Mehrwertsteuer

Hat der grüne Zettel bei Einkaufstouristen bald ausgedient?

Margrit Bosshard (links) und Madeleine Müller aus Wettingen zeigen ihre Formulare zur Mehrwertsteuerrückerstattung.

Margrit Bosshard (links) und Madeleine Müller aus Wettingen zeigen ihre Formulare zur Mehrwertsteuerrückerstattung.

Schweizer Einkaufstouristen sollen sich die Mehrwertsteuer bald einfacher rückerstatten lassen können. Gibt es an den Aargauer Zollübergängen daher bald keinen Stau mehr?

Man kann es gut finden oder nicht: Einkaufstourismus ist nach wie vor eine Tatsache. Und die allermeisten Schweizer Einkaufstouristen holen sich mit dem «grünen Zettel» die Mehrwertsteuer zurück. Dieses Jahr wurden bis und mit September im Landkreis Waldshut insgesamt 3,9 Millionen Ausfuhrkassenzettel erfasst.

Beim Zollübergang Rheinheim (Küssaberg)-Bad Zurzach staut sich besonders am Wochenende der Grenzverkehr. Zahlreiche Schweizer wollen bei der Rückreise ihre «grünen Zettel» abstempeln lassen. Das machen sie bei der Abfertigungsstelle direkt am Zoll. Das führt mitunter zu chaotischen Zuständen – auch, weil nicht genügend Parkplätze vorhanden sind.

«Immer wieder gibt es verstopfte Strassen, zugeparkte Hofplätze und laute Hupkonzerte», sagte eine Küssaberger Anwohnerin kürzlich dem «Südkurier». Deutlich entspannter war die Situation während der Sperrung der Koblenzer Zollbrücke im Sommer – trotz des Mehrverkehrs. Damals wurde im Gemeindezentrum Küssaberg eine provisorische Abfertigungsstelle eingerichtet, weil man fürchtete, durch das höhere Verkehrsaufkommen ginge direkt am Zoll gar nichts mehr. Bürgermeister Bernhard Reichmann blickt zurück: «Der Verkehr lief fliessend über die Rheinbrücke und die Schweizer Kunden waren auch zufrieden mit der Lösung.»

Verständlich, dass man sich in Küssaberg wünscht, die Abfertigungsstelle dauerhaft im Gemeindezentrum unterzubringen – das ist aber nicht so einfach umzusetzen. Eine Abfertigungsstelle müsse unmittelbar bei der Grenze sein, erklärte der Präsident der Bundesfinanzdirektion Südwest, Wilhelm Bruns, dem «Südkurier». Eine dauerhafte Lösung für das Problem wäre laut Bruns eigentlich nur die Automatisierung des Rückerstattungs-Verfahrens – und dies strebt die Bundesfinanzdirektion derzeit an.

Für die Kunden hiesse das: Kein umständliches Ausfüllen von Formularen, keine Wartezeiten in Geschäften, kein mühsames Parkplatzsuchen und Anstehen am Zoll, weil das Abstempeln der «grünen Zettel» an der Grenze entfällt.

Das Projekt der Bundesfinanzdirektion steckt quasi noch in Kinderschuhen. Wann die «grünen Zettel» ausgedient haben, ist also noch nicht absehbar. Derzeit geht es um die Frage, mit welchem System die Automatisierung realisiert werden könnte.

So soll es funktionieren

Eine Unternehmer-Arbeitsgemeinschaft aus Waldshut-Tiengen und Zürich hat eines der Systeme entwickelt, das Einkaufstouristen vielleicht in Zukunft das Leben einfacher macht. Man nutzt das System entweder mittels Smartphone-App oder mithilfe eines kleinen Datenträgers, der beispielsweise am Schlüsselbund getragen wird. Beim Einkaufen im deutschen Laden wird das Mehrwertsteuer-Guthaben des Schweizer Kunden auf diesem Datenträger registriert. Bei der Rückfahrt hält der Kunde den Datenträger an einen Automaten beim Zoll – ähnlich, wie man es heute schon in Parkhäusern macht.

Zöllner führen Stichprobenkontrollen durch, um zu prüfen, ob der Kunde die ermässigte Ware auch wirklich bei sich hat. Wenn der Kunde das nächste Mal in Deutschland einkauft, zeigt er den Datenträger an der Kasse vor, um sich sein Mehrwertsteuerguthaben anrechnen oder auszahlen zu lassen.

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