Bis vor kurzem kannten ihn nur Polit-Insider in Bern – nun steht Hansjörg Knecht ganz oben auf einer Liste der SVP Schweiz mit sieben Bundesratskandidaten. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» bestätigte Parteipräsident Toni Brunner, dass Knecht «tatsächlich im Kreis möglicher SVP-Bundesratskandidaten sei».

Der 54-jährige Mühlenbesitzer aus Leibstadt sei ein konzilianter, mehrheitsfähiger Konsenspolitiker, vertrete parteipolitisch jedoch eine klare Linie, sagt Brunner. «Der Weg führt über den Ständerat», hielt der SVP-Präsident fest, der Knecht aufgrund dessen unternehmerischen Erfolge und Führungserfahrung für «absolut geeignet» für das Amt eines Bundesrats hält.

«Das ehrt mich»: Knecht auf Bundesrats-Shortlist

«Das ehrt mich»: Knecht auf Bundesrats-Shortlist

Knecht fühlt sich geehrt

Die az erreicht Hansjörg Knecht kurz vor seiner Ansprache als Schirmherr des internationalen Narrentreffens in Leibstadt. «Es ehrt mich natürlich, dass die Parteileitung der SVP mich auf die Liste der möglichen Bundesratskandidaten gesetzt hat», sagt er. Er habe dies nicht aus der Zeitung erfahren: «Es gab immer wieder Gerüchte über eine Bundesratsliste der SVP, dass die Parteileitung schon frühzeitig solche Abklärungen trifft, war mir bekannt.» Dass er nun auf der Liste stehe, zeigt Hansjörg Knecht, «dass meine Arbeit als Sachpolitiker – sicher vor allem mein Engagement im Energiebereich – geschätzt und registriert wird».

Zurückhaltend äussert sich Knecht auf die Frage, ob er sich eine Bundesratskandidatur vorstellen könnte. «Ich möchte im Herbst in erster Linie einmal Ständerat werden, deshalb konzentriere ich mich voll auf diesen Wahlkampf.» Alles andere komme danach, «darüber mache ich mir im Moment keine grossen Gedanken».

Ständerat keine Voraussetzung

Dass ein späterer Bundesrat vorher Ständerat gewesen sein muss, wie es Toni Brunner in der «Schweiz am Sonntag» sagte, ist für Knecht nicht zwingend. «Es gibt zahlreiche Beispiele von Politikern, die vorher nicht im Stöckli waren, sondern über den Nationalrat oder eine Kantonsregierung in den Bundesrat gekommen sind.» Ein prominentes Beispiel dafür ist der aktuelle SVP-Bundesrat Ueli Maurer, der in Bern «nur» im Nationalrat sass.

In der grossen Kammer sitzt seit drei Jahren auch Knecht. Das Nationalratsmandat lässt sich zeitlich mit seiner beruflichen Tätigkeit verbinden. Dies würde auch für einen Sitz im Ständerat gelten – nicht aber für das Amt als Bundesrat. Knecht sagt dazu: «Ich bin mit Leib und Seele Unternehmer und überzeugt, dass etwas mehr unternehmerischer Geist auch dem Bundesrat gut tun würde.»

Knecht ist sich im Klaren darüber, dass er als Bundesrat seine Mühle nicht mehr führen könnte. «Mit solchen Fragen befasse ich mich aber noch nicht», sagt er. Auch im Ständerat brauche es mehr Unternehmer, deshalb gelte sein Fokus voll dem Wahlkampf um einen Sitz im Stöckli.

Burgherr: «Ein idealer Kandidat»

Thomas Burgherr, Präsident der SVP Aargau, ist nicht überrascht, «dass die nationale Parteileitung nun Hansjörg Knecht auf die Liste der Bundesratskandidaten gesetzt hat». Dass Knecht ganz oben auf der Shortlist steht, ist für Burgherr die Bestätigung, «dass wir im Aargau einen Top-Politiker für den Ständerat nominiert haben».

Burgherr ist überzeugt, dass Knecht ein idealer Kandidat wäre. «Ein Mann mit seinem Profil fehlt im Bundesrat: ein erfolgreicher Unternehmer mit Führungserfahrung, der zurückhaltend und bescheiden ist und sich nicht in den Vordergrund stellt.» Knecht sei kein Polteri und damit in breiten Kreisen wählbar, «dennoch vertritt er konsequent politische SVP-Positionen».

Lob für Knecht gibt es im Aargau nicht nur vom Kantonalpräsidenten. Auch der Badener Nationalrat Luzi Stamm, selber Vizepräsident der SVP Schweiz, sagt: «Wenn Hansjörg Knecht in den Ständerat gewählt wird, ist er natürlich Bundesratskandidat.» Sollten sich ihre Hoffnungen erfüllen – Knecht also in den Ständerat und später in den Bundesrat gewählt werden – würde die SVP Aargau den Sitz im Stöckli allerdings gleich wieder verlieren. «So weit habe ich noch gar nicht überlegt, aber das wäre ein Problem, mit dem wir gut leben könnten», sagt Burgherr schmunzelnd. In diesem Fall müsste die SVP Aargau für eine weitere Ständeratswahl erneut einen Kandidaten finden – «und dafür gibt es genügend valable Kandidaten in unserer Partei».