Aargauer Identität
Härzass, Mohrenkopf und Füdlibürger: Was Begriffe über die Region verraten

Die Menschen im Aargau fühlen sich der Region, in der sie leben, immer noch stärker verbunden, als dem Kanton. Die regionale Vielfalt lässt sich auch sprachlich abbilden.

Jörg Meier
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80 Prozent sind der Überzeugung, dass im Aargau alle Regionen gleich behandelt werden.

80 Prozent sind der Überzeugung, dass im Aargau alle Regionen gleich behandelt werden.

AZ

Die Aargauerinnen und Aargauer mögen ihren Kanton, identifizieren sich aber doch noch eher mit der Region, in der sie leben. Sie fühlen sich also, zum Beispiel, immer noch ein bisschen mehr als Freiämter oder als Fricktaler denn als Aargauer. Dies ergab eine nicht repräsentative Strassen-Umfrage, die während des Gedenkjahres «1415 – die Eidgenossen kommen» in allen elf Bezirken durchgeführt worden ist.

Befragt wurden die Passanten anlässlich der Tournee des neuen Aargauerliedes, das in den elf Bezirkshauptorten auf öffentlichen Plätzen vorgestellt worden ist. Dies alles geschah im Rahmen des Projektes «Klingende Heimatkunde» des Stadtmuseums Aarau.

Immerhin fühlen sich die Befragten den andern Aargauern deutlich näher verbunden als den Bewohnern eines andern Kantons. Aber die eigene Region ist doch etwas Besonderes: 75 Prozent bestätigten diesen Aussage. Und was dann doch für die Regierung in Aarau spricht: 80 Prozent sind der Überzeugung, dass im Aargau alle Regionen gleich behandelt werden. Die Zeiten, als sich vor allem das Fricktal und das Freiamt benachteiligt, ja gar unterdrückt fühlten, scheinen definitiv vorbei zu sein.

Dass die vier Regionen für den Aargau eine grosse Chance und Bereicherung sind, bestätigen gar 92 Prozent.

Doch Ausstellungsmacher Martin Handschin, der das Projekt «Klingende Heimatkunde» mitentwickelt hat, relativiert: «Diese Ergebnisse darf man jetzt nicht einfach für bare Münze nehmen. Es handelt sich um eher eine Momentaufnahme, um eine Tendenz. Unsere Umfrage hatte eher spielerischen Charakter und ist keineswegs repräsentativ.»

Zum spielerischen Charakter der Umfrage passt auch, dass die Befragten frei assoziieren durften, was für Begriffe ihnen spontan einfallen, wenn sie an ihre Region denken. Die Ergebnisse wurden fein säuberlich nach Regionen aufgelistet. So entstand eine Aargauer Landkarte aus lauter regionalen Begrifflichkeiten. Sie charakterisieren Besonderheiten der Region, die es so eben nur in einer der vier Regionen gibt und sie dadurch einzigartig machen. «Brügglifeld» und «Härzass» etwa gehören klar in den Berner Aargau, «Spanischbrötli» und «Füdlibürger» in die alte Grafschaft Baden. Der «Mohrenkopf» und der «Schällenunder» sind im Freiamt anzusiedeln, «Kirschen» und «christkatholisch» im Fricktal.

Manchmal definieren die Begriffe auch die Gegensätze: so werden der Berner Aargau und das Freiamt auch durch die Jassgrenze getrennt. Im Berner Aargau jasst man bis heute mit französischen Karten – daher auch der Begriff «Härzass»; im Freiamt hingegen kommen die deutschen Karten zum Zuge, deshalb der «Schällenunder», mit dem für den Freiämter Dialekt typischen Bindungs-N mitten im Wort. Oder die «Postautofahrt über die Staffelegg in die Fricktaler Sonnenstube» versus «Halt im Fressbalken Würenlos» – da ist sofort klar, was wo stattfindet. Die Umfrage als Ganzes ist ein deutliches Indiz dafür, dass die vier Regionen auch 600 Jahre nach der Eroberung des Kantons noch immer identitätsstiftend wirken.

Wer kennt weitere regionale Begriffe?

Was macht Ihre Region einzigartig? Welche Begriffe fallen Ihnen spontan dazu ein? Helfen Sie mit, die regionale Landkarte des Aargaus zu komplettieren, und senden Sie uns Ihre Begriffe per Mail: aargau@aargauerzeitung.ch

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