«Wenn es nach mir geht, sollen alle Drogen rezeptfrei abgegeben werden. Das muss ja nicht gerade in der Migros oder im Coop sein, aber beispielsweise in der Drogerie.» Für diese radikale Variante der Liberalisierung von harten Drogen plädiert Luca Urgese, Präsident der Basler FDP. Im Parteiprogramm, das die Partei am Montag verabschiedete, steht: «Drogen sollen grundsätzlich nicht verboten, sondern legalisiert, kontrolliert und besteuert werden.» Ziel sei vor allem, dem Schwarzmarkt die Grundlage zu entziehen.

Die freisinnigen Politiker aus dem Aargau beurteilen die Idee aus Basel unterschiedlich. Stefan Ammann, Präsident der Jungfreisinnigen Aargau, sagt: «Der Vorschlag ist mutig und ich begrüsse diesen.» Eine Legalisierung sei sinnvoll, weil Hilfe für Suchtbetroffene so deutlich einfacher zu organisieren sei. Ausserdem trage die Öffentlichkeit heute die Kosten für Gesundheitsschäden, welche durch Drogenkonsum ausgelöst werden. «Mit einer Steuer auf diese Produkte könnten die Kosten bei einer Legalisierung abgefedert und die Prävention verstärkt werden», sagt Ammann. Drogenkonsum sei eine Realität. «Mit einer Legalisierung könnten schädliche Auswirkungen auf die Betroffenen und die Allgemeinheit gemildert werden.»

Ganz so radikal wie der Basler FDP-Präsident sind die Aargauer aber nicht. «Bei harten Drogen ist eine kontrollierte Abgabe nötig», findet Ammann. Ähnlich sieht es Nationalrat Matthias Jauslin. Er sagt zum Vorschlag: «Das ist eine radikal liberale Forderung, die ich nicht sinnvoll finde.» Er befürworte eine Legalisierung von Cannabis, sofern der Jugendschutz eingehalten werde. «Härtere Drogen müssten aber komplett rezeptpflichtig sein und unter eine ärztliche Aufsichtspflicht fallen wie das zum Beispiel bei Antidepressiva der Fall ist», sagt Jauslin.

Selbstverantwortung zieht nicht

Sein Ratskollege Thierry Burkart lehnt den Vorschlag vollumfänglich ab. «Wir haben in der Schweiz in Bezug auf harte Drogen eine gut funktionierende Politik. Eine Änderung ist weder nötig noch sinnvoll», sagt er. Harte Drogen seien derart gefährlich, dass deren Legalisierung ein «völlig falsches Signal setzen würde». Das Suchtpotenzial sei immens, sodass ein freier Zugang grosse gesundheitliche Risiken für die Bevölkerung hätte.

Auch FDP-Grossrätin Martina Sigg ist gegen eine Legalisierung aller Drogen, obwohl sie den Vorteil der Entkriminalisierung sehe. Als Apothekerin habe sie schon vieles erlebt und gesehen. «Aus medizinischer Sicht muss vermieden werden, dass diese Substanzen konsumiert werden», sagt Sigg. Eine Ausnahme sei Cannabis, das gewisse sehr sinnvolle medizinische Anwendungen habe. «Im Zusammenhang mit harten Drogen stimmt für mich das Argument der Selbstverantwortung aber nicht, denn diese versagt bei suchtkranken Menschen», erklärt die Grossrätin. Sie unterstütze deshalb lediglich die kontrollierte Abgabe an suchtkranke Personen.