Bezirksgericht Aarau

Hat der 25-Jährige die junge Frau im Schlaf geschändet?

25-jähriger Mann wird beschuldigt, verschiedene Sexualdelikte begangen zu haben. (Symbolbild)

25-jähriger Mann wird beschuldigt, verschiedene Sexualdelikte begangen zu haben. (Symbolbild)

In Aarau steht ein 25-jähriger Mann vor Gericht. Er wird beschuldigt, verschiedene Sexualdelikte begangen zu haben. Die Anklage lautet auf Schändung, sexueller Handlungen mit Kindern und sexuellen Handlungen mit Abhängigen.

Vor der Verhandlung gegen den Mann, der die ihm vorgeworfenen Straftaten zum Teil als Lagerleiter einer kirchlichen Organisation begangen hat, wurde der Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit gestellt. Das Bezirksgericht Aarau unter Präsidentin Karin Von der Weid-Gygax folgte diesem Antrag nur teilweise. Die Medien waren für die Befragung der drei Opfer nicht zugelassen, durften später bei der Vernehmung von Zeugen und Angeklagtem aber an der Verhandlung teilnehmen.

Nur zum Teil im Aargau

Die sexuellen Handlungen, über welche das Bezirksgericht heute urteilen muss, haben sich nur zu einem kleinen Teil im Aargau abgespielt. Weil das erste angeklagte Delikt jedoch in der Region Aarau verübt worden ist, wurde die Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg geführt. Sie hat auch Anklage erhoben. Der damals 23-jährige Mann soll sich 2010 einer damals 25-jährigen Frau vorerst sexuell genähert haben.

Das lehnte diese ab, liess sich jedoch vom Angeklagten massieren. Dabei soll sie eingeschlafen sein, was sich der Mann zunutze machte. Laut Anklageschrift habe er das Opfer nicht nur betastet, sondern an der schlafenden Frau sogar den Beischlaf vollzogen. Das Opfer hat davon nach eigenem Bekunden vorerst nichts bemerkt. Erst nach dem Aufwachen sei ihr etwas seltsam vorgekommen, worauf sie aus der Wohnung geflüchtet sei und bei der Nachbarin Zuflucht gesucht habe.

Jugendliche im Lager belästigt

In einem weiteren Fall wird dem Mann vorgeworfen, sich im Sommerlager einer kirchlichen Organisation an einem damals noch minderjährigen Mädchen sowie an einer bereits über 16 Jahre alten Schutzbefohlenen vergriffen zu haben. Der Angeklagte war im Lager als einer von mehreren Leitern tätig. Bei den ihm vorgeworfenen Delikten geht es um Berührungen an intimen Stellen.

Die beiden jungen Frauen sollen ihm signalisiert haben, dass sie das nicht möchten. Stark gewehrt hätten sie sich jedoch dabei nicht.

Die Staatsanwaltschaft schrieb dieses Verhalten ihrer Angst vor dem Angeklagten und der Scham vor dem Geschehenen zu. Die Kinder hätten sich nicht zu wehren getraut.

Nur zum Teil geständig

Sein Fehlverhalten sah der Mann vor Gericht im Fall der beiden Mädchen ein. «Ich habe hier einen grossen Fehler gemacht.» Warum er sich an den Mädchen vergriffen hat, dafür konnte er trotz beharrlicher Nachfrage vonseiten des Gerichts keinen plausiblen Grund nennen.

Den Vorwurf der Schändung wollte der Angeklagte hingegen nicht im Raum stehen lassen. Der Vorfall, erklärte er, habe sich völlig anders abgespielt. Das Opfer, mit dem er Jahre zuvor eine kurze Beziehung hatte, habe sich von ihm zuerst massieren lassen und daran Gefallen gefunden. Gegen die späteren sexuellen Handlungen hätte sich die Frau nicht gewehrt, sondern mit eindeutigen Körperbewegungen wohlige Gefühle signalisiert. Und, betonte der Angeklagte, geschlafen habe die Frau dabei ganz bestimmt nicht.

Freiheitsstrafe beantragt

Das habe sie sehr wohl, erklärte der Staatsanwalt im Parteivortrag. Die Frau sei für ihren Tiefschlaf bekannt gewesen und von Freundinnen schon aufgefordert worden, deshalb einen Arzt aufzusuchen.

Die Anklagepunkte seien in allen Teilen erstellt. Der Mann sei wegen Schändung, sexueller Handlungen mit Kindern und sexuellen Handlungen mit Abhängigen zu bestrafen. Der Ankläger forderte eine Freiheitsstrafe von insgesamt 18 Monaten, davon 6 Monate unbedingt. Das Urteil steht noch aus.

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