. Dezember 2019 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer teil­bedingten Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Davon muss Nock zehn Monate hinter Gitter. Am Dienstag befasst sich das Obergericht mit dem Fall Freddy Nock.

Stefania Telesca
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Vor einem Jahr wurde Hochseilartist Freddy Nock wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt.

Vor einem Jahr wurde Hochseilartist Freddy Nock wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt.

Ennio Leanza/Key (Zofingen, 11.12.2019

Im Jahr 2013 soll er seiner Frau in einem Hotelzimmer während eines heftigen Streits ein Kissen so lange aufs Gesicht gedrückt haben, bis diese kaum noch atmen konnte und sich tot stellte. Nichtsdestotrotz heira­teten die beiden wenige Monate später, vor den TV-Kameras der Schweiz.

Immer wieder soll Nock während der Ehe gewalttätig geworden sein, argumentierte die Staatsanwaltschaft und forderte eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren. Die Anklage lautete nebst der versuchten vorsätzlichen Tötung auch auf mehrfache Gefährdung des Lebens und mehrfache versuchte Körperverletzung.

Freddy Nocks Verteidiger hingegen forderte einen vollumfänglichen Freispruch. Er hatte damit argumentiert, dass die Ehefrau im Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen, damals achtjährigen Sohn ein Machtspiel gegen den Beschuldigten führte. Vor Gericht verweigerte Freddy Nock die Aussagen. Seine damals Noch-Ehefrau hingegen schilderte die dramatischen Vorfälle, die sich über Jahre abgespielt haben sollen, unter Tränen.

Zum Verhängnis wurden Nock besonders die belastenden Aussagen der Kinder, die Nocks Ehefrau aus erster Ehe hatte: 2013 soll ihre Tochter aus dem Nebenzimmer des Hotels mitbekommen haben, wie Nock seine Frau verprügelt habe. Die Tochter war bei diesem Vorfall 10 Jahre alt. Gegenüber der Polizei sagte sie bei einer Befragung Jahre später aus, dass die Mutter geschrien habe: «Fühlst du dich stark, wenn du mich schlägst?»

Nock musste nach dem Prozess in Sicherheitshaft

Im Anschluss an die Verhandlung führte die Polizei Freddy Nock damals gleich ab, das Gericht hatte wegen einer konkreten Fluchtgefahr eine dreimonatige Sicherheitshaft angeordnet. Nach nur wenigen Tagen holte ihn sein Verteidiger wieder raus. Seither ist es still geworden um Freddy Nock.

Morgen Dienstag, um 8 Uhr, geht der Prozess vor Obergericht in die zweite Runde. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Freddy Nock haben Berufung angemeldet. Die Staatsanwaltschaft beantragt vor Obergericht eine Strafe von 6,5 Jahren. Nocks Verteidiger wird seine Anträge vor Gericht bekannt geben. Die Aargauer Zeitung wird aus dem Gerichtssaal berichten.